Applaus am Kassenhaus

„Circus Brunselli“ gibt Vorstellungen in Zahna - Und sucht nach geeignetem Winterquartier

Familienunternehmen „Circus Brunselli“ gibt ab Freitag drei Vorstellungen in Zahna.

Von Thomas Tominski 10.11.2021, 09:43
Madeleine Kaselowsky arbeitet im  Familienzirkus  „Brunselli“ auch  mit Tieren.  Ab Freitag wird sie in  Zahna ihr  Können zeigen.
Madeleine Kaselowsky arbeitet im Familienzirkus „Brunselli“ auch mit Tieren. Ab Freitag wird sie in Zahna ihr Können zeigen. Foto: Thomas Tominski

Seyda/MZ - Madeleine Kaselowsky hebt das rechte Bein etwas in die Höhe und schnipst mit den Fingern. Die beiden Mischlinge „Minni“ und „Hector“ gehen sofort in Position und setzen zum Sprung an. „Beim Circus Brunselli herrscht niemals Stillstand“, sagt Mutter Manuela, die das Gastspiel in Jessen genutzt hat, um ihrem Mann René Brunßen nach knapp 30 Jahren wilder Ehe das Jawort zu geben. Zwischen den Auftritten in Jessen Ende Oktober und Zahna vom 12. bis 14. November stehen Reparaturen an Traktoren oder Lkw, Training und Ausbesserung der Kostüme auf dem Programm.

Zudem schaut der Hufschmied vorbei, ob „die Schuhe“ der Tiere noch richtig sitzen. Die explodierenden Inzidenzzahlen bescheren der ausgebildeten Artistin (noch) keine Sorgenfalten. Sie hofft am Dienstagvormittag, dass die neue Landesverordnung zur Eindämmung der Pandemie nicht gleichzeitig Saisonende für den Zirkus bedeutet. Nach der Landespressekonferenz am Nachmittag heißt es Durchatmen. Die Auftritte sind nicht in Gefahr. Der Startschuss erfolgt am Freitag ab 16 Uhr auf dem alten Reitplatz in Zahna. Weiter geht es am Samstag um 16 Uhr und Sonntag, 14 Uhr.

3G-Regel beim Eintritt

Die Chefin betont, dass streng auf die Einhaltung der 3G-Regel (geimpft, genesen, getestet) geachtet wird, ab Kassenhäuschen gilt Maskenpflicht, die Kontaktdaten der Gäste werden aufgenommen. Im Zirkuszelt ist genügend Platz, dass der geforderte Mindestabstand von 1,50 Metern eingehalten werden kann. „In Jessen sind zu den Vorstellungen 30 bis 45 Leute gekommen.

Da war der Abstand weit größer als gefordert“, blickt die Zirkuschefin zurück. Der Artikel in der MZ „Manege frei im Standesamt“ hat laut der siebenfachen Mutter sprichwörtlich eingeschlagen wie eine Bombe. „Fast alle Besucher haben am Kassenhäuschen gratuliert und applaudiert“, freut sie sich.

Fehlende Einnahmen

Am heutigen Mittwoch zieht der „Circus Brunselli“ von Seyda nach Zahna um. „Wir suchen noch nach einem Winterquartier“, so die 47-Jährige, dieses soll nicht vor Dezember bezogen werden. Wenn es im November schneit - kein Problem. „Dann wird das Zelt beheizt. Zirkusleute sind grundsätzlich hart im Nehmen“, spielt Manuela Brunßen auf auch die Folgen der Corona-Pandemie an. Knapp anderthalb Jahre Einnahmeeinbußen hinterlassen in jedem Unternehmen Spuren. Das Quartier muss jedoch nicht in 200 Kilometern Entfernung liegen. „Bei den Spritpreisen“ sagt sie und reibt dabei Daumen und Zeigefinger aneinander.

Trotz aller Verluste funktioniert der Zirkus wie ein nimmermüdes Stehaufmännchen. Die Chefin erklärt, dass allein die Familie das Ensemble stellt und keine engagierten Artisten bezahlt werden. Von Akrobatik über Clownerie bis Tierdressur wird den Besuchern ein umfangreiches Programm geboten.

Manuela und René Brunßen im Standesamt
Manuela und René Brunßen im Standesamt
Thomas Tominski

Beim Thema Urlaub kann sich die Familienmutter ein Lachen nicht verkneifen. Manege und Strand - das passt nicht zusammen. Wir haben, blickt sie zurück, vor vier oder fünf Jahren mal zwei Tage Urlaub in Tschechien gemacht. Die Familie hat dort ein bestelltes Zelt abgeholt und das Nützliche mit dem Praktischen verbunden. Reiseziele rund um den Globus kennt sie nur vom Hörensagen. Als Unternehmerin geht es mehr darum, über die Runden zu kommen.

Deshalb ist die Familie nicht allein auf Vorstellungen in der Manege fixiert. „Brunselli“ kann auch für Hochzeiten, Betriebs- oder Familienfeiern gebucht werden. Tochter Madeleine läuft mit einem Eimer Futter über das Gelände hinter dem Seydaer Schützenhaus und lockt mit einem klappernden Geräusch mehrere Tiere an, die nur auf Kommando den Kopf in den Eimer stecken.