In einem Jahr zu sich selbst

In einem Jahr zu sich selbst: Jugendliche sanieren Schloss Mansfeld und Gut Bösenburg

Mansfeld - Dabei lernen sie nicht nur das Handwerk kennen - sondern auch jede Menge über sich.

Von Anja Förtsch 30.06.2017, 15:00

Wenn irgendwo immer Überraschungen warten, dann auf dem Bau. Und wenn man bloß etwas alten Mörtel aus einer Mauer klopfen will, um sie anschließend neu zu verfugen, einem dabei aber plötzlich sämtliche Steine entgegen kommen und in der Wand ein riesiges Loch klafft, dann kann man wohl mit Fug und Recht von einer Überraschung sprechen. Genau das ist Andreas Hinrichs jetzt auf Schloss Mansfeld passiert. Dort saniert der 19-Jährige gerade im Rahmen seines Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) in der Denkmalpflege das jahrhundertealte Gemäuer.

19 Jugendliche arbeiten auf der Baustelle auf Schloss Mansfeld

Gemeinsam mit 19 anderen Jugendlichen heißt das: Um 9 Uhr morgens auf der Baustelle bereitstehen, Mauern verfugen, Wege pflastern und Zäune ausbessern, bis es um 18 Uhr in den Feierabend geht. Das macht Hinrichs und seinen Mitstreitern aber viel mehr Spaß, als es hier klingt. „Ich bin wirklich sehr begeistert von der Arbeit“, sagt der Niedersachse. „Ich würde immer wieder ein FSJ in der Denkmalpflege machen.“ Schon seit September vergangenen Jahres ist der 19-Jährige dabei, sein Fazit hat also Gewicht.

Und Hinrichs ist längst nicht der Einzige, der das FSJ in der Denkmalpflege in den höchsten Tönen lobt. „Die meisten, die bei uns so ein Jahr gemacht haben, bleiben mit uns in Kontakt und kommen immer wieder zu den Ehemaligentreffen“, sagt Eva Pfennig von der Jugendbauhütte Stade, die das FSJ von Hinrichs und seinen Kollegen organisiert und anbietet. „Manche melden sich anschließend sogar als Teamer und begleiten die nächsten FSJ-Generationen bei ihren Seminaren.“

Ein solches Seminar ist etwa die einwöchige Arbeit am Schloss Mansfeld. Zuvor waren die Jugendlichen bereits auf der Bösenburg und haben dort die Kirche saniert. „Der Einsatz dort ist etwas Besonderes“, sagt der Rottelsdorfer Steinmetz Tobias Jung, der die Arbeit der Jugendlichen begleitet. „Der Ort hat nur gut 70 Einwohner. Wenn da 20 Jugendliche aus Niedersachsen kommen und die Kirche herrichten, ist das natürlich ein Highlight in dem Ort.“ Und dementsprechend herzlich seien die Bösenburger gewesen: „Jeden Tag haben die Frauen aus dem Dorf Früchte, Kuchen oder Pudding vorbeigebracht.“ So einen Zusammenhalt gebe es in den alten Bundesländern kaum. „Die Jugendlichen haben so auch gleich eine ganz andere Kultur kennengelernt.“

Jugendliche absolvieren im FSJ-Jahr sechs Seminare neben der praktischen Tätigkeit

Sechs Seminare beinhaltet das FSJ, daneben arbeiten die Jugendlichen dauerhaft an ihrem jeweiligen Einsatzort. „Das FSJ dient den Jugendlichen vor allem zur Orientierung und Entfaltung“, so Pfennig. „Davor, während ihrer Schulzeit sind sie ja fremdbestimmt. Anschließend, während Ausbildung oder Studium, sind Arbeit und Leben auch vorgegeben. In diesem freiwilligen Jahr dazwischen aber lernen sie Selbstbestimmung und Selbstständigkeit.“ Ob die Jugendlichen anschließend auch tatsächlich in die Denkmalpflege oder das Handwerk gehen, sei dabei zweitrangig. „Nur etwa ein Drittel bleibt in diesem Bereich“, so Pfennig. „Aber das ist auch gar nicht wichtig, sondern vielmehr die Begeisterungs- und die Teamfähigkeit.“

Hinrichs gehört zu dem Drittel, bei dem alle Punkte vorhanden sind. „Ich interessiere mich schon immer für Historie und Handwerk“, sagt der 19-Jährige. Dass er später in diesem Bereich arbeiten will, sei ihm schon vor dem FSJ klar gewesen. „Ich wusste nur nicht genau, in welchem Bereich. So konnte ich jetzt alles mal testen.“ Und das mit Erfolg: Hinrichs hat inzwischen einen Ausbildungsvertrag zum Zimmermann unterschrieben, nach dem freiwilligen Jahr startet er in seinen Traumjob. (mz)