U-Ausschuss zum Anschlag

U-Ausschuss zum Anschlag in Halle: Polizeiführung wusste nichts von Schüssen auf Beamte

Magdeburg - Während des Polizeieinsatzes rund um den Terroranschlag von Halle haben Einsatzkräfte wichtige Informationen nicht an die Polizeiführung weitergegeben.

Von Jan Schumann 16.07.2020, 09:10
Am Tag des Anschlag in Halle im Oktober 2019 erhielt der Einsatzleiter wichtige Informationen offenbar erst sehr spät.
Am Tag des Anschlag in Halle im Oktober 2019 erhielt der Einsatzleiter wichtige Informationen offenbar erst sehr spät. ZB

Während des Polizeieinsatzes rund um den Terroranschlag von Halle haben Einsatzkräfte wichtige Informationen nicht an die Polizeiführung weitergegeben. Der Einsatzführer wusste bis zur Festnahme des Attentäters nicht, dass der schwerbewaffnete Stephan B. auf der Ludwig-Wucherer-Straße mehrfach auf Polizisten geschossen hatte. Diese Information habe er erst gegen 14 Uhr erhalten, schilderte der damalige Polizeiführer am Donnerstag im Untersuchungsausschuss zum Anschlag.

Von dem Feuergefecht bis zur Festnahme vergingen knapp anderthalb Stunden. Wieso die vier beteiligten Polizisten den Schusswechsel nicht meldeten, könne er nicht beantworten, sagte der Einsatzleiter. Funksprüche mit entsprechenden Nachfragen aus der Zentrale seien von den Polizisten im Einsatz nicht beantwortet worden. „Sie waren in einem Erregungszustand, in dem sie die Funksprüche nicht wahrgenommen haben“, sagte der Einsatzleiter. Die Zentrale habe insgesamt drei Mal nachgefragt, ob die Polizisten das Feuer auf B. eröffnet hätten.

Zu dem Feuergefecht zwischen B. und den Einsatzkräften war es gekommen, nachdem der Rechtsextremist bereits zwei Personen im Stadtgebiet erschossen hatte. Zuvor hatte er versucht, schwer bewaffnet die hallesche Synagoge zu stürmen. Der anschließende Schusswechsel mit der Polizei fand nahe dem Kiez-Döner auf der Ludwig-Wucherer-Straße statt.

Mehrfach feuerte B. mit einer Schrotflinte auf die Beamten, die hinter ihrem Funkwagen Deckung suchten. Als die Einsatzkräfte das Feuer erwiderten, traf eine Polizeikugel den Attentäter am Hals. Er fiel verletzt zu Boden, flüchtete dennoch Sekunden später in seinem Mietwagen.

Im Untersuchungsausschuss schilderte der Polizeiführer am Donnerstag, dass im Laufe des Einsatzes insgesamt 1.569 Polizisten in Alarmbereitschaft versetzt wurden. Der geflüchtete B. wurde gegen 13. 40 Uhr von Revierpolizisten aus Zeitz festgenommen. Bis zum Abend musste der Einsatzführer jedoch davon ausgehen, dass bis zu drei Täter in den Anschlag involviert waren. Erst gegen 18.15 Uhr sei klar gewesen, dass die akute Gefahr gebannt war, sagte der Polizeiführer. (mz)