Besondere Aktion

Nach Hilferuf von Igel-Mama in Köthen - Chemiepark Bitterfeld-Wolfen lässt 15 Igel-Häuser bauen

Von Karl Ebert
Antje Sterl freut sich über die Igelhäuser, die ihr Jens Frommold und Ronny Hetscher (v.re.) vom Diakoniewerk Wolfen gebaut haben.
Antje Sterl freut sich über die Igelhäuser, die ihr Jens Frommold und Ronny Hetscher (v.re.) vom Diakoniewerk Wolfen gebaut haben. (Foto: Karl Ebert)

Köthen/MZ - Die Gärten von Antje Sterl liegen ein wenig versteckt in der Gartenanlage am Hubertus. Auch die Mitarbeiter der Diakonie Wolfen, die sich am Freitag bei der seit Jahren als Igelmama bekannten Köthenerin angesagt hatten, mussten zunächst nach dem Weg fragen, ehe sie dann über schmale Pfade mit ihrem Kleinbus bis zum Garten Nummer 80 vorgedrungen waren.

In nur wenigen Minuten entluden Sandra Greiner, die für die Öffentlichkeitsarbeit bei der Chemiepark Bitterfeld-Wolfen GmbH zuständig ist, sowie Gruppenleiter Ronny Hetscher und Jens Frommold von der Diakonie Wolfen die 15 neuen Igelhäuser, die Antje Sterl für ihre „Sorgenkinder“ so dringend benötigt.

Chemiepark-Chef hatte MZ-Artikel über die Igel-Mama gelesen

„Unser Chef Patrice Heine hat den Artikel über Antje Sterl und ihre Tiere in der Mitteldeutschen Zeitung gelesen und uns gebeten, einmal Kontakt mit ihr aufzunehmen. Zunächst dachten wir an ein oder zwei Häuser, dann hat Frau Sterl gesagt, dass sie eigentlich 15 braucht. Also sind 15 daraus geworden“, erzählt Sandra Greiner über die Anfänge der Aktion. Und weil die Mitarbeiter vom Chemiepark wussten, dass die Diakonie Wolfen eine Holzwerkstatt hat, war auch der Produzent für die Häuschen ausgesprochen schnell gefunden.

Gruppenleiter Ronny Hetscher sowie seine Mitarbeiter Jens Frommold und Roberto Lang waren sofort Feuer und Flamme für diese Aktion. Normalerweise fertigen sie Einwegpaletten, Schränke, Tore für Privatleute oder auch Bierträger für Events von Brauereien zu besonderen Veranstaltungen. „Aber Igelhäuser waren auch für uns Neuland“, erzählt Hetscher.

Zunächst haben die Männer ein Probehaus gebaut, das die Leute vom Chemiepark begutachtet, abgenommen und letztlich für exakt passend befunden haben. Dann ging es an die Produktion des richtigen Auftrags. „Etwa einen knappen Tag Arbeitszeit haben wir für ein Haus gebraucht. Sie sind natürlich nicht alle der Reihe nach entstanden, weil wir ja auch noch andere Arbeiten zu erledigen hatten. Zunächst haben wir die Teile für alle Häuser zugeschnitten, dann bearbeitet und zusammengebaut“, erklärt Hetscher. Das Material zu bekommen, sei nicht unbedingt das Problem gewesen, die Preise dagegen schon. Allein der Quadratmeter-Preis für die Abdeckplatten der Häuser hatte sich binnen 14 Tagen verdreifacht. Jedes der Igelhäuser hat einen Wert von 65 Euro, die Gesamtsumme von knapp 1.000 Euro zahlt die Chemiepark GmbH.

Antje Sterl freut sich über das Geschenk. Die Chemiepark GmbH war die einzige Einrichtung, die auf den Aufruf von ihr Ende Mai in der Mitteldeutschen Zeitung reagiert hat. „Beim Futter haben mir allerdings auch einige Privatleute geholfen. Ich bin über Facebook recht gut vernetzt. Und so sind diese Verbindungen dann auch entstanden“, sagt Antje Sterl. Sie wird die 15 Häuser nun in ihren beiden Gärten von jeweils knapp 400 Quadratmetern Größe verteilen und sie so gut als möglich gegen die natürlichen Feinde der Igel schützen. Und davon gibt es ihrer Aussage nach in der Gartensparte am Hubertus recht viele. „Hier treiben sich viele Füchse herum. Aber vor allem Waschbären und Marder. Man ahnt gar nicht, durch welche enge Öffnungen diese Tiere in die Häuser gelangen“, erzählt Antje Sterl.

Antje Sterl päppelt auch Meerschweinchen, Hasen und Vögel auf

Doch nicht nur Igel päppelt Antje Sterl in ihren Gärten wieder auf. Auch Meerschweinchen, Hasen und sogar Vögel pflegt sie. Sie arbeitet auch eng mit dem Tierpark Köthen und dem Tierheim zusammen, wo solche Tiere oft abgegeben werden. Jetzt im Sommer gibt es kaum Tage, an denen sie nicht die Zeit von 6 bis 22 Uhr in ihren Gärten verbringt. Nicht nur Tiere pflegen, sondern auch darauf achten, dass das Umfeld für ihre Schützlinge stimmt. Und um sich um ihren Nachbargarten zu kümmern. Denn auch hier stehen mehrere Igelhäuser, die Laube soll zur Auffangstation für Igel und andere Tiere werden.

„Aber ab und an muss ich auch mal nach Hause, um nach dem Rechten zu sehen und dort die anderen Tiere zu füttern“, sagt sie.