Ein Dunkles, ein Zwickel

Ein Dunkles, ein Zwickel: „Brauhaus“ Köthen nach sechs Jahren wieder mit eigenem Bier

Köthen - Das „Brauhaus“ in Köthen kann nach einer sechsjährigen Durststrecke bald wieder regelmäßig Bier aus der hauseigenen Brauerei auf den Tisch bringen.

Von Matthias Bartl 12.02.2019, 06:00

Jean Titze steht auf der kleinen Empore im Köthener „Brauhaus“ zwischen den großen Sudkesseln wie ein Kapitän auf der Brücke. Blickt mal in die Maische, mal in die Würze, mal auf das Läuterschauglas. Und sieht zufrieden aus.

In den kupferfarbenen Behältern blubbert der nächste Sud vor sich hin, der in fünf, sechs Wochen den Besuchern der traditionsreichen Gaststätte an Holzmarkt und Lachsfang eingeschenkt werden soll. „Das ist ein dunkles Bier“, sagt Titze, Professor für Lebensmitteltechnologie pflanzlicher Produkte an der Hochschule Anhalt in Köthen.

Titze begleitet die im Vorjahr begonnene Renaissance der Köthener Braukunst als Berater. Über Jahre hinweg war das Brauen in Köthen auf Null gestellt - die einstige Brauerei in der Stiftstraße ist nur noch ein hohler Vogel und auch im „Brauhaus“ ruhten die Kessel sechs Jahre lang sanft.

Der Testlauf, begonnen Anfang September 2018, sei sehr zufriedenstellend verlaufen

So lange, bis „Brauhaus“-Chef Stephan Nickel und Hochschul-Präsident Prof. Jörg Bagdahn das Projekt „Wiederbelebung“ aus der Taufe hoben und mit dem „Campuskrone“-Brauherrn Jean Titze den passenden Katalysator fanden. Seitdem wird in Köthen wieder gebraut, trägt das „Brauhaus“ seinen Namen auch dem Buchstaben nach zu recht.

Der Testlauf, begonnen Anfang September 2018, sei sehr zufriedenstellend verlaufen, resümiert Nickel. „Wir mussten ja erst einmal herausfinden, ob die vorhandene Technik noch nutzbar fürs Brauen war. “ Daher habe man zur Probe ein schwach gehopftes Bier gebraut, ein „Frauenbier“, wie Titze frotzelt - das aber den Vorteil hat, dass man leichter herausschmecken kann, ob und welche Veränderungen notwendig sind.

Rein theoretisch könnte man in der Mini-Brauerei sieben verschiedene Sorten brauen

Das Bier kam gut an, „wir haben alles verkauft“, und jetzt hat man die erste rein kommerzielle Charge auf den Weg gebracht: Am Donnerstag ein unfiltriertes Pils, ein Zwickel-Bier, am Tag darauf das bereits erwähnte dunkle Bier, das Brauherr Titze aber nicht zu dunkel angelegt hat - „mehr so in einem fuchsigen Rot“. Rein theoretisch könnte man in der Mini-Brauerei sieben verschiedene Sorten brauen, wenn man die Lagerkessel zu Gärkesseln umfunktionieren würde, „aber das ist reine Theorie“, so Titze.

Stephan Nickel, der in diesen Tagen weniger an Bier denkt als an Wasser, denn ein unvermutet zu Tage getretener, bei geplanten Bauarbeiten entdeckter Wasserschaden in der Küche hat die Wiedereröffnung des „Brauhauses“ um eine Woche auf den 15. Februar verschoben, will den Ball ohnehin lieber flachhalten und „erst einmal schauen, wie es läuft“. Ein Dunkles, ein Zwickel - das ist schon ein guter Start nach langer Durststrecke. „Und im März könnte noch ein Hefeweizen als Sommerprojekt hinzukommen“, blickt der Gastronom in die bierselige Zukunft. Aus der auch andere saisonale Biere nicht ausgeschlossen sind. „Aber wir müssen Schritt für Schritt denken.“

