Streit um Bauprojekt

Sind die Saalegärten in Halle „überdimensioniert“?

Die Zukunft des großen Neubauprojektes am Böllberger Weg sorgt weiter für Diskussionen. Welche Rolle die Gebietsbezeichnung spielt.

Von Jonas Nayda 28.10.2021, 07:30 • Aktualisiert: 28.10.2021, 09:35
Der Abriss des Sportparadieses am Böllberger Weg ist schon weit vorangeschritten. Über die geplanten Neubauten gibt es Diskussionen.
Der Abriss des Sportparadieses am Böllberger Weg ist schon weit vorangeschritten. Über die geplanten Neubauten gibt es Diskussionen. Foto: Steffen Schellhorn

Halle (Saale) /MZ - Die Diskussion um das geplante Großprojekt „Saalegarten“ am Böllberger Weg geht weiter. In einer Pressemitteilung hat sich nun die Bürgerinitiative „Leben im Böllberger Weg“ geäußert und den Vorschlag der Stadtratsfraktion Mitbürger & Die Partei gelobt, auf dem Gelände des ehemaligen Sportparadieses nur kleinteilige und niedrige Bebauung zu erlauben. So könne die Lebensqualität im Viertel geschützt werden, die ansonsten bedroht wäre, heißt es.

Geplantes „Urbane Gebiet“ in Halles Süden wird im Stadtrat kontrovers diskutiert

Die Bürgerinitiative spricht unter anderem von „überdimensionierten Gebäuden“ sowie Schadstoff- und Lärmbelastungen, die mit dem Neubau von dutzenden Wohnungen, Geschäften und Büro-Räumen entstehen würden, wenn das rund 150 Millionen Euro teure Projekt umgesetzt wird. Schon seit Monaten hatte die Bürgerinitiative gegen die Ausmaße des Saalegartens protestiert. Mehr als 2.000 Menschen hatten sich an einer Unterschriftensammlung beteiligt.

Der Antrag der Fraktion Mitbürger & Die Partei, mit dem das geplante „Urbane Gebiet“ in Halles Süden formal als „Allgemeines Wohngebiet“ eingestuft werden soll, wird im Stadtrat kontrovers diskutiert. Die exakte Gebietsbezeichnung ist wichtig, weil in einem „Allgemeinen Wohngebiet“ nur niedriger und weniger dicht gebaut werden darf, als in einem „Urbanen Gebiet“, das baurechtlich eher für Stadtzentren gedacht ist, die bereits sehr dicht bebaut sind und wo die Trennung zwischen Wohnen und Arbeiten aufgebrochen werden soll.

„In höchstem Maße irritierend“ jetzt die Planungsgrundlage ändern zu wollen

„Wenn man sich die Pläne anschaut, sieht man, dass dort eigentlich kein Urbanes Gebiet entstehen soll, sondern ein ganz normales Wohngebiet“, sagt Christian Feigl (Die Grünen), Vorsitzender des Planungsausschusses. Deshalb sei die Festlegung des Areals zwischen Saale und Böllberger Weg als „Urbanes Gebiet“ unpassend. Sie diene laut Feigl offenbar hauptsächlich dazu, die möglichen Dimensionen der Gebäude auszureizen. Unter anderem war in den Saalegarten-Plänen von einem elfgeschossigen Hochhaus die Rede.

„Man kann zu dem Projekt unterschiedliche Ansichten haben“, sagt CDU-Fraktionsvorsitzender Andreas Scholtyssek. Es sei jedoch „in höchstem Maße irritierend“, jetzt die Planungsgrundlage ändern zu wollen, während das Verfahren bereits läuft. Der Stadtrat habe schließlich in einem demokratischen Verfahren einen Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan gefasst. Scholtyssek spricht von einem „fatalen Signal“, das dadurch an alle Investoren in der Stadt gesendet werden würde.

Streit um die beste Lösung um die Bebauung der Saalegärten

Der Investor des Saalegartens wollte sich auf MZ-Anfrage bisher nicht zu der Sache äußern. Bei niedrigerer und kleinteiliger Bebauung würde der Investor weniger Mieteinnahmen haben. Er könne jedoch begründen, warum er die Kategorie „Urbanes Gebiet“ gewählt habe und nicht „Allgemeines Wohngebiet“. Wenn der Bebauungsplan fertig sei, könne man die Begründung nachlesen. Auch die Stadtverwaltung hatte auf MZ-Nachfrage die Festsetzung als „Urbanes Gebiet“ verteidigt. Die Planungsziele seien dem Stadtrat bekannt gewesen.

Laut Christian Feigl lehne niemand eine Bebauung am Böllberger Weg ab. Um Investoren mache er sich keine Sorgen. „Wir streiten nur um die beste Lösung.“ Im November soll der Rat entscheiden, ob der Saalegarten offiziell als „Urbanes Gebiet“ oder als „Allgemeines Wohngebiet“ eingestuft wird. Bisher gibt es im gesamten Stadtgebiet von Halle noch keinen Ort, der als „Urbanes Gebiet“ ausgewiesen wurde.