Idee auf zehn Rädern

Idee auf zehn Rädern: Wie aus einem ausrangierten Linienbus eine Kneipe wird

Mansfeld - Sebastian Zierbock und Michel Töpfer wollen mit ihrem Partybus nun durchstarten.

Von Joel Stubert

Von außen sieht er eigentlich ganz normal aus, der ehemalige Bus der Verkehrsgesellschaft. Er strahlt in rot, ein bisschen schwarz soll noch dazu kommen. Doch innen erinnert nichts mehr an einen herkömmlichen Linienbus. Die meisten Sitze sind nicht mehr zu sehen, stattdessen offenbart sich dem Betrachter ein Bartresen.

18 Meter langer Bus wird zu mobiler Kneipe umgebaut

Sebastian Zierbock und Michel Töpfer haben einen 18 Meter langen Gelenkbus zu einer mobilen Kneipe umgebaut. „Das ist einmalig in Deutschland“, schwärmen sie. „Wir wollen mit diesem Bus quer durch die Region fahren und vor allem bei Streetfood-Festivals teilnehmen“, sagt Töpfer. Der 29-jährige Emseloher ist genauso wie sein ein Jahr jüngerer Eisleber Geschäftspartner Zierbock vollkommen Feuer und Flamme für ihren Bus, in dem es auch Speisen geben soll.

Beide haben bereits Erfahrungen in der Gastronomie gesammelt, Zierbock als gelernter Koch und Töpfer als Leiter einer Kneipe. Nun wollen sie etwas eigenes. „Wir standen vor dem Bus, der zu verkaufen war“, erzählt Zierbock. „Erst wollten wir nur einen Food-Truck machen, aber dann war auch noch Platz für eine Bar.“ Im hinteren Bereich, dort wo bei jedem anderen Bus die Fahrgäste aussteigen, steht nun ein Tresen, gleich dahinter beginnt der Lounge-Bereich mit mindestens 15 Plätzen.

„Normalerweise gibt es immer Essen oder Getränke. Wir wollen beides verbinden“, blickt Töpfer voraus. Zwei Fensterscheiben müssen sie noch rausnehmen, um die Ware auch verkaufen zu können. „Alle Sponsoren waren bisher Feuer und Flamme für dieses Projekt“, freut sich Zierbock. Man sei zwar überzeugt von der Idee, „aber, dass sie so gut ankommt, haben wir nicht erwartet“, so Töpfer.

Verträge mit Bierfirmen sind bereits abgeschlossen, Anfragen von Festival-Organisatoren laufen ungefragt ein.

Startschuss für den Kneipen-Bus fällt am 22. Juli in der Walkmühle in Sangerhausen

Am 22. Juli ist nun der Startschuss, rollt der Bus, der aktuell noch in Mansfeld geparkt wird, erstmals in den Einsatz. „In der Walkmühle in Sangerhausen geht es los, da können die Leute mal schauen, was es mit uns auf sich hat“, so Töpfer, der als gelernter Grafikdesigner auch schon ein Logo mit dem Namen des Unternehmens entworfen hat: Sonderfahrt soll es heißen.

Bis der Bus wirklich Gas geben kann, muss noch viel gewerkelt werden. „Wir haben vieles selbst gemacht, haben uns einiges angeeignet“, so Zierbock. „Jedes Brett ist zweimal durch unsere Hände gegangen.“ Das Herausreißen der Sitze habe doch schon den meisten Spaß gemacht, sagen sie schelmisch. Wobei - neun Sitze mussten drinbleiben. „Das ist vorgeschrieben, damit das Fahrzeug auch als Bus gilt“, so der 28-Jährige. 16 bis 18 Stunden sind sie durchschnittlich pro Tag im Bus, feilen seit rund zwei Monaten an ihrem Projekt. „Wir haben auch schon drin geschlafen“, sagt Töpfer. Nebenbei köchelt das Pulled Pork, das Paradeessen auf alles Streetfoodfestivals. „Wir wollen auch Burger machen“, sagt Zierbock. „Aber uns sind regionale Produkte wichtig. Wir haben auch mit regionalen Erzeugern gesprochen und versuchen zu kooperieren.“ Als die Sprache auf lilafarbene und nach Maronen schmeckende Kartoffeln kommt, ist es um die Genießer aus Leidenschaft geschehen.

„Wir sind einfach gespannt und aufgeregt, wie es am Ende wird“, sagt Töpfer. „Ich habe richtig Lust, hier hart zu arbeiten.“ Später wollen sie auch selbst Streetfoodfestivals in der Region organisieren und jedes Wochenende woanders halten. „Wir wollen jungen Leuten etwas bieten“, so Töpfer. Damit das auch klappt, haben sie auch an ein entscheidendes Detail gedacht: „Nebenbei machen wir auch noch den Busführerschein. Sonst geht das ja alles nicht“, sagt Zierbock. (mz)