Fußball-EM: Deutschland gegen Schweiz Welches Ergebnis ein Schweizer und Wahlhallenser für EM-Spiel am Sonntag tippt
Paul Balssuweit ist in den Schweizer Alpen aufgewachsen. Heute verdient der Wahlhallenser sein Geld mit der Erschaffung von künstlichen Bergen. Über seine Kletterpassion und auf wen er beim EM-Spiel Deutschland gegen Schweiz tippt.

Halle (Saale)/MZ. - Dass Menschen von Deutschland in die Schweiz ziehen, ist wohl nichts Ungewöhnliches. Von der Alpenrepublik nach Ostdeutschland umzusiedeln, das hat jedoch Seltenheitswert. Paul Balssuweit ist beide Wege gegangen. Geboren in Thüringen, wandern seine Eltern, als er vier Jahre alt ist, in das Alpenland aus. Er wächst im Kanton Thurgau auf, verbringt hier seine gesamte Schulzeit. Weil er Physiotherapeut werden will und Ausbildungsplätze in der Schweiz schwer zu kriegen sind, versucht er sein Glück in Chemnitz. Auch weil seine Großeltern dort leben. Obwohl in den Bergen aufgewachsen, klettert er dort zum ersten Mal.
„Als die Boulderlounge in Chemnitz neu aufgemacht hat, habe ich es einfach probiert – und war sofort schockverliebt“, erinnert sich der 35-Jährige. Am Klettern reize ihn vor allem die stetige Herausforderung. „Jede Route ist anders, jede Bewegung ist einzigartig.“ Zudem sei man dabei immer im Jetzt. „Nicht in der Zukunft, nicht in der Vergangenheit.“ Ein schöner Nebeneffekt, so Balssuweit, durch den „Ganzkörpersport“ sei er heute „stärker und fitter als jemals zuvor“. Es sei schön zu sehen, was Kletterer mit 60 Jahren und mehr noch schaffen würden. Sein Ziel: „weiterklettern bis 90“, sagt Balssuweit und lacht. Auch weil man dadurch sehr spezielle und wunderschöne Orte entdecke. Geklettert sei er in Europa mittlerweile schon fast überall. In Frankreich, Sardinien, der Schweiz und dem Elbsandsteingebirge. Sein liebstes Gebiet sei jedoch in Spanien: „Chulilla. Ich war die letzten fünf Winter immer dort.“

„Mittlerweile mache ich das auch beruflich und verdiene damit mein Geld“, erzählt Balssuweit. Fünf Tage die Woche ist er in ganz Deutschland unterwegs und baut Kletterrouten. Das läuft folgendermaßen ab: Der 35-Jährige kommt in eine Halle, in der er lediglich eine leere Wand vorfindet. „Jede Kletterhalle stellt mir dann ein Repertoire aus verschiedenen Griffen und Holzvolumen zur Verfügung.“ Auf der Leiter oder mittels Hebebühne und mit einem Akkuschrauber bewaffnet, bringt er diese dann an der Wand an. Dabei tobt er sich kreativ aus. Vor zwei Jahren habe er sogar an den Strecken vom Finale der Boulderbundesliga mitgeschraubt. Nach dem Routenbau müsse der kreierte Parkour natürlich noch ausprobiert und geklettert werden, auch um zu überprüfen, ob er machbar sei.
Fußball EM: „Schweiz hat eine Außenseiterrolle“
Das Schöne an seinem Beruf, so der 35-Jährige, sei nicht nur, anderen das Klettern zu ermöglichen, sondern auch seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, ohne das Gefühl zu haben arbeiten zu gehen. Er weiß, Passion und Beruf zu verbinden, „das ist ein riesen Luxus.“
Als Kind sei er nicht kletter- sondern fußballbegeistert gewesen. Doch das Interesse habe etwas nachgelassen. Auch weil in dem Sport mittlerweile zu oft der Verein gewinne, der mehr Geld in der Kasse habe und sich so die besseren Spieler leisten könne. Beim Spiel Schweiz gegen Deutschland tippt Balssuweit, der mittlerweile seit 2016 in Halle wohnt und „in beiden Ländern zuhause“ ist, auf ein 1:0. Dem Alpenland drückt er die Daumen, „weil die Schweiz eine Außenseiterrolle hat. Und wenn Außenseiter gewinnen, find ich das cool.“