Demnächst ist das Bier auch im Fass lieferbar

Den ersten Schritt, die Versorgung der eigenen Gasthaus-Kundschaft, hat man auf den Weg gebracht. Schritt 2 wird sein, Partner für den Umsatz zu finden. „Ab April sollte das möglich sein, aber nur als Fassware“, so Nickel. Dann wird man als Privatmann Brauhaus-Bier (samt Miet-Zapfanlage) ordern können, für Familienfeiern und ähnliches. Dann soll es das Bier aber auch bei Partnern wie dem Irish Pub und der Galerie geben.

Und dann wird Jean Titze zwar noch als vertragsgebundener Berater dem „Brauhaus“ zur Seite stehen - die Hauptarbeit aber wird bei Matthias Hankel liegen. Der Dessauer ist künftig der Mann fürs Bier am Lachsfang. „Er ist seit dem 1. Februar fester Mitarbeiter bei uns“, sagt Stephan Nickel, der Hankel schon länger kennt.

Für dessen Bier sogar der OB von Köthen schon Reklame gemacht hat

Der gelernte Anlagentechniker ist durch Zufall zum Brauen gekommen und als das Dessauer Brauhaus „Zum alten Dessauer“ nach einem Brauer suchte, hat er den Job übernommen. Nun wollte sich Hankel beruflich verändern, so dass ihn sein Weg nach Köthen führte.

Wo er nun hilft, Stephan Nickels Plan, der Stadt etwas Besonderes zu bieten, nämlich ein eigenes Bier, mit Leben zu erfüllen. Nickel ist froh, in kurzer Zeit schon so weit gekommen zu sein, „wofür ganz stark der Hochschule Anhalt und der Wohnungsgesellschaft als Vermieterin zu danken ist“, wie Nickel sagt. Für dessen Bier sogar der OB schon Reklame gemacht hat: Bernd Hauschild hätte das Brauhaus-Getränk gern schon jüngst zu seinem Neujahrsempfang angeboten, was aber noch nicht möglich war. Was nur aufgeschoben ist: Auch 2020 wird es einen Neujahrsempfang geben, „und an uns soll es dann nicht liegen“, sagt Stephan Nickel. (mz)

Ein Bier braucht neben vielen anderen Dingen auch einen Namen. Einen möglichst einprägsamen dazu. Das gilt auch für das Bier, das demnächst dauerhaft im „Brauhaus“ hergestellt und angeboten werden soll.

„Unsere erste Wahl ließ sich leider nicht umsetzen“, sagt „Brauhaus“-Chef Stephan Nickel. „Jakob“ hatte das Hopfen-und-Malz-Gebräu vom Holzmarkt heißen sollen, nach der Jakobskirche auf dem Markt, einem Wahrzeichen der Stadt - aber weil es in Bayern eine Brauerei gleichen Namens gibt (nur mit c statt k), habe man davon Abstand genommen., „Wir hatten keine Lust, Anwälte wachzurütteln“, sagt Nickel knapp.

Daher geht man nun auf anderen Wegen auf die Suche nach einem passenden Namen. „Wir rufen alle auf, sich einen Namen für das Bier auszudenken“, so Nickel. Der auch Ausschlusskriterien nennt: Der Name „Köthener Bier“ verbiete sich von selbst, auch Kombinationen mit Bach oder Hahnemann oder Bezüge zu Kellnern und Köchen sollen nicht hergestellt werden.

„Es soll ein Name sein, zu dem der Köthener eine Verbindung hat, historisch oder territorial“, wünscht sich Nickel. Wer sich an der Namensfindung beteiligen will, sollte seinen Vorschlag bis zum 4. März entweder an die Lokalredaktion der MZ schicken (per Post oder Mail) oder im „Brauhaus“ vorbeibringen. Derjenige, dessen Vorschlag genommen wird, erhält einen 100-Euro-Gutschein für ein Essen im „Brauhaus“.