Stadt-Sprechstunde

Stadt-Sprechstunde: Im Südpark kochen die Emotionen hoch - vor allem wegen Ausländern

Halle (Saale) - Viel Nettes hatten die Anwohner des Südparks bei der Sprechstunde der nicht zu sagen.

Von Jan Möbius 06.09.2016, 07:00

Im Südpark in Halle-Neustadt, einem der härtesten sozialen Brennpunkte der Saalestadt, hatte die Stadtverwaltung Halle am Montagabend die Einwohner der Plattenbausiedlung zu einer Bürgerversammlung eingeladen.

Großaufgebot des Ordnungsamt am Südpark

Allerdings tatsächlich auch nur die Anwohner. Denn an der Zugangstür zur Turnhalle an der Offenbachstraße gab es Ausweiskontrollen durch das Ordnungsamt. Die Zufahrtsstraße konnte nur auf Genehmigung passiert werden. Ein Großaufgebot des Ordnungsamtes sicherte die Veranstaltung ab. Auch die Polizei war vor Ort – und uniformierte Feuerwehrleute.

Die Verwaltung stellte zunächst vor, wie es um den Südpark bestellt und was dort für die Zukunft geplant ist. Eine Stunde Zeit gab OB Bernd Wiegand (parteilos) dann den Anwohnern, um Vorschläge und Anregungen zu machen. Doch schon während der Redezeit von Dezernenten, Fachleitern und Referenten aus Wiegands engstem Kreis wurde es unruhig im Saal. Vor allem der Vortrag von Grundsatzreferent Oliver Paulsen zur Integrationsarbeit für Flüchtlinge sorgte für Aufruhr. Mit Zuschüssen zum Ghetto? Diese Frage wollte einer der Anwohner beantwortet haben. Wiegand verneinte und ließ Paulsen Zahlen vorlesen.

Eine Sache der Polizei

Doch auch die nur 17 Prozent Ausländeranteil im Südpark sorgten für nur wenig Beruhigung im bestens gefüllten Turnhallensaal. Als eine Anwohnerin berichtete, sie habe Angst auf die Straße zu gehen und dass sie am Ende ihrer Kräfte sei, fehlten Wiegand konkrete Antworten. Immer wieder verwies er auf die Polizei und ermunterte fortlaufend, doch Anzeigen zu erstatten. Selbst als eine Mitarbeiterin der Lebenshilfe sagte, sie werde inzwischen schon von Kindern auf der Straße unsittlich berührt, verwies Wiegand erneut auf die Streifen von Polizei und Ordnungsamt – und ermunterte wieder nur zu Anzeige. Man wolle ja dann mit den Eltern der Kinder sprechen.

Zweifel hatte die Besucher der Veranstaltung am Ergebnis derartiger Gespräche. "Lassen Sie sich überraschen", konterte der OB. Die Thematik sei aber dann doch bei ihm angekommen, betonte er nach knapp einer Stunde Veranstaltung und ermunterte die Anwesenden, doch auch mal über das Thema Grünflächenpflege zu reden. Doch das wollten die meisten nicht.

Flüchtlingsproblem bei den Anwohnern

Ausländerfeindlichkeit schwang in vielen, eigentlich den meisten Redebeiträgen am Montagabend im Südpark mit. Warum so viele Flüchtlinge dorthin kämen, wollte eine Anwohnerin wissen, die inzwischen in ihrem Garten, nicht mehr in ihrer Wohnung schlafe, weil sie sich nach dem Spätdienst nicht nach Hause traue.

Die Verwaltung sagte, dass die Stadt auf die Verteilung kaum Einfluss habe. Auf der Suche nach bezahlbarem Wohnraum zögen viele Flüchtlinge eben auch in Gebäude privater Vermieter im Südpark. Das aber sei keine zentrale Unterbringung durch die Stadt.

Auswertungsveranstatung im Januar

Nettes war am Abend aus dem Südpark nicht zu hören. Obwohl eigentlich am Stadtrand gut und ruhig gelegen, fühlen sich die Anwohner offenbar ausgegrenzt. Er wisse nicht mehr, was Würde bedeutet, meinte einer von ihnen zudem. Ob sich das ändern kann, wird sich zeigen. Die Auswertungsveranstaltung ist für Januar geplant. Dann will Wiegand präsentieren, wie die Stadt auf die Probleme der Anwohner eingehen will. (mz)