Rückkehr zum Falteimer

Nach Corona-Pause: Knapp 30 Jugendliche machen beim neunten Berufsfeuerwehrtag in Radegast mit

2020 musste er ausfallen - umso größer ist die Freude, dass es dieses Jahr klappt. Ein paar Einschränkungen gab es dennoch.

Von Doreen Hoyer
Wasser marsch - der Brand wird gelöscht.
Wasser marsch - der Brand wird gelöscht. (Foto: Ute NIcklisch)

Radegast/MZ - Samstagnachmittag in Radegast, das Thermometer zeigt 29 Grad. Die Sonne brennt - und die Laube auch. Kräfte der Freiwilligen Feuerwehr rücken in die Willy-Lohmann-Straße aus, um eine brennende Gartenlaube zu löschen. Doch das Wasser auf den Fahrzeugen reicht nicht. Das Feuer droht, auf benachbarte Garagen überzugreifen. Ein Behelfsbecken muss aufgebaut und befüllt werden.

Zum Glück war der Brand geplant. Aber es handelt sich nicht um Brandstiftung in diesem Fall, sondern um einen Programmpunkt des diesjährigen Berufsfeuerwehrtages. 29 Jugendliche zwischen zehn und 18 Jahren aus Radegast, Zörbig, Cösitz und Gnetsch nehmen an dem Programm von Freitag bis Sonntag teil, zu dem neben Nachtwanderung und Badeausflug auch viele Einsätze wie der hier beschriebene Laubenbrand gehören. Die Laube war denn auch eher imaginärer Art, in Wahrheit brannte es in einer Tonne. Aber darum geht es nicht.

Der Falteimer ist quasi das Maskottchen des Berufsfeuerwehrtages

Worum es stattdessen geht: Dem Nachwuchs der Freiwilligen Feuerwehren etwas bieten, ihn begeistern und dabei praxisnah ausbilden, wie die Mitorganisatoren Ann-Christin Berg aus Cösitz und Christian Brosinski aus Radegast in der Feuerwache zum Falteimer erklären.

Sogar ein Faltmeimer-Logo gibt es.
Sogar ein Faltmeimer-Logo gibt es.
(Foto: Ute Nicklisch)

Der Falteimer, das ist quasi das Maskottchen des Berufsfeuerwehrtages. Denn bei einem der ersten Einsätze überhaupt war die Aufgabe, eine Löschkette zu bilden und einen Brand mit Hilfe von Falteimern zu löschen, wie Ann-Christin Berg erzählt. Was nicht so einfach war, denn man muss erstmal so viele Falteimer auftreiben. Letzten Endes gab der Eimer der zeitweiligen Einsatzzentrale für den Berufsfeuerwehrtag ihren Namen. Besagter Tag - eigentlich ist es ja ein ganzes Wochenende - fand nun zum neunten Mal statt. Dabei sollte es eigentlich schon das zehnte sein. Aber 2020 musste der Berufsfeuerwehrtag ausfallen - zu groß war die Unsicherheit, was Corona noch bringen würde.

Desinfektionsmaßnahmen, Schnelltests bei Ankunft und Abreise und Maskenpflicht in Gebäuden und bei Einsätzen

Dieses Jahr aber klappt es wieder, dank eines nicht zu unterschätzenden organisatorischen Aufwandes. „Wir haben ein Hygienekonzept entwickelt und es bei der Stadt Südliches Anhalt eingereicht“, erklärt Ann-Christin Berg. Desinfektionsmaßnahmen, Schnelltests bei Ankunft und Abreise und Maskenpflicht in Gebäuden und bei Einsätzen sieht das Konzept beispielsweise vor. „Bis jetzt klappt das tadellos“, so ein erstes Fazit am Samstag.

Aus Leiterteilen und einer Folie entsteht das Wasserbecken.
Aus Leiterteilen und einer Folie entsteht das Wasserbecken.
(Foto: Ute Nicklisch)

Ein Teil der Feuerwehreinsätze sei eigentlich schon für 2020 geplant worden, erzählt Christian Brosinski. Weil daraus nichts wurde, werden sie jetzt umgesetzt. Alles in allem seien Planung und Organisation ziemlich sportlich gewesen. Anfang Juni gab es grünes Licht von den Behörden für die Veranstaltung. „Erst dann machte es Sinn, alles zu organisieren. Aber in der Regel planen wir schon sechs Monate vorher.“ Aber wenn es nach den Jugendlichen gegangen wäre, so hätten einige von ihnen am liebsten gleich Anfang Juni die Feuerwache zum Falteimer bezogen.

Am 11. September soll in Köthen die Leistungsspange abgenommen werden, die höchste Auszeichnung in der Jugendfeuerwehr

Beim Laubenbrand und Beckenbauen am Samstag jedenfalls haben die Jugendlichen einige Zuschauer, die auf dem Gehweg stehen bleiben oder von ihren Häusern aus zugucken. Auch das ein oder andere Kind ist dabei. Solche Aktionen sind gut, um neue Mitglieder für Kinder- oder Jugendwehren zu gewinnen. Immerhin sieht man dabei ganz genau, was die jungen Feuerwehrleute alles lernen und können.

Apropos können: Der nächste Höhepunkt steht bald an. Am 11. September soll in Köthen die Leistungsspange abgenommen werden, die höchste Auszeichnung in der Jugendfeuerwehr. Das Training dafür läuft.