„Willkommen in Köthen“

„Willkommen in Köthen“: Kanzlerin Merkel bedankt sich persönlich bei Flüchtlingshelfern

Köthen - Bun­des­kanz­le­rin Angela Merkel würdigt Flücht­lings­hel­fer aus Deutsch­land. Vertreten war auch die In­itia­tive „Willkommen in Köthen“.

Von Stefanie Greiner

Sie haben geholfen, als Fremde ihre Hilfe brauchten. Spontan. Und ohne dafür bezahlt zu werden. Dafür wollte Angela Merkel einfach mal „Danke“ sagen.

Die Bundeskanzlerin würdigte am Freitag in Berlin rund 140 ehrenamtliche Flüchtlingshelfer aus ganz Deutschland. Unter ihnen war Petra Fritsche aus Köthen.

Petra Fritsche war für „Willkommen in Köthen“ in Berlin

Sie hatte sich bereits 2015 der Initiative „Willkommen in Köthen“ angeschlossen, über Monate als Koordinatorin gearbeitet. Unentgeltlich. Wie viele andere auch. Rund 100 ehrenamtliche Helfer hatte die Initiative zwischenzeitlich. Es waren Senioren wie auch Studenten, Ur-Köthener wie auch Hinzugezogene.

„Jeden Tag kamen neue Helfer dazu“, sagt Petra Fritsche.
Sie denkt gern zurück. An eine Zeit, die extrem stressig, aber mindestens genauso schön gewesen ist. „Damals konnte man jeden Tag was bewegen“, sagt die Köthenerin. Damals, als zahlreiche Flüchtlinge angekommen sind, die inzwischen in Köthen eine neue Heimat gefunden haben.

Hilfe um in Köthen ein neues Leben anzufangen

Die Helfer begleiteten die Flüchtlinge bei Arztbesuchen und Behördengängen. Sie boten Deutsch-Kurse und Hausaufgaben-Betreuung an, sortierten Kleiderspenden. Kurzum: Sie halfen ihnen dabei, in Köthen ein neues Leben anzufangen. Die Initiative verlangt dafür auch etwas: Die Bereitschaft der Flüchtlinge, sich zu integrieren - die Sprache zu lernen, die Gepflogenheiten zu akzeptieren.

Inzwischen ist es ein wenig ruhiger um das Netzwerk geworden. Was nicht verwunderlich ist. „Willkommen in Köthen sollte eine Lücke füllen“, erklärt Tom Aslan, Sprecher der Initiative. „Eine gewisse Zeit überbrücken.“ Die Zeit, bis Profis diese Arbeit übernehmen würden. Das ist inzwischen passiert.

Die Aufgaben der Helfer haben sich verändert

Die Initiative gibt es trotzdem noch. Sie hat nach wie vor zahlreiche Helfer, die bei Bedarf einspringen. Bedarf ist da. Wenn auch nicht mehr so ausgeprägt wie noch vor anderthalb Jahren. Einen Teil der Aufgaben erledigen inzwischen andere. Träger, die dafür bezahlt werden. Die Kleiderkammer ging beispielsweise ans Deutsche Rote Kreuz. Deutsch-Kurse bietet die Kreisvolkshochschule an. Aber weiterhin auch die Initiative.
Die Aufgaben der Helfer haben sich verändert.

Ging es vor anderthalb Jahren darum, den Flüchtlingen zu helfen, sich in Köthen erst einmal zurecht zu finden, geht es jetzt darum, ihnen bei der Ausbildungs- und Jobsuche zu helfen. Und langfristig eine Perspektive in ihrer neuen Heimat zu finden.
Für diese Arbeit wurde „Willkommen in Köthen“ schon mehrfach ausgezeichnet. Zuletzt im Dezember 2016 mit dem Integrationspreis des Landes Sachsen-Anhalt. Die Helfer freuen sich über solche Auszeichnungen. Sie zeigen ihnen, dass ihre Arbeit auch über Köthen hinaus gewürdigt wird. Eine Motivation, um weiterzumachen. (mz)

Gegründet wurde die Initiative "Willkommen in Köthen" am 4. September 2015. Einige Monate zuvor - im Mai, um genau zu sein - haben Vertreter verschiedener Institutionen, darunter Kirchen und Vereine, aber schon damit begonnen, Flüchtlinge zu unterstützen.

Die Anlaufstelle der Initiative befand sich zunächst in der Villa Creutz, Friedrich-Ebert-Straße 17, in Köthen. Sie wanderte von dort aus ins Zentrum der Stadt, in die Schalaunische Straße 33. (mz/sgr)