Mobilfunkmast in Maxdorf

Mobilfunkmast in Maxdorf: Ortschaftsrat und Anwohner fühlen sich übergangen

Maxdorf - Am Ende wollte Iris Schumacher wenigstens symbolisch protestieren. Durch eine Unterschriftsverweigerung. Die Ortsbürgermeisterin von Zabitz, die damit auch zuständig ist für den Ortsteil Maxdorf, setzte ihren Namen nicht unter die Bauvoranfrage zur Errichtung eines Funkmasts der Telekom östlich von Maxdorf. Verstanden wissen wollte Iris Schumacher dies nicht als generellen Protest, „sondern dagegen, dass ich etwas unterschreiben soll, wogegen ich sowieso keine Handhabe ...

Von Matthias Bartl 12.10.2019, 07:00

Am Ende wollte Iris Schumacher wenigstens symbolisch protestieren. Durch eine Unterschriftsverweigerung. Die Ortsbürgermeisterin von Zabitz, die damit auch zuständig ist für den Ortsteil Maxdorf, setzte ihren Namen nicht unter die Bauvoranfrage zur Errichtung eines Funkmasts der Telekom östlich von Maxdorf. Verstanden wissen wollte Iris Schumacher dies nicht als generellen Protest, „sondern dagegen, dass ich etwas unterschreiben soll, wogegen ich sowieso keine Handhabe habe“.

Interessenten im Ortschaftsrat stellten schnell fest, dass alles schon entschieden ist

Denn das hatten die drei anwesenden Ortschaftsräte sowie sieben interessierte und betroffene Maxdorfer Bürger am Mittwochabend relativ schnell festgestellt: Dass sie zwar mit zwei Experten über das Thema „Funkturm“ noch einmal sprechen konnten. Dass sie damit aber zu keiner Entscheidungsfindung aktiv beitragen konnten.

Die Entscheidung darüber war schließlich schon im April gefallen, als die Gemeinde Osternienburger Land mit der Telekom einen Vertrag über die Nutzung eines gemeindeeigenen Grundstücks bei Maxdorf abschloss, damit dort die Telekom einen Mobilfunkmast errichten kann.

Hintergründe des Vorhabens wurden umfangreich erörtert

Verloren war der Abend aber dennoch nicht, denn man erhielt viele Informationen über die Hintergründe des Vorhabens - und letztlich auch über die vermeintlichen oder tatsächlichen Gefahren in Zusammenhang mit dem Bau des Mastes und der Sendeanlagen. Und darüber, was es im Umfeld an ähnlichen Einrichtungen gibt, die mehr oder weniger geräuschlos entstanden sind.

Bolko Weilandt von der Deutschen Telekom Technik GmbH hat als Kommunalbeauftragter der Telekom-Tochter Erfahrungen im Umgang mit solchen Versammlungen. Frank Hoffmann von der Deutschen Funkturm GmbH, eines weiteren Telekom-Ablegers, ebenso. Und beide machten auch - zwar nicht direkt, aber auf Umwegen - deutlich, dass aus ihrer Sicht die Messen schon gesungen sind.

Funkmast dient der Mobilfunkversorgung auf der IC-Strecke

Der Funkmast, der bei Maxdorf errichtet werden soll, dient nicht in erster, sondern nur in zweiter Linie der besseren Mobilfunkversorgung von Maxdorf. In erster Linie dienen die Sendeanlagen dazu, ein Funkloch auf der benachbarten IC-Strecke zwischen Magdeburg und Halle zu stopfen. Die nächstgelegenen Sendeanlagen befinden sich in Köthen und Wulfen - dazwischen klemmt derzeit die Mobilfunkversorgung.

Daraufhin habe man im Juli 2018 die Gemeinde Osternienburger Land angeschrieben, um von dieser Hilfe bei der Auswahl eines passenden Grundstücks zu bekommen. „Am 6. August 2018 haben wir eine Antwort erhalten mit drei Flurstücksvorschlägen“, erläutert Weilandt den Werdegang. Diese Vorschläge wurden dann an die Deutsche Funkturm weitergereicht, „die schauen, ob es passt“.

Es passte nicht auf dem Gelände der Kleingartensparte Maxdorf, deren Zukunft unklar war und ist. Es passte nicht auf einem privaten Grundstück, wo es an den notwendigen Abstandsflächen zur Bebauung haperte. Es passte auf dem Flurstück 444 , wo man die 40 Meter hohe Stahlgitterkonstruktion, auf der die Sendeanlagen montiert werden sollen, mit Hilfe eines dortigen Baumstreifens so anordnen konnte, dass dieser das Landschaftsbild möglichst wenig stören wird.

Am 28. Februar kam das zustimmende Schreiben der Gemeinde, im April wurde der entsprechende Vertrag mit der Gemeinde - der Eigentümerin des Terrains - unterzeichnet, „und jetzt steht das Baugenehmigungsverfahren an“, so Weilandt. Was nicht nur Iris Schumacher ärgert: „Was wäre verkehrt daran gewesen“, fragte sie in die Runde, „hätte die Ortschaft das Vorhaben vorher auf dem Tisch gehabt?“ Ihr Vorwurf gehe nicht an die Telekom-Vertreter (Frank Hoffmann: „Wir haben alle Wege ordentlich eingehalten.“), sondern an die Verwaltung in Osternienburg.

Kriterien für Sendeanlagen werden nach Angaben der Telekom eingehalten

Die Bedenken der Einwohner gegen die Sendeanlagen kommen erst auf Nachfrage zum Vorschein: Es gibt keinen Geräuschpegel, die Straße zum Standort wird nicht ruiniert, sondern geschottert. Obenan allerdings stehen die Sorgen um die Gesundheit, die weder gänzlich beschwichtigt, noch ausgeräumt werden können - obschon Weilandt und Hoffmann mantramäßig darauf verweisen, dass alle behördlich geforderten Sicherheitskriterien eingehalten werden. „Es gibt buchstäblich 1000 Studien zum Mobilfunk“, sagt Bolko Weilandt, „mit allen Ergebnissen für jede Richtung.“

Den Termin für den Baubeginn wollen beide Gäste nicht prognostizieren: „Eventuell im Sommer oder Herbst 2020“, sagt Frank Hoffmann: „Aber ich habe bei Baugenehmigungen schon alles Mögliche erlebt. “

(mz)