Unterricht in Halle

Unterricht in Halle: Wenn von 14 Lehrern acht krank sind

Halle (Saale) - Beim Forum Silberhöhe bekam Bildungsminister Marco Tullner einen Einblick in die schwierige Situation der Grundschulen in Halle.

Von Claudia Crodel
Viele Lehrer fühlen sich gestresst. dpa

Das Thema der Unterrichtsversorgung in den allgemeinbildenden Schulen wird derzeit in ganz Sachsen-Anhalt stark diskutiert. Deshalb ging es beim ersten Forum Silberhöhe des Jahres 2017 am Mittwoch nicht nur um Fragen der Sauberkeit im Wohngebiet und die Planung des Silberhöhen-Fests im Juni. Vielmehr war zu der Sitzung Bildungsminister Marco Tullner (CDU) eingeladen.

Er umriss die Probleme Lehrermangel und Neueinstellung. Für ihn als Bildungsminister gehe es deshalb nicht um neue Bildungskonzepte, sondern vorrangig um die Unterrichtsversorgung. Andere Dinge müssten vorerst zurücktreten. Als Beispiel nannte er die Inklusion. Natürlich sei er für Inklusion, aber dafür müssten zunächst tragfähige Rahmenbedingungen in den Schulen vorhanden sein. Nach seinem einführenden Vortrag schilderten die beiden Schulleiterinnen der Grundschulen „Hanoier Straße“ und „Silberwaldschule“ ihre ganz konkreten Probleme.

Schwierige Situation trotz einer auf dem Papier 102-prozentigen Unterrichtsversorgung

Sabine Breier aus der Grundschule „Hanoier Straße“ machte deutlich, wie schwierig die Situation trotz einer auf dem Papier 102-prozentigen Unterrichtsversorgung sei. Aufgrund von Langzeiterkrankungen fehlten an ihrer Schule von 14 Kollegen stets zwischen fünf und acht Lehrer. Klassen müssten zusammengelegt und dadurch mehr als 40 Schüler zugleich unterrichtet werden. Sie selbst erledige ihre Schulleiteraufgaben in der Freizeit, um den Unterricht abzusichern, eine Stellvertretung habe sie nicht. Seit Jahren gebe es an der Schule keinen pädagogischen Mitarbeiter, obwohl ihr zwei zustehen.

Da die Schule eine mit verlässlichen Öffnungszeiten sei, müssten Lehrer zudem noch als Betreuer einspringen. Auch Kerstin Pallas, Leiterin der Silberwaldschule, machte auf gravierende Schwierigkeiten aufmerksam, unter anderem darauf, dass die Kinder, wenn sie in die Schule kämen, Entwicklungsunterschiede von drei bis vier Jahren aufwiesen. Zudem kämen im laufenden Schuljahr mehrfach Kinder dazu, die völlig ohne Deutschkenntnisse seien. Diese Aufgaben sind mit dem gegenwärtigen Personal nicht zu stemmen. Beide Schulleiterinnen betonten, dass das nicht nur Probleme von Schulen auf der Silberhöhe seien.

Lösungskonzepte für die konkreten Probleme der Schulen hatte der Bildungsminister nicht im Gepäck

Lösungskonzepte für die konkreten Probleme der Schulen hatte der Bildungsminister natürlich nicht im Gepäck. Doch er sagte: „Ich nehme die Probleme wahr und versuche, sie zu lösen.“ Dabei verwies er vor allem auch darauf, das der „regionale Ausgleich“ zwischen den Schulen besser klappen müsse. Hans-Jürgen Kreissel. Leiter der Sekundarschule Halle-Süd, betonte, dass es nicht nur um neues Personal ginge, sondern dass es wichtig sei, auch das vorhandene zu pflegen.

Viele Rahmenbedingungen würden nicht stimmen. Er riet zudem der Stadt, darauf zu schauen, dass Schüler und Lehrer nicht morgens in eine nicht gereinigte Schule kämen, und fragte, ob es nicht ratsam sei, in den Grundschulen täglich eine Schulsekretärin vor Ort zu haben. (mz)