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Kulinarische AdventsseriePommes statt Klöße? - Was an Weihnachten im Kinderheim in Harkerode auf den Tisch kommt

Wie bringt man wohl an den Weihnachtsfeiertagen im Kinderheim Harkerode die verschiedenen Essenswünsche der KInder unter einen Hut oder besser in einen Topf?

Von Beate Thomashausen Aktualisiert: 11.12.2023, 10:27
Gemeinsam füllen sie den Einkaufszettel aus. Es ist eine ganz schön lange Liste.
Gemeinsam füllen sie den Einkaufszettel aus. Es ist eine ganz schön lange Liste. (Foto: Maik Schumann)

Harkerode/MZ. - Wer denkt, dass es im Kinderheim in Harkerode womöglich Pommes und Nuggets anstelle eines Weihnachtsbratens gibt, der irrt. Es wird nämlich ganz traditionell zugehen, beginnend mit Kartoffelsalat und Würstchen am Heiligen Abend, gefolgt von Entenbraten mit Rotkohl und Klößen am ersten Weihnachtsfeiertag.

Ganz gewissenhaft überlegen die Mädchen und Jungen der Wohnbereiche 1 und 2, was sie wohl alles brauchen werden, um das Festessen an Heiligabend und den beiden Feiertagen vorzubereiten. Und so füllt sich zusehends die Einkaufsliste, zu der jeder etwas beiträgt. Die Ente steht dabei ganz oben auf der Liste. Drei bis vier Kilogramm darf die schon wiegen, schließlich wollen rund zehn Personen davon essen. Auf den Zettel werden noch Kartoffeln und Klöße geschrieben. Rotkraut wird gebraucht, Äpfel und Orangen, um die Ente zu füllen. Und fast wäre der Nachtisch vergessen worden. Es soll Pudding geben.

DIe Einkaufsliste gehört zu den weihnachtlichen Ritualen

Marie (17) kennt den Ablauf des Weihnachtsfests in Harkerode schon ganz genau und freut sich auf die Feiertage, ebenso wie die 15-jährige Melodie. Die gemeinsamen Rituale sind ihnen vertraut. Gemeinsam zu beratschlagen, was auf den Tisch kommen soll und dann die Einkaufsliste zu schreiben, sind Teile des vorweihnachtlichen Rituals.

Schon alles erledigt auf der weihnachtlichen Checkliste?

Erzieherin Sabrina Klotz macht auch aus dem einfachen Schreiben der Einkaufsliste ein kleines Fest, das den Kindern im Gedächtnis bleiben wird. Gemeinsam sitzt man bei selbst gebackenen Plätzchen und Kakao am großen Küchentisch des Wohnbereichs.

Es wird nicht nur gemeinsam der Einkaufszettel geschrieben, zu dem jedes Kind etwas beiträgt. Es werden auch noch Baumanhänger ausgemalt, gemeinsam gerätselt, welche Weihnachtsbräuche es wohl in anderen Ländern gibt, es wird ein Lied gesungen und die Weihnachtscheckliste abgehakt. Da hat Klotz einiges notiert, was vor Weihnachten noch zu erledigen ist.

Punkt für Punkt fragt sie ab: „Haben wir schon Plätzchen gebacken?“ „Ja.“ Ein Haken kommt an diesen Punkt. Einen Weihnachtsfilm hat man schon gemeinsam geschaut und eine Weihnachtsgeschichte gelesen und na klar, die Adventskalendertürchen öffnet jeder am Morgen.

Pokemon und Süßigkeiten stehen ganz oben auf den Wunschzetteln

Und die Wunschzettel sind auch geschrieben. Süßigkeiten stehen bei der zehnjährigen Taylor ganz oben auf der Liste. Und die elfjährige Anna-Lena ist Pokémonfan. Klar, dass sie sich neue Sammelkarten wünscht. Noch kein Häkchen konnte an den Punkt „gemeinsamer Weihnachtsmarktbesuch“ gesetzt werden. Der steht noch aus.

Nikolaus, Rentier und Knecht Ruprecht besuchten zum Nikolaustag das Kinderheim in Harkerode.
Nikolaus, Rentier und Knecht Ruprecht besuchten zum Nikolaustag das Kinderheim in Harkerode.
(Foto: Maik Schumann)

Ein weiterer Punkt war auch bereits erledigt: Das ganze Kinderheim strahlt bereits und ist weihnachtlich geschmückt. Sehr zur Freude der Kinder und auch von Freiherr Peter von Hünerbein. Der Familienforscher besuchte – nach einem ersten Abstecher im September – noch einmal das Kinderheim in Harkerode.

Der Familie von Hünerbein gehörten vor etwa 200 Jahren das Schloss und das Rittergut in Harkerode. Über all das, was er über die Geschichte des Ritterguts und die seiner Familie bereits herausgefunden hat, informierte er die Kinder bereits. Jetzt zum Nikolaustag schlüpfte der Gast dann ins Kostüm. Gemeinsam mit Knecht Ruprecht bescherte er dann die Mädchen und Jungen in der Bibliothek.

Ein heimeliges und wohliges Gefühl zu den Festtagen

„Die Adventszeit und dann vor allem die Weihnachtsfeiertage sind etwas ganz Besonderes bei uns in Harkerode“, so Sabrina Klotz. Weil nicht alle Kinder über die Feiertage im Haus sind, gibt es sogar zweimal Bescherung.

Der jungen Erzieherin gefällt an der Weihnachtszeit – neben dem festlichen Essen, für das auch der Tisch im Wohnbereich ganz besonders schick gedeckt wird – die viele Zeit, die man sich für die Kinder nehmen könne. „Nicht, dass wir uns übers Jahr nicht auch Zeit nehmen, aber es ist nochmal was Besonderes. Es kommt dabei bei allen so ein heimeliges und wohliges Gefühl auf.“

Anna-Lena (11) und Melodie (15) haben schon mal Anhänger für den Weihnachtsbaum gestaltet.
Anna-Lena (11) und Melodie (15) haben schon mal Anhänger für den Weihnachtsbaum gestaltet.
(Foto: Maik Schumann)

Marie und Melodie bestätigen diese Beschreibung und freuen sich schon sehr darauf: Auf Winterspaziergang, gemeinsames Kochen und Essen, auf den Weihnachtsfilm und natürlich auf die Geschenke.