"Fridays for Future"

"Fridays for Future": Schüler sammeln bei Hinsdorf Müll ein - am Sonnabend

Hinsdorf - Babywindeln, Hemden, Pullover, Flaschen und Folienreste. Während ihre Hände einen Greifer bedienen, um diesen Unrat einzusammeln, macht sich die zehnjährige Frederieke Lange so ihre Gedanken: Wer ist so skrupellos und verschandelt einen Weg, der als Abkürzung zwischen Hinsdorf und Körnitz dient? Eine Antwort auf diese Frage hat die Körnitzerin ...

Von Susann Salzmann 01.04.2019, 09:50

Babywindeln, Hemden, Pullover, Flaschen und Folienreste. Während ihre Hände einen Greifer bedienen, um diesen Unrat einzusammeln, macht sich die zehnjährige Frederieke Lange so ihre Gedanken: Wer ist so skrupellos und verschandelt einen Weg, der als Abkürzung zwischen Hinsdorf und Körnitz dient? Eine Antwort auf diese Frage hat die Körnitzerin nicht.

Einige junge Helfer klopfen ihr für diese Müllsammelaktion anerkennend auf die Schulter. Was aber nur bedingt mit der Aktion an sich zu tun hat. Der Grund dafür ist vielmehr der Tag, an dem sich gut ein Dutzend Erwachsene und Kinder beziehungsweise Jugendliche für eine saubere Umwelt einsetzt.

Sammelaktion wurde kurzfristig einberufen

Die kurzfristig einberufene Sammelaktion an diesem Samstag folgt im Groben der „Fridays for Future“-Bewegung, deren Gründerin die 16-jährige Greta Thunberg aus Schweden ist. Solch ein Engagement finde sie gut, sagt Frederieke. „Aber ich finde es nicht gut, wenn man dafür die Schule mit den immer selben Fächern schwänzen soll“, klingt es sehr erwachsen aus dem Mund der Zehnjährigen.

Wer wirklich etwas für den Umweltschutz tun möchte, könne dies auch in seiner Freizeit tun, ist die Körnitzerin überzeugt. Ihre Altersgenossen haben dieselbe Meinung wie Frederieke. Und auch die helfenden Eltern nicken - wohl auch mit einem Hauch Erleichterung über diese vernünftige Einstellung zum Umweltschutz.

Kritik am Schwänzen kommt auch von  Eltern

Ihr Vater Heiko Lange schlägt in dieselbe Kerbe wie seine Tochter: Jugend mache sich stark gegen die Vermüllung der Natur - sehr gut! Doch dafür jeden Freitag den Unterricht sausenzulassen, das moniert er. „Die Glaubwürdigkeit von ,Fridays for Future’ wäre größer, wenn die Schüler das nicht während ihrer Schulzeit veranstalten würden“, sagt Heiko Lange und wendet sich dann wieder den halb vergammelten Dingen vor seinen Augen zu. Mit einem Handschuh zieht er eine Dose, die vorher vielleicht als Keksaufbewahrungsdose benutzt wurde, aus den Sträuchern am Rand des asphaltierten Weges hervor. Er vermutet, dass die Abschüssigkeit des Weges zum Müllabladen einlädt.

Mehrere Pfandflaschen wurden gefunden

In große blaue Säcke wandert, was hineinpasst: Darunter Styropor und Eimer mit Dünnschichtlasur wie auch Flaschen. Sogar Pfandflaschen finden die Helfer am Weg, und zwar gleich mehrere. „Das Pfandgeld scheint nicht lukrativ genug zu sein“, nennt Heiko Lange eine mögliche Ansicht der Naturverschmutzer. Als Ausrede lässt er das natürlich nicht gelten.

Eine Strecke von drei Kilometern wird flink und eifrig beräumt. Die Berge an Müllsäcken holen Bauhofmitarbeiter am Montag ab. Was die „Wegputzer“ besonders dreist finden: Manchmal liegt der illegal abgelagerte Müll nicht lose herum, sondern ordentlich verpackt in blauen Müllsäcken. Ein schlechtes Gewissen, den Unrat wie Bauschutt, ein Lenkrad oder geöffnete Dosen mit verfaultem Fisch auf dem Weg abzuladen, ärgern sie sich, scheine bei denjenigen nicht vorhanden, die ihren Müll dort abladen.

Dutzende Farbeimer wurden an den Straßenrändern gefunden

Wer in der Natur unterwegs ist, erzählen sie, finde weitere unansehnliche Stellen. So auch auf dem Weg zum Wasserwerk Quellendorf. Bei den dortigen Müllansammlungen gehe man in Teilen nicht mehr von Privatleuten aus: In regelmäßigen Abständen seien dort Malerutensilien, vor allem aber Dutzende Farbeimer zu finden.

Ob es im Südlichen Anhalt bald eine „Saturdays for Future“-Aktion gibt, steht noch nicht fest. Aber die Säuberungsaktion soll keine Eintagsfliege bleiben. Dann könnten sicher auch Kinder und Jugendliche aus Hinsdorf mitmischen, das jedenfalls würden sich die Helfer wünschen. Von ihnen fehlte an jenem Samstag nämlich jede Spur. (mz)