Wohnhäuser statt Ruinen

Wohnhäuser statt Ruinen: Warum es Investoren in Halle zunehmend schwer haben

Halle (Saale) - In Nietleben und an den Weingärten entstehen neue Quartiere. Warum es Investoren in Halle zunehmend schwer haben, Grundstücke zu finden.

Von Dirk Skrzypczak 28.12.2017, 07:00

Der Bauboom auf dem halleschen Wohnungsmarkt hält an. So will die Firma F.K. Horn, die bereits den Sophienhafen zu einem attraktiven Wohngebiet entwickelt, weitere Brach- und Industrieflächen in Halle erschließen. In Nietleben soll auf dem Gelände des alten Zementwerks Platz für 45 Einfamilienhäuser geschaffen werden. Und an den Weingärten südlich des Böllberger Wegs will das Unternehmen zusammen mit den A1 Immobilien aus Halle drei Stadthäuser mit 42 Eigentumswohnungen nach oben ziehen.

„Der Immobilienmarkt in Halle bleibt attraktiv. Das liegt vor allem am fehlenden Angebot. Freie Grundstücke sind rar bis gar nicht mehr vorhanden“, sagt Ronald Wenderoth, Geschäftsführer der A1 Immobilien. Im Vergleich zu Leipzig etwa hat Halle den Nachteil, sich nicht in die Fläche ausdehnen zu können. Bei der Gemeindegebietsreform 2007 wurden in Sachsen-Anhalt zwar größere Landkreise gebildet, die kreisfreien Städte allerdings blieben auf der Strecke.

Für ein normales Einfamilienhaus werden in Halle zwischen 300.000 und 600.000 Euro aufgerufen

Angesichts einer anhaltenden niedrigen Zinspolitik sowie des Einwohnerzuwachses in Halle mit der entsprechenden Nachfrage nach Wohneigentum schießen die Preise in die Höhe. Für ein normales Einfamilienhaus werden in Halle zwischen 300.000 und 600.000 Euro aufgerufen. „Und es gibt keine Anzeichen, dass der Trend stoppt“, sagt Wenderoth.

Notgedrungen, so könnte man es formulieren, entdecken die Investoren deshalb die Industriebrachen für sich. „Das Areal des ehemaligen Zementwerks ist ein Schandfleck. Dadurch, dass wir dort Wohnhäuser bauen, werten wir die Gegend auf“, sagt Guido Edinger, Chef von F.K. Horn mit Sitz in Lochau. Seit 1993 ist die Firma am Wohnungsmarkt in und um Halle aktiv, hat beispielsweise das ehemalige Robotron-Gelände in Diemitz zu einem Wohnquartier entwickelt.

Baufirma in Halle: Mitunter begegnet uns die Skepsis der Anwohner

„Mitunter begegnet uns die Skepsis der Anwohner, die fürchten, dass es mit ihrer Ruhe vorbei sein könnte, wenn neue Wohngebiete entstehen. Wir sind daran interessiert, ein Mikroklima zu schaffen, in dem sich alle wohlfühlen können“, sagt Edinger. Doch zunächst muss auf dem Areal der einstigen Zementfabrik die Industriehalle abgerissen werden. Im zweiten Quartal 2018 soll das abgeschlossen sein. „Der positive Nebeneffekt ist, dass die unansehnlichen Ruinen verschwinden. Halle wird davon enorm profitieren“, ist sich Edinger sicher.

Wie groß das Interesse mittlerweile auch an Eigentumswohnungen ist - 2008 war der Markt laut Wenderoth nahezu tot - zeigt das Beispiel der Weingärten. Noch lärmen dort die Bagger, wurden alte Gebäude abgerissen. Die Vermarktung der Wohnungen hat längst begonnen. „Für die ersten beiden Häuser sind 75 Prozent der Wohnungen bereits weg“, sagt Wenderoth. Die Lage sei idyllisch. Wer hier lebt, blickt auf die Pulverweiden und natürlich die Saale. Und Angst vor einer Flut müsse niemand haben, meint Edinger: „Die Häuser stehen hochwassersicher.“

Auch den Sophienhafen verliert Edinger nicht aus dem Blick. 2018 soll beispielsweise das alte Lager, das als Flachbau über das Hafenbecken ragt, saniert und als Unterkunft für Wassertouristen ausgebaut werden. (mz)