Das Viertel nicht vergessen

Wie die neue Suppenküche auf der Silberhöhe Bedürftigen mehr als eine Mahlzeiten bietet

Von Annette Herold-Stolze
Eröffnungstrubel: Blick in die neue Suppenküche auf der Silberhöhe
Eröffnungstrubel: Blick in die neue Suppenküche auf der Silberhöhe Foto: Silvio Kison

Halle (Saale)/MZ - Menschen mit schmalem Geldbeutel haben seit Donnerstag einen neuen Anlaufpunkt auf der Silberhöhe. In der Wittenberger Straße 21 hat der Christliche Verein junger Menschen (CVJM) eine Suppenküche eröffnet. Wo zuletzt die Saalesparkasse eine Filiale hatte, wird es künftig Frühstück, Mittagessen sowie Kaffee und Kuchen für Bezieher von Hartz-IV-Leistungen und Menschen mit einer schmalen Rente geben.

Mehr als Essen: Neue Suppenküche auf der Silberhöhe soll Treffpunkt für Menschen sein

Der Bedarf sei auf jeden Fall da, sagt CVJM-Chef Friedhelm Fitz. Sein Verein betreibt seit Langem die „Schnitte Ost“ in Neustadt, und dort sei immer wieder der Wunsch nach einem solchen Ort auf der Silberhöhe laut geworden, berichtet Fitz, der zugleich Projektleiter bei der „Schnitte“ ist. Die neue Suppenküche solle mehr als Essen ausschenken - es gehe auch darum, einen Treffpunkt für Menschen zu schaffen, denen der Gang ins Restaurant zu teuer ist.

Geboten wird ihnen einiges, vor allem jede Menge Selbstgemachtes, wie Regina Spohr schwärmt, die mit der Suppenküche zu einem Arbeitsplatz gekommen ist, genau genommen zu einer Arbeitsgelegenheit, früher als Ein-Euro-Job bezeichnet. Sie habe schon mit den Hufen gescharrt, dass es endlich losgeht, sagt sie grinsend. Zuletzt war sie in der „Schnitte“ tätig, konnte dort aber nach drei Jahren nicht verlängern. Nach zwei Jahren Pause darf sie wieder einen solchen Job aufnehmen und ist in der Suppenküche die „Frühstücksfee“. Ab 7.30 Uhr wird aufgetischt, belegte Brötchen zum Beispiel, gekochte oder gebratene Eier, auf Wunsch aber auch Bockwurst oder Schnitzel.

Ziel: Menschen, die lange ohne Arbeit sind, wieder Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten finden zu lassen

Für ein halbes belegtes Brötchen etwa werden 50 Cent fällig, 60 Cent für einen großen Kaffee. Ein Mittagessen kostet zwei Euro; wer Suppe möchte, zahlt 1,40 Euro und 70 Cent für Nachschlag. Außerdem haben sich die Mitarbeiter um Projektleiterin Silvia Kühnast überlegt, größere Männerportionen anzubieten, die 2.40 Euro kosten, Kinderportionen gibt es für 1,70 Euro. Vorerst werden nur Frühstück und Kaffee-Angebote auf der Silberhöhe zubereitet. Doch das Team hofft, dass der noch nötige Einbau einer Dunstabzugshaube und die Brandschutzarbeiten bald abgeschlossen sind, so dass statt in Neustadt an Ort und Stelle gekocht werden kann.

„Frühstücksfee“ Spohr jedenfalls hat am ersten Tag schon richtig losgelegt und freut sich schon darauf, ihren Feinschmeckersalat mit Jagdwurst, Apfel, Zwiebel und Ketchup zuzubereiten. Große Motivation sei fast immer bei Teilnehmer an solchen Arbeitsgelegenheitsmaßnahmen zu erleben, räumt Jobcenter-Chef Jan Kaltofen mit Vorurteilen auf. Genau das sei nämlich ein weiteres Ziel solcher Maßnahmen: Menschen, die lange ohne Arbeit sind, wieder Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten finden zu lassen.

Engagement der Suppenküche als Signal, dass das Viertel nicht vergessen wird

Neben drei CVJM-Angestellten arbeiten insgesamt 18 Frauen und Männer, die Hartz IV beziehen, in der Suppenküche jeweils 30 Stunden pro Woche mit. Sie erhalten zwei Euro Aufwandsentschädigung pro Stunde, um etwa Fahrtkosten zu decken und als „Motivationsprämie“, wie Kaltofen sagt. In der ganzen Stadt seien derzeit 800 Menschen in Projekten mit Mehraufwandsentschädigung beschäftigt.

Nach Einschätzung des Jobcenterchefs sind ihre Chancen, in den ersten Arbeitsmarkt zurückzufinden, mittlerweile deutlich besser als vor fünf bis zehn Jahren. Ute Haupt (Die Linke), Vorsitzende des städtischen Sozialausschusses und der Silberhöhe verbunden, freut sich, dass mit dem neuen Projekt etwas für die Menschen vor und hinter dem Tresen der Suppenküche getan wird. Es geht ihr auch um das Signal, dass das Viertel nicht vergessen ist.