Tod und Sterben

Tod und Sterben: Diese Hallenserin hilft anderen, über das Tabuthema zu sprechen

Halle (Saale) - Gerlinde Coch zeigt in ihren Kursen, wie man über den Tod und das Sterben redet - damit Menschen an ihrem Lebensende nicht allein gelassen werden.

Von Denny Kleindienst 20.09.2020, 09:00

Wer spricht schon gern über den Tod? Und wer redet noch dazu mit jemandem darüber, der im Sterben liegt oder an einer fortgeschrittenen lebensbedrohlichen Krankheit leidet - selbst oder gerade wenn die betroffene Person einem nahe steht?

„Es gibt eine Scheu, das Thema anzusprechen“, sagt Gerlinde Coch. Sie hat 16 Jahre lang im Hospiz in Halle gearbeitet. Erst als Krankenschwester, später war sie im ambulanten Hospizdienst für ehrenamtliche Mitarbeiter zuständig. Inzwischen arbeitet sie als Supervisorin, leitet Kurse zur Palliativversorgung und ist auf dem Sprung in die Freiberuflichkeit. Lebensende, Sterben und Tod - Gerlinde Coch weiß selbst, dass dies ein schweres Themengebiet ist.

Zeigen, wie man miteinander über das Sterben spricht

Doch die Berührungsängste damit möchte sie gern abbauen - und erzählt von der Erfahrung, die sie gemacht hat: „Wenn Menschen bekannt ist, dass sie nicht mehr viel Lebenszeit haben, dann wird die Zeit oft noch intensiver, bewusster, sogar lebendiger genutzt als vorher.“

Mit ihren Kursen zur „Letzten Hilfe“ wendet sich Gerlinde Coch nun aber vor allem an all jene, „die sich Gedanken machen, wie sie mit Menschen umgehen, deren Lebensende erwartbar ist.“ Coch will ihnen zeigen, wie man miteinander über das Sterben spricht. Sie möchte ihnen die Angst davor nehmen, was passiert, wenn man auf das Thema kommt. Wichtig sei etwa, auch die kleinen Sorgen ernst zu nehmen.

„Wohin kommt die Katze?“

„Wohin kommt die Katze?“, sagt Coch. „Dafür muss eine Lösung gefunden werden.“ Zwangsläufig gehe es aber auch um die ganz großen Themen. Um die Frage: Was kommt nach dem Tod? „Ich kann auch nicht sagen, was nach dem Tod kommt. Aber ich kann darüber reden, was es für Vorstellungen gibt“, sagt sie. Es sei in Ordnung, die eigene Ratlosigkeit mitzuteilen.

Grundsätzlich wünscht Gerlinde Coch sich, dass der Hilfebedarf von sterbenden Menschen erkannt wird und Mitmenschen nicht wegschauen. Dass sie entsprechend ihrer Möglichkeiten helfen: Sich ans Bett setzen und da sind. Oder kochen und nötige Erledigungen machen. Oder auch diejenigen unterstützen, die selbst Hilfe leisten. Für Gerlinde Coch hat die letzte Hilfe durchaus eine gesellschaftliche Dimension. Denn sie verknüpft damit die Frage: „Wie gehen wir mit unseren Schwächsten um?“

Kurse werden außerdem an der Volkshochschule in Halle angeboten

Insgesamt vier Letzte-Hilfe-Kurse bietet Coch im Herbst in Halle an: am 1. und 2. Oktober sowie am 2. und 12. November an wechselnden Orten in der Stadt. Sie beschränkt ihre Kurse auf maximal zwölf Teilnehmer, um ihnen einen geschützten Raum zu bieten. Coch verrät noch, dass Georg Bollig, der Entwickler des Konzeptes der letzten Hilfe, im November in Halle für diese Arbeit mit dem Heinrich-Pera-Preis geehrt wird.

Entsprechende Kurse werden außerdem an der Volkshochschule in Halle angeboten. „Der Umgang mit Sterbenden verändert auch unser Leben“, sagt Gerlinde Coch. Sie selbst lebe und genieße mittlerweile bewusster.

››Nähere Informationen sind unter www.letztehilfe.info zu finden. (mz)