Sisyphusarbeit im Museum

Historiker Sven Pabstmann sucht in den Museen von Köthen nach Hinweisen auf NS-Raubkunst

Von Karl Ebert 20.09.2021, 11:35
Kunsthistoriker Sven Pabstmann spricht mit Christoph Erdmann, dem Leiter der Museen im Schloss Köthen.
Kunsthistoriker Sven Pabstmann spricht mit Christoph Erdmann, dem Leiter der Museen im Schloss Köthen. (Foto: Christian Ratzel)

Köthen/MZ - Sven Pabstmann kennt sich aus in den Museen dieses Landes. Der 40 Jahre alte Kunsthistoriker aus Halle wird häufig dann gerufen, wenn es darum geht, Detektiv zu spielen, aber vor allem Sisyphusarbeit zu betreiben. Und die ist dann gefragt, wenn in den Sammlungen von Museen nach unrechtmäßigen Erwerbungen, vor allem nach Raubgut aus der NS-Zeit, gesucht wird.

Seit Juli dieses Jahres läuft die vierte Reihe der Erstchecks des Museumsverbandes Sachsen-Anhalt. Mit dabei sind in dieser Runde das Stadtmuseum „Wilhelm von Kügelgen“ Ballenstedt, das Stadtmuseum Halle, das Historische Museum für Mittelanhalt und die Bach-Gedenkstätte Köthen sowie das Museum Wolmirstedt.

Christoph Erdmann, der Leiter der Museen in Köthen, hat den Antrag auf Überprüfung im Frühjahr gestellt

Die letzten beiden hat Pabstmann bereits besucht, im Harz und seiner Heimatstadt wird er noch suchen. Christoph Erdmann, der Leiter der Museen in Köthen, hat den Antrag auf Überprüfung im Frühjahr gestellt, ist nun samt seiner Einrichtungen ordentlich „durchleuchtet“ worden und wartet den „zwischen 50 und 100 Seiten umfassenden Bericht“ des Experten ab. „Dann werden wir entscheiden, ob wir noch einen weiteren Antrag stellen oder es beim Erstcheck belassen“, sagt Erdmann. Denn die Ausbeute, die Pabstmann in Köthen gefunden hat, ist nicht sehr groß.

„Ich kratze zunächst einmal an der Oberfläche und suche nach Verdachtsmomenten. Seit Anfang, Mitte August war ich hier und habe viele neue Erkenntnisse gewonnen“, erzählt Pabstmann. Darunter jene, dass Köthens früherer Bürgermeister und Stadtbaurat Hans Thielcke von 1940 bis 1943 den Aufbau einer Kriegssammlung betrieben und entsprechend viele Objekte angekauft hat. „Die Köthener haben unter anderem ein Bild aus einem großen Wandfries aus Hamburg erworben, das aus Rom stammt, und dann über Umwege hierher gekommen ist.

„Wenn wirklich nachweislich etwas gefunden wird, dann würden wir uns mit den Personen oder Institutionen in Verbindung setzen, um Unrecht fair zu behandeln“

Sie waren damals bei durchweg renommierten Kunsthändlern in Leipzig, Berlin, Hannover oder Mannheim unterwegs und haben gekauft“, erzählt Pabstmann. „Wir haben eine Liste aus dem Jahr 1941 gefunden, in der in einer Spalte hinter allen Objekten der Vermerk ,Gestapo’ gestanden hat. In einigen Unterlagen sind Objekte jüdischer Kunst aufgeführt, die dem Museum von der Gestapo geschenkt wurden“, sagt Christoph Erdmann.

Dennoch bestand bei den Köthenern nie eine große Angst vor Rückgaben. „Und wenn wirklich nachweislich etwas gefunden wird, dann würden wir uns mit den Personen oder Institutionen in Verbindung setzen, um Unrecht fair zu behandeln“, sagt Erdmann.

Die Suche in Köthen geht für Pabstmann zunächst einmal auf das Ende zu

Im Stadtarchiv und den Listen im Depot hat Pabstmann speziell nach Grafiken und Bildern gesucht. „Mich interessieren dabei vor allem die Rückseiten, denn dort finden wir nicht selten interessante Vermerke, denen wir weiter nachgehen“, sagt er. Aber bei mehreren tausend Objekten, wie in den Köthener Sammlungen, geht es dabei auch nicht über Stichproben hinaus. „Wir konnten nicht alle Grafiken umdrehen, die in unserem alten Ordnungsbestand und in der prähistorischen Sammlung archiviert sind“, erklärt auch Erdmann.

Die Suche in Köthen geht für Pabstmann zunächst einmal auf das Ende zu. Weitere Informationen zu möglichen Objekten in der Kreisstadt erhofft er sich im Landesarchiv in Dessau, wo er speziell nach Auslagerungen im Zweiten Weltkrieg suchen möchte.