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Nachwuchs-Imker Nachwuchs-Imker: Johannes Döring schwärmt von Bienen

Von Ute Otto 10.05.2017, 14:06
Johannes Döring und seine Bienen
Johannes Döring und seine Bienen Otto

Plossig - Es muss schnell gehen, wenn die Bienen mit aufs Foto sollen. „Sie sind heute nicht gut auf mich zu sprechen“, sagt Imker Johannes Döring. Das merkt er daran, dass die Bienen hektisch auffliegen, wenn er einen Rahmen aus der Beute zieht.

Bei guter Stimmung lassen sie sich davon nicht beirren und bauen weiter fleißig an ihren Waben. „Da könnte ich stundenlang zuschauen“, so der 17-jährige Plossiger.

Neun Völker nennt der Tischlerlehrling sein Eigen. Er war 14, als ihn dieses Hobby gepackt hat. „Es war eigentlich so eine spontane Idee“, erzählt er. Sie waren zu Besuch bei einem Bekannten im Ort, der ebenfalls imkert. Vielleicht lag es ihm ja schon im Blut, sein Großvater habe Bienen gehabt, „aber der war schon vor meiner Geburt gestorben. Aber die Gerätschaften standen hier noch herum“.

Ein Jahr lang schaute Johannes dem erfahrenen Imker über die Schulter, der schenkte ihm dann die ersten drei Völker. Die alten Holzbienenkästen, mit denen er angefangen hat, findet er heute „nicht mehr so optimal“, weil sie verwittern, trotz Schutzanstrich.

So lerne man immer dazu. Mit seinen ersten Völkern ist er auch in den Imkerverein Prettin und Umgebung eingetreten. Neben dem Wissensgewinn, den ihm der Austausch mit erfahrenen Imkern verschafft, habe das auch den Vorteil, dass die Völker versichert sind.

Wie sich die Bienen als Volk organisieren, wie jede dort ihre Aufgabe erledigt, das sei für ihn das Faszinierendste. Spannend sei auch immer die Schwarmzeit. Spätestens im Juni, wenn Überfluss herrscht an Nektar und Pollen, teilen sich die Völker. Etwa die Hälfte, eines Volkes, also rund 25.000 Bienen, zieht mit der alten Königin aus. Oft hängt der Schwarm dann geballt in einem Baum.

„Man kann ihn einfangen und in einem neuen Kasten ansiedeln, wenn man die Königin erwischt“, erzählt der junge Mann, dass er am Anfang auch mehrere Versuche gebraucht habe. Ob es ihm in diesem Jahr gelingt, seine Völker selbst zu vermehren, hängt aber weniger von seinem Geschick ab.

Er lernt in Kossa in der Dübener Heide und ist nur noch am Wochenende zu Hause. „Ich glaube nicht, dass sich die Bienen danach richten“, sagt er schmunzelnd. Die Mitschüler in der Sekundarschule hätten es nicht nachvollziehen können, dass ihm die Imkerei so viel Spaß macht.

„Sie hat bei Jüngeren ein angestaubtes Image“, bedauert er. Jetzt, bei den Arbeitskollegen und in der Berufsschule sei das schon anders. Die interessierten sich schon, wie das alles funktioniere. „Und wenn ich dann noch Honig mitbringe...“

In Plossig freut sich der Vorsitzende des Mühlen- und Dampfmaschinenvereins, Wilfried Pötzsch, über das bodenständige Hobby des jungen Mannes.

Der Vereinschef hat Pläne - er möchte in der Zukunft zeigen, wie sich die Menschen auf dem Land früher selbst versorgt haben. Dazu schwebt ihm eine Schauimkerei vor, ein Bienenhaus mit Glasfront, wo man den fleißigen Insekten bei der Arbeit zusehen kann. „Wenn es dazu kommt, würde ich das gern machen“, sagt Johannes Döring. (mz)