Eil

Weiterer Mordversuch?

Weiterer Mordversuch?: Spektakuläre Wende: Verzögert sich Prozess gegen Stephan B.?

Magdeburg - Im Prozess um den rechtsterroristischen Anschlag auf die Synagoge in Halle hat die Verteidigung am Mittwoch die Aussetzung oder zumindest eine dreiwöchige Unterbrechung des Verfahrens beantragt. Die Vorsitzende Richterin des Oberlandesgerichts Naumburg, Ursula Mertens, sagte, nach vorläufiger Bewertung des Antrags komme eine Aussetzung ihrer Meinung nach nicht in ...

04.11.2020, 15:17
Stephan B. unterhält sich mit seinem Verteidiger Thomas Rutkowski (r).
Stephan B. unterhält sich mit seinem Verteidiger Thomas Rutkowski (r). dpa-Zentralbild

Im Prozess um den rechtsterroristischen Anschlag auf die Synagoge in Halle hat die Verteidigung am Mittwoch die Aussetzung oder zumindest eine dreiwöchige Unterbrechung des Verfahrens beantragt. Die Vorsitzende Richterin des Oberlandesgerichts Naumburg, Ursula Mertens, sagte, nach vorläufiger Bewertung des Antrags komme eine Aussetzung ihrer Meinung nach nicht in Betracht.

Sie gab Nebenklage und Bundesanwaltschaft aber Gelegenheit, bis zum 16. November auf den Antrag zu reagieren und wollte sich mit den anderen Richtern beraten.

Zuvor hatten Anwälte der Nebenklage beantragt, die Anklage gegen den Beschuldigten um einen weiteren Fall des versuchten Mordes zu erweitern. Dabei geht es um einen Mann, den der Attentäter auf seiner Flucht angefahren hatte. Die Bundesanwaltschaft hatte das in der Anklage als fahrlässige Körperverletzung gewertet.

Attentäter Stephan B. fuhr dunkelhäutigen Mann an - Nebenklage wertet das als Mordversuch

Der Prozess habe aber gezeigt, dass der Angeklagte gezielt mit dem Auto auf den dunkelhäutigen Mann zugehalten habe, um ihn zu töten, erklärte ein Nebenklage-Anwalt. Nach Ansicht der Verteidigung ergibt sich dadurch ein neuer Sachstand, auf den sie nicht vorbereitet sei. Daher sollte der Prozess ausgesetzt oder unterbrochen werden.

Am 9. Oktober 2019 hatte ein Terrorist versucht, 51 Menschen zu töten, die in der Synagoge von Halle den höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur feierten. Er scheiterte an der Tür, erschoss dann eine 40-Jährige Passantin und später einen 20-Jährigen in einem Döner-Imbiss und verletzte weitere Menschen.

Der 28-jährige Deutsche Stephan B. hat die Taten gestanden und mit antisemitischen, rassistischen Verschwörungstheorien begründet. Seit Juli läuft vor dem Oberlandesgericht Naumburg der Prozess, er findet jedoch aus Platzgründen in Magdeburg statt. Mit einem Urteil hatte das Gericht bisher für Mitte Dezember gerechnet. (dpa)