„Ich bin schon oft gegen so ein Ding gelaufen“

Warum Poller in Halle bunte Strickmützen bekommen

Von Denny Kleindienst
Christian Reichel
Christian Reichel (Foto: Kleindienst)

Halle (Saale) - Das Problem ist schnell erklärt: Ein Poller in Hüfthöhe, der schwer zu erkennen ist, birgt die Gefahr, sich zu stoßen. „Ich bin schon oft gegen so ein Ding gelaufen“, sagt Christian Reichel von der Regionalgruppe Halle des Blinden- und Sehbehindertenverbandes. Reichel selbst hat einen kleinen Sehrest, „aber ich bin gesetzlich blind. Das scharfe Sehen fehlt mir.“

In mehreren deutschen Städten hat der Dachverband nun Pollern bunte Strickmützen aufgesetzt. In Halle stülpte Christian Reichel die Mützen über die Poller am Leipziger Turm. Dort gibt es zwar Markierungen am Boden, die Menschen mit Blindenstock leiten. Doch die Kreuzung sei groß und unübersichtlich, so Reichel. Und die Poller dort seien ebenso grau wie der Untergrund, auf dem sie stehen. „Sie sind für mich schlecht zu erkennen.“ Es gibt Beispiele in Halle, wo das besser gelöst ist. Vor dem neuen theater etwa wurden Poller mit Klebeband versehen. An der Hafenbahntrasse gibt es Poller mit Katzenaugen. Es gehört laut Reichel nicht viel dazu, um sie besser sichtbar zu machen.

Christian Reichel sagt aber auch: „Wir sind auf einem guten Weg in Halle. Die Stadt macht schon viel für uns.“ Und er schiebt hinterher: „Wir bleiben auch dran.“ Denn Luft nach oben gibt es allemal. Dann zeigt er noch ein Foto eines Erdbeerhäuschens auf seinem Handy, das diese Woche auf dem Bahnhofsvorplatz stand - mitten auf der Wegführung für Blinde. Inzwischen sei es von der Markierung runter gestellt worden. „Manche wissen es auch nicht“, sagt er und wünscht sich doch mehr Rücksicht. (mz)