Tangoabend am Sonnendeck

Tangoabend am Sonnendeck: Romantik auf der Plane

Halle (Saale) - Jeden Dienstag bei schönem Wetter wird im Sonnendeck in Halle Tango getanzt.

Von Julia Rau 03.08.2017, 14:12

Kurz vor sieben rollt Antje die Tanzfläche über den Betonboden aus. Auf 15 Quadratmetern extrarutschiger Plane soll zwischen einer Baustelle, einem Keramikatelier, der Terrasse des Sonnendecks und zwei parkenden Autos Sommerflair entstehen. Während Antje noch einen Werbewimpel aufstellt, schließt ihr Partner Christoph Schäfer die Musikbox an. Gleich geht es los, die ersten sind schon da.

Jeden Dienstag bei schönem Wetter wird hier Tango getanzt. „Wir machen das jetzt seit vier Jahren, es ist einfach noch schöner unter freiem Himmel zu tanzen“, erzählt Tänzerin Antje Fleck. In lockerer Atmosphäre könnten jederzeit auch Restaurantgäste oder Passanten mitschwofen.

Tango: Ineinander verschlungen und Wange an Wange

Fünf vor sieben: Christoph streut Babypuder auf die Plane, „dann rutschen die Frauen besser bei den Drehungen“, sagt er. Antje hat sich inzwischen die Hochhackigen angezogen und schlupft einmal durchs Puder. Kurz nach Sieben: Antje und Christoph eröffnen. Ineinander verschlungen, Wange an Wange schiebt Christoph seine Antje ganz sanft über die Plane. Ihre Schritte kreisen um ihn, alle paar Meter zieht sie mit der Zehenspitze hinter sich einen großen Halbkreis.

Schhhh. Immer, wenn eine Tänzerin ihr Bein so gleiten lässt, ist deutlich ein Streichen auf der Plane zu hören. Christoph schmunzelt zufrieden über Antjes Schulter. Er tanzt in Flip Flops.

Traditionell wird in einer Milonga der Partner gewechselt

Nach vier Liedern ist Schluss. Traditionell wird in einer Milonga - einer Tango-Tanzsession - jetzt der Partner gewechselt. Vielmehr muss man nicht beachten, nur: zum Tanz wird immer aufgefordert, und nach einem Musikblock wird gewechselt. Einen Dresscode gibt es nicht. Die Männer tragen meist T-Shirt oder Hemd mit zwei Knöpfen offen, die Frauen kurze Kleider oder bauschige Pumphosen. „Der Partnertausch ist genau der Reiz“, sagt Thomas Wolff.

Der 46-Jährige tanzt seit mehr als zehn Jahren Tango. Er war zuletzt im Tanzurlaub in Buenos Aires - Argentiniens Hauptstadt ist der Sehnsuchtsort vieler Tangofans. „Da tanzt man eben mit einer jungen Argentinierin und nach vier Liedern wird man wieder ins Leben zurückgerissen“, scherzt er. „Tango hat natürlich schon viel romantisches, wenn man manchmal so eng zusammensteht, den anderen atmen hört und dann ganz langsam zum ersten Schritt ansetzt“.

Eine richtige Spannung zwischen den Tanzpartnern

„Magste Tanzen“ - Thomas ergreift Gelegenheiten, wenn sie am Tisch vorbeilaufen und zieht mit einer Bekannten Richtung Tanzplane. Die Gäste des Sonnendecks, die vor Salat und Nudeln sitzen, beobachten verträumt die Szene. Christoph hat die Musik extra nicht zu laut gedreht. Bis zu den Studenten, die am Saaleufer in Liegestühlen Weißwein trinken, reicht sie noch. Auf der anderen Seite des Radwegs schmult ein Pärchen über eine Hecke, schaut sich Schritte ab und dann konzentriert zu Boden. „So soll das sein“, sagt Christoph stolz. Er hat inzwischen mit drei Frauen getanzt, „ich nehme mir meistens vor, mit allen mal zu tanzen“, sagt er.

Varun Danke hält sich zurück. Der Student ist Anfänger, tanzt seit einem Jahr bei Tangomio. Der Tanz bedeute für ihn „Leidenschaft, da ist eine richtige Spannung zwischen den Tanzpartnern“. Plötzlich nieselt es aus den orangen Sonnenuntergangswolken. Unbeeindruckt schwingen die Tänzer weiter. Viele Frauen halten ihre Augen geschlossen, angelehnt an die Wange des Partners. „Das hilft, um sich führen zu lassen“, erklärt Thomas. Je tiefer sich die Sonne hinter die Bäume am Saaleufer duckt, desto beschwingter wird die Runde. Etwa die Hälfte der 25 Tangotänzer unterhält sich - über Urlaub, Hobbys oder Tangoschuhe. Der Rest tauscht auf der Plane Partner und schmiegt sich wogend zur Musik aneinander. (mz)