Luther und Tetzel ganz nah

Reformation: Luther und Tetzel ganz nah: Theaterstück erlebt Welturaufführung in Eisleben

Eisleben - Zwei Schauspieler und zehn Rollen zu spielen - die Welturaufführung des Theaterstückes „Bruder Martin und Bruder Johann“ von Autor Dirk Heidicke verlangte von den Darstellern textlich, mimisch und körperlich alles ...

Von Daniela Kainz

Zwei Schauspieler und zehn Rollen zu spielen - die Welturaufführung des Theaterstückes „Bruder Martin und Bruder Johann“ von Autor Dirk Heidicke verlangte von den Darstellern textlich, mimisch und körperlich alles ab.

Oliver Breite als Martin Luther und Michael Günther als Johann Tetzel, die während der anderthalbstündigen Aufführung eben auch noch viele andere Persönlichkeiten aus der Reformation spielten, meisterten diese Aufgabe in der Produktion der Kammerspiele Magdeburg souverän. Die Tragikkomödie über die Lebensgeschichten des Reformators und des Ablasspredigers und den damit einhergehenden gesellschaftlichen Wandel war der Höhepunkt der Auftaktveranstaltung zum Reformationsjubiläum im Landkreis Mansfeld-Südharz am vergangenen Samstagabend im Eisleber Theater.

„Klasse! Hervorragend gespielt“, kommentierte Landrätin Angelika Klein (Die Linke) die Aufführung und hob die Aktualität des Stückes hervor. Es sei nicht nur um Luthers Thesen, sondern um die Veränderungen in der Gesellschaft gegangen. „Ein überwältigender Auftakt“, meinte auch Eislebens Oberbürgermeisterin Jutta Fischer (SPD) begeistert. Sie zog den Hut vor der schauspielerischen Leistung der beiden Darsteller.

Kirchentag uns Sachsen-Anhalt-Tag sind Herausforderung im ersten Halbjahr

Die Vorbereitungen rund um das Reformationsjubiläum laufen im Landkreis seit Monaten auf Hochtouren. „Wir wollen gute Gastgeber sein“, erklärte Eislebens Oberbürgermeisterin vor Vertretern von Kirchen, Politik und Wirtschaft. Der Kirchentag und der Sachsen-Anhalt-Tag seien im ersten Halbjahr die großen Herausforderungen.

Andreas Berger, Superintendent des Kirchenkreises Eisleben-Sömmerda, freute sich auf eine große ökumenische Gemeinschaft. Mit dem Jubiläum wolle man sich den Fragen der Reformation neu nähern. Unter diesem Blickwinkel betrachtete Landrätin Klein in ihren Worten unter anderem die nicht zu unterschätzende Rolle der Frauen in der Zeit der Reformation.

Sportbegeisterte Zeitgenossen wollen mit ihrem Friedenslauf von Rom nach Wittenberg (23. April bis 8. Mai) das Programm zum Reformationsjubiläum bereichern. Am 5. Mai machen sie in Eisleben Station. Prominente Teilnehmer um den Bitterfelder Peter Junge, früherer Chef des Vereins Goitzsche Sport, saßen im Publikum des Eisleber Theaters: Fernsehmoderatorin Katrin Huß und Boxer Timo Hoffmann. Sie werden mit anderen zu Fuß den Weg von Rom nach Wittenberg bewältigen - etwa 2500 Kilometer in rund 15 Tagesetappen - inklusive Verabschiedung durch den Papst am Start. Junge: „Wir hoffen, dass sich noch viele Leute anschließen und uns einen Teil des Weges begleiten.“

Eisleber Theater hat Reformations-Paket geschnürt

Mit Kathrin Gantz aus der Eisleber Stadtverwaltung können sie fest rechnen. Sie trainiert bereits fleißig. Genauso wie Moderatorin Huß, die zurzeit „zweimal in der Woche für eine Stunde läuft“ und ihr Pensum noch weiter steigern wird, je näher der Lauf rückt. Für sie und Boxer Hoffmann ist es ein großes Wiedersehen, sie absolvierten schon einmal gemeinsam einen solchen Friedenslauf.

Intendant Ulrich Fischer war „sehr stolz und froh, dass die Auftaktveranstaltung zum Reformationsjubiläum so gut besucht“ wurde und im Eisleber Theater stattfand. Für ihn ein Beweis, wie fest das Kulturwerk im gesellschaftlichen Leben verankert sei.

Das Haus hat für dieses Jahr ein ganzes Reformations-Paket für seine Gäste geschnürt. Fischer beispielsweise wird aus Briefen, Aufsätzen und Predigten des Reformators zur Veranstaltung „Luther lesen“ am 17. Februar in Luthers Sterbehaus zitieren. Zur Veranstaltung - eine Kooperation mit der Stiftung Luther-Gedenkstätten - erläutert Daniel Leis von der Bereichsleitung der Stiftungen in Eisleben Texte Martin Luthers.

Eine weitere Uraufführung geht mit dem Musiktheaterprojekt „#Thesen9.5“ am 21. Mai im Theater über die Bühne. Einen Vorgeschmack boten drei junge Tänzerinnen, darunter zwei Syrerinnen - mit ihren zeitgenössischen Interpretationen zu Glaube, Hoffnung und Liebe zur Auftaktveranstaltung. Viel Beifall erhielten auch drei junge Klarinettenspieler von der Kreismusikschule für ihre gute Laune machenden Darbietungen. (mz)