„Urbane Gebiet“ als Mittel zur Stadtentwicklung

Saalegarten in Halle bleibt strittig: Darum wurde Antrag auf Verkleinerung des Baugebietes abgelehnt

Das geplante Großprojekt am Böllberger Weg hat erneut für Diskussion im Stadtrat gesorgt. Eine Fraktion scheiterte mit dem Versuch, es zu verkleinern.

Von Denny Kleindienst 13.11.2021, 09:00
Abriss des Sportparadieses am Böllberger Weg. Hier soll ein modernes Wohngebiet entstehen.
Abriss des Sportparadieses am Böllberger Weg. Hier soll ein modernes Wohngebiet entstehen. Steffen Schellhorn

Halle (Saale)/MZ - Mit drei Stimmen dafür, zwei Enthaltungen und vier Gegenstimmen ist ein Antrag der Fraktion MitBürger & Die Partei im Planungsausschuss - wenn auch knapp - abgelehnt worden. Die Fraktion wollte den Bebauungsplan für den sogenannten Saalegarten am Böllberger Weg dahingehend ändern, dass die Fläche nicht mehr als „Urbanes Gebiet“, sondern als „Allgemeines Wohngebiet“ bewertet wird. Dadurch wäre nur weniger und niedrigere Bebauung möglich.

Antrag auf Verkleinerung des Bebauungsgebietes für Saalegarten in Halle abgelehnt

Der Saalegarten als neues Wohn- und Geschäftsquartier ist ein millionenschweres Neubauprojekt auf dem Areal des ehemaligen Sportparadieses. Aus Sicht der Fraktion MitBürger und Die Partei ist es überdimensioniert. Dabei ist die Fraktion nicht grundsätzlich gegen das Vorhaben. Im Antrag hieß es: „Wir begrüßen die Intention des Investors, den städtebaulichen Missstand am Saaleufer zu beheben.“ Nur solle dies eben in kleinerem Rahmen passieren.

„Wir schlagen vor, das Maß der Bebauung deutlich nach unten zu korrigieren“, sagte Stadträtin Yvonne Winkler vor der Abstimmung. Sie erklärte auch, warum die Kategorisierung als „Urbanes Gebiet“ bei diesem Plangebiet nicht tauge. „Wir haben dort keine innerstädtische Lage.“ Zudem brauche es den Saalegarten laut Yvonne Winkler nicht, um den Bedarf an neuen Wohnungen in Halle zu decken.

„Wir sind eine Großstadt“: der großstädtische Charakter solle gehalten werden

Dem widersprach der Beigeordnete für Stadtentwicklung, René Rebenstorf: „Was den Wohnungsbedarf angeht, haben wir kein quantitatives Problem, sondern ein qualitatives.“ Rebenstorf zählt den Böllberger Weg sehr wohl zur Innenstadt. „Die Stadt ist da einfach zum Stehen gekommen.“ Die geplante Höhe des Neubaus orientiere sich laut Rebenstorf am Bestand - vom dazugehörigen Hochhaus einmal abgesehen. „Das Hochhaus ist ein Solitär“, sagte der Beigeordnete.

Er merkte an: „Wir sind eine Großstadt.“ Und der großstädtische Charakter solle gehalten werden. Dafür brauche es die Kategorie des „Urbanen Gebietes“ als Planungsinstrument. „Sonst kippen wir ab in die Vorstadtstruktur.“ Der Beigeordnete warnte davor, bei der frühzeitigen Schaffung von Baurecht „eine Bremse reinzulegen und dann nicht mehr bauen zu können“.

Debatte um „Urbane Gebiet“ als Mittel zur Stadtentwicklung

Dieser Argumentation schloss sich Stadtrat Eric Eigendorf (SPD) an. Wenn innerstädtische Bebauung verhindert werde, würden an anderer Stelle Flächen versiegelt, sagte er. Laut Eigendorf steht auch noch gar nicht fest, welches Ausmaß der Saalegarten einmal haben wird: „Am Böllberger Weg müssen wir nicht bis zum Maximum gehen.“ Ähnlich äußerte sich Stadtrat Thomas Schied (Die Linke). Der erwähnte „Abschluss der Stadt“ an dieser Stelle sei für ihn nachvollziehbar. Auch finde er die Bebauung nicht zu hoch - „bis auf das Hochhaus“.

So ging es in der Debatte sowohl um das Großprojekt Saalegarten als auch um das „Urbane Gebiet“ als Mittel zur Stadtentwicklung. Johannes Streckenbach (CDU) betonte, dass ihm daran gelegen sei, Arbeiten und Wohnen so gut es geht zu integrieren. Die Frage bleibe, inwiefern der vorgesehene große Supermarkt im Erdgeschoss des Neubaus diesem Anspruch gerecht werde. Der sachkundige Einwohner Manfred Sommer schloss die Debatte im Planungsausschuss: „Das ganze Gebiet wird überbaut. Das kann man nicht machen.“