16 Konzerte als Live-Veranstaltungen

Women in Jazz findet wegen Corona digital statt

Alle Veranstaltungen des Festivals werden als Live-Stream übertragen. Das ist eine bisher nie dagewesene Herausforderung - für Künstler wie für Techniker.

Von Katja Pausch
Robert Bohnert von Fruchthaus Production am Mischpult
Robert Bohnert von Fruchthaus Production am Mischpult (Foto: Silvio Kison)

Halle (Saale) - Auf den ersten Blick sieht alles aus wie immer bei „Women in Jazz“: Auf der Bühne Instrumente, Verstärker, Mikrofonständer, vor und hinter der Bühne eine Hand voll Techniker, die an Mischpult und Beleuchtung für den guten Ton und passendes Licht für die Künstlerinnen und ihre Begleitmusiker sorgen. Und dennoch ist diese Vor-Konzertatmosphäre, wie sie an diesem Dienstag im zweiten Corona-Frühling in der Händel-Halle herrscht, eine besondere.

Allein im Konzertsaal: Women in Jazz findet wegen Corona digital statt

Eine, die es in den Jahren zuvor so noch nicht gegeben hat. Denn wenn die polnische Jazzmusikerin Izabella Effenberg am Abend die Bühne betritt, wenn die Scheinwerfer aufflammen und die Künstlerin und ihre Band in warmes Licht tauchen, wenn der erste Ton aus den Händen der Vibrafonistin erklingt, wird niemand im Saal klatschen. Die Stühle in der Händel-Halle, bei einer Jazzerin solchen Ranges normalerweise bis in die letzte Reihe besetzt, bleiben leer.

Es ist ein Wagnis, das Festivalchef Ulf Herden mit der diesjährigen, 16. Auflage seines internationalen Festivals eingegangen ist: Ein Festival, das ursprünglich als Live-Event geplant war und nun kurzfristig, ja geradezu spontan in ein mehrtägiges Streaming-Event umgewandelt wurde. Technisches Neuland hingegen ist diese Festival-Variante für die Techniker der halleschen Veranstaltungsfirma „Fruchthaus Production“ - in der hiesigen Musikszene dank ihrer in Rot gehaltenen Cases für Licht- und Tontechnik auch als „Rote Kisten“ bekannt.

16 Konzerte als Live-Veranstaltungen

„Endlich haben wir es mal wieder mit dem zu tun, was unsere eigentliche Profession ist“, so „Fruchthaus“-Geschäftsführer Robert Bohnert. Er und seine beiden Kollegen haben in den vergangenen Monaten Test- und Impfzentren - so am Zoo, in der Palette oder in der Pera-Straße - mit aufgebaut oder unterstützt. „Das waren teilweise ganz neue Aufgaben für uns“, so Bohnert.

Nun sichern sie die technische Umsetzung des Festivals als Streaming-Event und übertragen die insgesamt 16 Konzerte als Live-Veranstaltungen für ein - übrigens laut Herdens Zählung recht großes - Publikum daheim vor den Bildschirmen. „Auch wenn das eher unserem Job entspricht, ist es doch nochmal eine besondere Herausforderung, solch ein Konzert live zu übertragen als ,nur’ aufzuzeichnen“, so Bohnert.

„Ich brauche die Blicke der Zuschauer, die Energie zwischen ihnen und mir“

„Aufregend“ und ambivalent sieht Izabella Effenberg, die sich im Hintergrund einspielt, während Christoph Behling, ebenfalls „Fruchthaus“-Gründer und Geschäftsführer, eine der Kameras vor der Bühne in Position bringt, diese Art des Auftretens. Ihr letztes Livekonzert habe sie im Juni 2020 gegeben, so die polnische Jazzerin. Nun freue sie sich einerseits, überhaupt spielen zu können, zum anderen aber fehle natürlich das Publikum.

„Ich brauche die Blicke der Zuschauer, die Energie zwischen ihnen und mir“, sagt die Künstlerin. Allerdings eröffne das Streamen auch völlig neue Möglichkeiten: „Meine Familie in Polen, meine Freunde in der Schweiz und in Spanien - sie alle können mich nun dank Streaming live im Konzert erleben“. Festival noch bis 16. Mai, alle Konzert-Streams auf womeninjazz.de. (mz)

Techniker Christoph Behling bringt eine der Kameras für den Live-Stream in Position. Im Hintergrund spielt sich Jazzerin  Izabella Effenberg ein.
Techniker Christoph Behling bringt eine der Kameras für den Live-Stream in Position. Im Hintergrund spielt sich Jazzerin Izabella Effenberg ein.
Fotos: Silvio Kison