Wildcats und Gisa Lions sind entsetzt

Stadt Halle erhöht die Hallenmiete drastisch

Von Petra Szag und Christoph Karpe
Jubeln die Wildcats von Union Halle-Neustadt künftig nicht mehr in der Neustädter Halle? (Foto: Holger John)

Halle (Saale) - Die Freude war überbordend. Natürlich. Dass die Wildcats vorzeitig den Klassenerhalt sicher haben, sorgte bei Halles Erstliga-Handballerinnen von Union Halle-Neustadt für Erleichterung. Auch das zweite Erstligateam der Stadt, die Basketballerinnen der Gisa Lions, hatte Grund zur Freude. Mit einem energischen Schlussspurt war Platz acht und der Einzug in die Playoffs geschafft worden.

Derzeit wird also in den Geschäftsstellen schon die neue Saison geplant. Doch dabei ziehen dunkle Wolken auf. Was mit der Spielstätte beider Teams zu tun hat. Die Nutzung der Erdgas Sportarena - so heißt sie bald nicht mehr - in Neustadt droht für die Wildcats wie für die Lions unbezahlbar zu werden. Die Stadt Halle will nämlich die Betriebskosten drastisch erhöhen. Um etwa 200 Prozent!

Stadt Halle will 47.000 Euro Hallenmiete von Wildcats und Gisa Lions

Was ist passiert? Am 1. Juli wird es in der Ballsporthalle einen Betreiberwechsel geben. Die Stadt hat dem städtischen Wohnungsunternehmen GWG gekündigt, wird die Halle in Eigenregie übernehmen. Weil auch Namenssponsor VNG (Erdgas) aussteigt und die Stadtwerke diesen Part übernehmen, fehlt plötzlich Geld.

VNG zahlte bisher 320.000 Euro jährlich, die Stadtwerke künftig „nur“ noch 100.000. Etwa 360.000 Euro kostet der Betrieb der Halle. Der Anteil der GWG fällt aber ebenso weg. Die Idee in der Verwaltung: Union und Gisa Lions sollen die fehlende Summe ausgleichen. Statt knapp bisher etwa 16.000 Euro im Jahr sind laut Planung von den beiden Erstligisten nun rund 47.000 Euro fällig.

Eine Summe, bei der die Klubs entsetzt die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Denn über so viel finanziellen Spielraum verfügen sie nicht, „schon gar nicht in Coronazeiten, in denen jeder Euro dreimal umgedreht werden muss“, wie Himborn sagt. Ohnehin fehlen schon Zuschauereinnahmen, müssen Tests bezahlt werden - und Sponsoren kämpfen ebenfalls ums Überleben.

Letzter Ausweg: Verlassen Gisa Lions und Wildcats Halle?

„Das ist für uns nicht zu stemmen - höchstens unter drastischen Sparmaßnahmen“, sagt Lysann Kairies die Geschäftsführerin der Gisa Lions, die etwa über 350.000 Euro Etat verfügt. Ähnlich klingt ihr Union-Kollege Jan-Hennig Himborn. „Wir müssten am Kader sparen oder eine Stelle für einen Jugendtrainer streichen“, sagt er und zeigt die Konsequenz auf: „So sind wir in der ersten Liga kaum noch konkurrenzfähig.“

Beide Klubs verweisen auf die Rivalen, die in ihren Heimatorten kaum Miete zahlen müssten. Und Himborn sagt: „In Halle sollte man sich entscheiden, ob man Erstligaballsport erhalten und entwickeln will.“ Natürlich gab es Gespräche mit den Verantwortlichen, um einen Kompromiss zu finden. 20.000 Euro im Jahr zu zahlen, das könnten sich die Klubs vorstellen. Doch die Stadt bewegt sich nicht von ihrer Position: „Man kann doch nicht nur nein, nein, nein sagen, sondern muss doch mal aufeinander zugehen“, so Himborn.

Passiert das nicht, haben sich gebeutelten Klubs Alternativen überlegt: „Dann absolvieren wir eben nur noch die Spiele in der Halle und trainieren woanders. Weil wir das Komplettpaket nicht mehr bezahlen können“, so Lysann Kairies. Aber auch die Idee, Halle als Austragungsort der Erstliga-Duelle den Rücken zu kehren, kreist durch die Köpfe. „Wir werden gezwungen, darüber nachzudenken, uns eine andere Heimstatt zu suchen“, sagt Himborn und betont: „Das wollen wir nicht und wäre der allerletzte Ausweg.“ Noch sieht man sich als Aushängeschilder der Saalestadt. (mz)