Vorsichtiger Blick voraus

Vorsichtiger Blick voraus: Kreisvolkshochschule in Köthen nimmt Betrieb wieder auf

Köthen - Die Kreisvolkshochschule in Köthen hat nach einem langen Lockdown unterbrochene Kurse wieder aufgenommen. Der Blick voraus ist aber noch vorsichtig.

Von Matthias Bartl 28.08.2020, 14:39

Sicher wird es Leute geben, die einen inneren Zusammenhang zwischen einer Volkshochschule und dem Ungeheuer von Loch Ness rundweg ablehnen: Die Volkshochschule befasst sich mit populärer Wissenschaft, das andere gehört in die kryptozoologische Märchenstunde wie der Tatzelwurm, Bigfoot oder Yeti.

Dass die Kreisvolkshochschule in Köthen sich ein solch ungewöhnliches Thema für einen englischen Konversationsabend aussucht, zeigt mithin eine ordentliche Portion Selbstbewusstsein - zum anderen, und da kommt Corona ins Spiel, fast seherische Qualitäten.

Denn eigentlich sollte die spezielle Englischstunde bereits Ende Mai stattfinden, wurde aber für diesen Moment durch das „Ungeheuer Corona“ verbannt. Und erst als sich der virusbedingte Würgegriff um das öffentliche Leben wieder lockert, durfte auch Nessie am 29. Juni auftauchen. Ein geradezu metaphorisches Zeichen dafür, dass man allen Widerständen und Widrigkeiten zum Trotz nicht untergeht.

Man hat im Köthener KVHS-Haus ein Einbahnstraßensystem eingerichtet

Auch wenn man in den nächsten Monaten verständlicherweise kleinere Brötchen als üblich backen muss. Als am Freitag, dem 13. März, die Arbeit in der KVHS auf Null heruntergefahren wurde, wurden auch die laufenden Kurse abgebrochen. Vielmehr: unterbrochen, denn natürlich haben Volkshochschul-Leiterin Pia-Maria Faust und Fachbereichsleiter Andreas Gossert gemeinsam mit den Kursleitern versucht, die gerissenen Fäden nach dem Ende des Lockdowns wieder zusammenzuknüpfen.

Wofür man zunächst einmal die materiellen Voraussetzungen überprüfen musste. „Wir haben uns alle Räume an allen Standorten in Köthen, Bitterfeld und Zerbst angesehen, um auszuloten, ob die Kurse in die Räume passen oder nicht,“ sagt Pia-Maria Faust In erster Linie habe man sich bemüht, Kurse in die größeren Räumen zu verschieben, wo die pflichtgemäßen 1,50 Meter Abstand auch einzuhalten sind.

Man hat im Köthener KVHS-Haus ein Einbahnstraßensystem eingerichtet, das dazu geeignet ist, den „Begegnungsverkehr“ von Kursteilnehmern zu minimieren. Und andere Maßnahmen mehr: Am Ende ging das Puzzle auf, „aber es half auch, dass ein Kurs abgesetzt werden musste“.

Zur Zeit befindet sich die Kreisvolkshochschule noch in der Sommerpause

Es habe Kursleiter und Teilnehmer gegeben, die nicht mehr weitermachten, weil es ihnen gesundheitlich zu heikel war. Es habe auch Absagen gegeben, weil Kurse zu anderen Tageszeiten durchgeführt werden mussten als geplant und es dadurch zu planerischen Kollisionen kam. Unabhängig von diesen Stolperstellen, ist es aber gut gelungen, das Kurssystem wieder ins Laufen zu bekommen.

Was auch deswegen wichtig ist, weil es Nachfragen dazu gegeben hat und gibt. „Es gab nicht wenige Anrufe von Leuten, die wissen wollten, wann und wie es weitergeht“, so Gossert. Nicht zuletzt die sozialen Kontakte, die einen Kurs ausmachen, seien den Teilnehmern wichtig.

Zur Zeit befindet sich die Kreisvolkshochschule noch in der Sommerpause. Die man auch dazu genutzt hat, im Bereich „PC; Karriere und Co.“ neue Kurse ins Leben zu rufen, mit denen man die Bandbreite erweitert. Erweitern muss: Denn gerade die beliebten PC-Kurse waren in Köthen an Abstandsgrenzen gestoßen.

Der klassische Start des Herbstsemesters verschiebe sich in den Oktober

„In unserem PC-Kabinett in Köthen stehen zwölf Rechner“, sagt Pia-Maria Faust. Diese können aus technischen Gründen im Raum nicht verschoben werden, wodurch die Abstandsregeln nicht eingehalten werden können. Daher versuche man nun, die Kurse auf mobile Technik umzuarbeiten: auf Smartphone, Tablet, Notebook.

Den technologischen Wandel gab es zwar schon vor Corona, „aber durch Corona ist er auch bei uns beschleunigt worden“. So heißt es demnächst „Streaming für zu Hause und unterwegs“ oder „Kaufen und verkaufen bei Ebay“. Neu sind auch Online-Kurse, zum Beispiel zum Excel-Grundkurs Tabellenkalkulation oder zur Bildbearbeitung.

Dennoch meinen Faust und Gossert, dass man derzeit noch wenig Neues zu bieten habe und erst einmal daran arbeite, die Kurse aus dem Frühjahr in einer Art Zwischensemester erfolgreich zu Ende zu bringen. Der klassische Start des Herbstsemesters verschiebe sich in den Oktober. Wie er ausfalle, hänge auch davon ab, was in der achten Eindämmungsverordnung stehen werde, die im September erwartet wird.

„Was wir derzeit leisten können, ist Vorarbeit“

„Was wir derzeit leisten können, ist Vorarbeit“, sagt Andreas Gossert. Praktische und planerische. Wobei auch da Unwägbarkeiten warten. „Es wäre schön, die Ländervorträge wiederzubeleben“, sagt Gossert - aber die Frage ist zum Beispiel, ob durch Corona „die Studenten wirklich anreisen“. Alle Gegebenheiten zusammengenommen, sei man daher mit neuen Kursen vorsichtig. „Wir setzen die angefangenen Kurse fort, wenn machbar mit Updates. Für neue Kurse haben wir Ideen im Kopf, aber wir werden sie in diesem Jahr eher nicht umsetzen.“

Auf alle Fälle aber soll man darüber nachdenken, „Nessie“ vielleicht im nächsten Jahr noch einmal auftauchen zu lassen. Nicht nur, weil man mit der gebürtigen Schottin Madge Conacher jemanden in Köthen hat, der mit der Geschichte des Ungeheuers direkt familiär verbunden ist. Sondern auch, weil „Nessie“ nicht und durch nichts totzukriegen ist. Und dieser Umstand gut zur Volkshochschule passen könnte. (mz)