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FTI-Insolvenz lässt Reisen platzen Großes Chaos nach der Pleite von FTI? Das ist die aktuelle Lage in Köthener Reisebüros

Der Fall des Reiseveranstalters FTI macht so manchem Erholungssuchenden einen Strich durch die Rechnung. Wie sich Köthener Reisebüros und ihre Kunden mit der Pleite auseinandersetzen.

Von Florian Zellmer Aktualisiert: 13.06.2024, 17:11
Viele Urlauber, die beim Reiseveranstalter FTI gebucht haben, erleben aktuell recht unruhige Zeiten.
Viele Urlauber, die beim Reiseveranstalter FTI gebucht haben, erleben aktuell recht unruhige Zeiten. (Foto: dpa)

Köthen/MZ. - „Wir haben nicht mit der Insolvenz gerechnet“, gibt Kristin Vetter, Geschäftsführerin des gleichnamigen Touristikunternehmens, ganz offen zu. Als am 3. Juni die Nachricht von der Pleite des Reise-Riesen FTI Touristik (FTI) kam, sei der Schock auch in den Köthener Reisebüros im E-Center und auf dem Buttermarkt groß gewesen. Wie auch nicht: Bis zuletzt hätten alle in der Branche gehofft, dass eine Übernahme des angeschlagenen Unternehmens viele Kunden vor Scherereien mit ihrer Sommerreise bewahren könne. Doch es kam anders. Nun seien erstmal jede Menge Anrufe zu tätigen.

Hängepartie für viele Kunden

„Der Insolvenzverwalter und der Deutsche Reisesicherungsfond haben entschieden, dass alle FTI-Reisen bis zum 5. Juli storniert werden“, erklärt Vetter. Buchende von Pauschalreisen könnten zwar mit einer vollständigen Rückzahlung rechnen – „aber erst innerhalb der kommenden Monate.“ Auch Kunden, die ihre Reise nach dieser Zeit gebucht haben, würden aktuell eine Hängepartie ausstehen müssen: FTI ist laut eigenen Informationen in Verhandlungen mit Wettbewerbern, um die Urlaube wie geplant stattfinden zu lassen. Erst, wenn auch in diesen Gesprächen keine Lösung gefunden wird, können betroffene Kunden mit einer Erstattung rechnen. Von einer eigenen vorzeitigen Stornierung raten Reisevermittler daher ab.

„Das monatelange Warten auf die Rückzahlung ist natürlich ein Problem für manche Kunden“, weiß Vetter. Im Vorteil seien jetzt diejenigen, die schon vor der eventuellen Erstattung die Kosten für ein alternatives Reiseangebot stemmen könnten oder im Vorfeld nur eine Anzahlung für ihren Urlaubstrip geleistet hätten.

Skepsis und Bedauern

Doch wie stehen die Chancen überhaupt, dass die FTI-Reisen ab dem 6. Juli wie geplant stattfinden? Im Lehmanns Reisebüro nahe dem Halleschen Turm herrscht große Skepsis: „Wir werden sehen. Ehrlich gesagt ist es eher fraglich, dass das klappt“, meint Geschäftsinhaber Heiko Lehmann. Die gesamte Entwicklung sei äußerst bedauerlich, da FTI in seinen Augen immer ein fairer und solider Anbieter gewesen sei und europaweit in etwa 11.000 Beschäftigte hatte, die jetzt um ihre Existenz bangen müssten – 1.000 davon allein in Deutschland.

„FTI hat als Anbieter eigentlich hervorgestochen, sogar so etwas wie Entwicklungshilfe in manchen Ländern geleistet. Das Unternehmen konnte auf Netzwerke vor Ort zurückgreifen wie kaum sonst jemand. Die Pandemiezeit hat aber Spuren hinterlassen“, meint Lehmann. Ungefähr 20 Buchungen musste er durch die Pleite sofort absagen. Seine Kunden hätten es indes ohne Murren hingenommen – manche von ihnen konnten sich laut dem Reisevermittler sogar sofort für ein neues Angebot bei anderen Anbietern begeistern: „Meistens mit dem gleichen Zielort.“

„Niemand wurde vor die Tür gesetzt“

Auch einem Teil der Köthener Kundschaft von Vetter Touristik wurde von der Insolvenz ein Strich durch die Rechnung gemacht: „In unseren beiden Fillialen geht es zusammengerechnet um ungefähr 30 Buchungen. Es ist aber niemand dabei, der sich aktuell auf Reisen befindet“, überschlägt die Geschäftsführerin. Es habe sofort viel Austausch mit diesen Kunden gegeben – auch sie selbst sei in den Filialen vor Ort gewesen, um das Gespräch zu suchen. „Daher ist die Reaktion bislang überraschend entspannt ausgefallen.“ Auch hier hätten einige schon neu gebucht.

Ralph Frömmigen, Geschäftsführer von zwei Reisebüros in der Weintraubenstraße und der Merziener Straße, möchte zwar nicht genauer auf die Zahl seiner betroffenen Kunden eingehen, doch auch in den Reiseland-Filialen habe man momentan viel mit der Abwicklung aller Stornierungen zu tun. „Bei uns betrifft es auch solche, die zum Zeitpunkt der Insolvenzmeldung über FTI unterwegs waren“, erklärt er. „Alle Urlaube konnten aber problemlos fortgesetzt werden. Es gibt keine Horrorgeschichten, niemand wurde vor die Tür gesetzt.“

Was die Pleite für die Branche bedeutet

Frömmigen weist darauf hin, dass seine Reisebüros schon seit den ersten Krisenmeldungen des Unternehmens vor Jahren das Bewerben von FTI-Reisen reduziert und diese eher auf Kundennachfrage vermittelt hätten. Warnzeichen habe es immer wieder gegeben. Nun müssten sich eben alle Beteiligten um Schadensbegrenzung bemühen: „Wir haben in der Vergangenheit schon einige Pleiten erlebt. Ich erinnere nur an, Thomas Cook’ 2019. Ich habe keinen Zweifel, dass wir die Situation handhaben können. Komplikationen für die ganze Branche bringt sie aber sicherlich.“

Kundenrückgang und Untergangsstimmung wie zu Pandemiezeiten erwartet der seit über 30 Jahren tätige Reisevermittler nicht. Alles laufe momentan harmonisch und kontrolliert ab. „Was als Nächstes passiert? Der Markt wird sich wohl einfach neu aufteilen.“