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Brutaler AngriffTäter blockieren Straße: Manager im Saalekreis bei Überfall schwer verletzt

Der Geschäftsführer des WAZV Saalkreis wird nach einer Sitzung überfallen und schwer verletzt. Der Staatsschutz ermittelt. Hängt die Attacke mit dem Job des Managers zusammen?

Von Dirk Skrzypczak, Marvin Matzulla und Matthias Fricke Aktualisiert: 07.12.2023, 17:35
Der WAZV hat seinen Sitz in Gutenberg bei Halle. Unter Eisners Regie wurde die Immobilie saniert. Nun wurde Manager Eisner überfallen - gibt es einen Zusammenhang mit seiner arbeit? 
Der WAZV hat seinen Sitz in Gutenberg bei Halle. Unter Eisners Regie wurde die Immobilie saniert. Nun wurde Manager Eisner überfallen - gibt es einen Zusammenhang mit seiner arbeit?  Fotos: Marvin Matzulla

Halle(Saale)/Petersberg/MZ/VS - Martin Eisner schaut aus dem Fenster seines Wohnhauses in einem kleinen Ort der Gemeinde Petersberg. „Ich äußere mich nicht“, sagt der 58-Jährige. Und so bleiben Fragen nach einem mysteriösen Überfall offen.

Eisner, Geschäftsführer des Abwasserzweckverbands (WAZV) Saalkreis und Mitglied im CDU-Kreisverband, war in den Abendstunden des 27. November überfallen und schwer verletzt worden. In dem Fall ermittelt der Staatsschutz der Polizeiinspektion Halle.

Überfall auf WAZV-Chef Eisner: Täter lauern Opfer auf

Die Tat klingt nach einer filmreifen Kommandoaktion. Nach einer Verbandssitzung am WAZV-Sitz in Gutenberg fährt Eisner nach Hause. Gegen 21 Uhr biegt er von der Landesstraße 145 in Richtung Krosigk ab. Dort sollen Unbekannte einen Ast oder Baumstamm auf die Straße gelegt haben, um Eisner zum Anhalten zu zwingen. Als der Geschäftsführer aus seinem Wagen steigt, sollen die Täter – einer soll eine Ski-Maske getragen haben – ihn aus der Dunkelheit heraus angegriffen, auf ihn eingeschlagen und eingetreten haben.

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Wie aus Ermittlungskreisen verlautet, soll einer der Angreifer „Du Dreckschwein“ gerufen haben. Eisner schleppte sich nach der brutalen Attacke nach Hause. Dort rief seine Frau die Polizei und den Rettungsdienst. Der Verbandschef erlitt ein Schädelhirntrauma, eine Nasenfraktur, Hämatome am Kopf und Platzwunden.

Auf diesem Straßenabschnitt bei Krosigk hatte sich der Überfall auf den WAZV-Verbandschef am 27. November ereignet. Die Täter legten laut Polizei ein Gehölz auf die Fahrbahn, um Eisner zu stoppen.
Auf diesem Straßenabschnitt bei Krosigk hatte sich der Überfall auf den WAZV-Verbandschef am 27. November ereignet. Die Täter legten laut Polizei ein Gehölz auf die Fahrbahn, um Eisner zu stoppen.
(Foto: Marvin Matzulla)

Es ist nicht der erste Überfall auf Eisner. Nach Recherchen soll er im Juli 2021 in der Nähe seines Hauses bereits angegriffen und verletzt worden sein. Auch damals war der Angreifer verschwunden. Der WAZV reagiert betroffen. „Wir verurteilen den feigen und heimtückischen Angriff“, heißt es in einer Mitteilung am Mittwoch.

Haben die Attacken etwas mit Eisners beruflicher Funktion zu tun? „Spekulationen verbieten sich“, teilt der WAZV mit, erklärt aber auch: „Wir respektieren Kritik an der Arbeit des Verbandes, lehnen Gewalt als Mittel der Auseinandersetzung jedoch klar ab. Wir werden die Ermittlungsbehörden vollumfänglich bei der Aufklärung des Sachverhalts unterstützen.“

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Eisner war 2013 als Chef der Kommunalaufsicht des Saalekreises zum WAZV gewechselt. Mit elf Mitgliedsgemeinden und rund 86.000 Einwohnern gehört der Verband zu den größten seiner Art in Sachsen-Anhalt. Der 58-Jährige soll im WAZV unter anderem mit Mitarbeitern aneinandergeraten sein.

Streitbar soll er sich nach MZ-Informationen auch auf der Verbandsversammlung am 27. November 2023 gezeigt haben. „So einen Abend habe ich lange nicht erlebt. Herr Eisner und der Vorsitzende der Verbandsversammlung haben sich keines Blickes gewürdigt. So kann die Zusammenarbeit nicht funktionieren“, sagt ein Beteiligter.

Den Vorsitz der Versammlung hat Christof Rupf, der für die Grünen im Kreistag sitzt. „Von einem Überfall habe ich offiziell nichts gehört, ihm aber gute Besserung gewünscht“, sagt er. Er kritisiert: „Herr Eisner fördert mit seinem Verhalten nicht die Meinungsbildung in der Versammlung. Durch trickreiches Taktieren verhindert er sie eher“, sagt Rupf. Es gebe nur schwarz oder weiß. „Wer ihm nicht folgt, gilt bei ihm als inkompetent.“

Martin Eisner kam 2013 aus der Kreisverwaltung zum WAZV.
Martin Eisner kam 2013 aus der Kreisverwaltung zum WAZV.
Foto: Skrzypczak

Angriff auf WAZV-Chef: So äußert sich die Polizei

Bürgermeister bemängeln zudem, dass Eisner Anträge aus Gemeinden verschleppe. Angesichts der Querelen müsse eine Lösung her. Von Eisner war dazu keine Stellungnahme zu erhalten. Und der WAZV teilte mit, dass man zu Details der Verbandsarbeit keine Angaben mache.

Die Polizei schließt bei ihren Ermittlungen einen politischen Hintergrund nicht aus. Der 58-Jährige ist zwar CDU-Mitglied, tritt für die Partei aber nur sporadisch in Erscheinung. Beim Kreisparteitag der Union 2021 war Eisner einer der Kassenprüfer. Mehr ist in seiner politischen Vita der vergangenen Jahre nicht zu finden.

„Derzeit richten sich unsere Ermittlungen gegen zwei Täter, deren Identität wir noch nicht kennen“, sagt Polizeisprecher Alexander Junghans. Ein Zusammenhang mit dem Überfall im Juli 2021 werde geprüft. Der WAZV sieht derzeit keine Verbindung zwischen den Angriffen und der Arbeit des Verbandes. „Hier gilt es jedoch, die Ermittlungen abzuwarten.“