Roboter in der Uniklinik

Roboter in der Uniklinik: „Pepper“ klärt Patienten auf

Halle (Saale) - Pepper kann genau erklären, was eine Magnetresonanztomographie (MRT) ist, wie die Untersuchung abläuft, wie lange sie dauert, welche Risiken sie birgt und welche Alternativen es dazu gibt.

Von Bärbel Böttcher 15.09.2017, 08:30

Pepper kann genau erklären, was eine Magnetresonanztomographie (MRT) ist, wie die Untersuchung abläuft, wie lange sie dauert, welche Risiken sie birgt und welche Alternativen es dazu gibt.

Der kleine Roboter zeigt Bilder vom MRT-Gerät und einen Film, wie das Ganze abläuft. Er stellt den Patienten Fragen, etwa ob dieser einen Herzschrittmacher trägt oder Medikamente einnimmt. Diese Informationen leitet er an den behandelnden Arzt weiter. Er bereitet so das eigentliche Aufklärungsgespräch vor.

Es klingt wie Zukunftsmusik. Ist aber bald Realität. Am Universitätsklinikum Halle wird intensiv daran geforscht, wie Roboter die Arbeit von Medizinern und Pflegern, aber auch von pflegenden Angehörigen unterstützen können.

Die technische Entwicklung auf diesem Gebiet schreitet rasant voran. Und „Pepper“ wird zu den Pionieren dieser Entwicklung gehören. Sein Einsatz als Aufklärer am Krankenbett ist bereits für Anfang des nächsten Jahres geplant, wie der Radiologe Professor Walter Alexander Wohlgemuth sagt.

Der Mediziner betont jedoch, dass der 1,20 Meter große Geselle das Arztgespräch auf keinen Fall ersetzen soll. Er spricht von vorgeschalteten Informationen, die es dann möglicherweise effektiver machen.

Roboter Pepper an der Uniklinik Halle könnte auch im Kinderbereich eingesetzt werden

Vorstellbar ist für Wohlgemuth auch, dass „Pepper“, mit dem ein Gespräch geführt werden kann und der auch mal einen flotten Tanz vorführt, im Kinderbereich eingesetzt wird. Sie beispielsweise zu Operationen begleitet und durch seine Anwesenheit beruhigt. „Wir sehen in ihm in erster Linie einen Informations- und Unterhaltungsträger“, sagt Wohlgemuth.

Doch „Pepper“ ist nicht allein. Dr. Patrick Jahn, Leiter der Stabsstelle für Pflegeforschung am Universitätsklinikum stellt weitere „Mitarbeiter“ und Forschungspartner vor. Da ist zum Beispiel „Paro“, die Robbe.

Sie stößt Laute wie ein kleiner Heuler aus. Öffnet und schließt ihre großen schwarzen Kulleraugen. Sie reagiert, wenn sie gestreichelt wird. Schmiegt sich an. Und wenn sie eine Weile nicht beachtet wird, dann macht sich das kleine weiße Knäuel bemerkbar.

„Paro“ ist ein Emotionsroboter und wird bei älteren Menschen, die an Demenz erkrankt sind, eingesetzt. Das Kuscheln mit der Robbe, deren Fell übrigens antibakteriell ist, entspannt die Patienten und regt sie gleichzeitig an. Es ist quasi eine Tiertherapie in einem Bereich, in dem echte Tiere aus hygienischen Gründen nichts zu suchen haben.

„Dadurch können einschränkende Maßnahmen wie zum Beispiel ein Bettgitter reduziert werden“, sagt Jahn. Übrigens wird die Beschäftigung mit „Paro“ nicht langweilig, weil es keine sich immer wiederholenden Bewegungsmuster gibt. Die Robbe reagiert so, wie es die Situation ergibt. „Das technische Gerät tritt in den Hintergrund“, erklärt der Pflegewissenschaftler.

Eine gute Unterstützung für pflegende Angehörige könnten beispielsweise auch Telepräsenzsysteme sein. Die Technik macht es möglich, dass Angehörige beispielsweise von ihrer Arbeitsstelle aus zu Hause nach dem Rechten schauen können. Was macht der Pflegebedürftige gerade? Ist es eventuell nötig, Hilfe zu leisten?

„Das Gute ist, der Pflegende kann nicht nur einen Punkt einsehen, sondern er kann sich per Mausklick in der Wohnung bewegen“, sagt Jahn.

Roboter-Technik im Medizinbereich ist ausgereift

Die Technik ist weit ausgereift. Doch um sie auch zum Einsatz zu bringen, ist eine ebenso ausgereifte digitale Infrastruktur nötig. Anders ausgedrückt: Es wird ein schnelles Internet und eine große Wlan-Reichweite gebraucht. Das sind Voraussetzungen, die in Sachsen-Anhalt noch nicht überall gegeben sind.

Hinzu kommt der Preis. Ein solches Telepräsenzsystem kostet im Moment etwa 3 000 Euro. Das kann sich nicht jeder leisten. Die Krankenkassen zahlen dafür im Moment noch nicht. Doch Jahn ist zuversichtlich, dass sich das eines Tages ändert. „Und je mehr diese Technik genutzt wird, desto preiswerter wird sie sein“, sagt er.

Zudem setzt er darauf, dass beispielsweise Betriebe, die auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie Wert legen, zunehmend auch pflegebedürftige Angehörige im Blick haben werden. Im Kampf um Fachkräfte könne ein Betrieb, der solche Telepräsenzsysteme vorhält, im Vorteil sein.

Andere Pflege-Roboter können einfache Handreichungen erledigen. Beispielsweise den Pflegebedürftigen oder Kranken Wasser reichen oder ihnen beim Anziehen helfen. Andere wiederum können schwere Sachen transportieren. Es gibt viele Möglichkeiten. Die meisten Entwicklungen, so sagt Jahn, seien aber noch weit vom Einsatz in der Häuslichkeit entfernt.

Die Wissenschaftler und Mediziner der Universitätsklinik verfahren nach dem alten Spruch: Auch der längste Weg beginnt mit dem ersten Schritt. Sie haben schon ein gutes Stück geschafft. Und ihre Forschungsarbeit, die auf den ersten Blick wie eine technische Spielerei anmutet, ist vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklungen wichtiger denn je.

Nicht von ungefähr wird sie von Land und Europäischer Union mit 950 000 Euro gefördert. Die Alterung der Gesellschaft, die in Sachsen-Anhalt besonders spürbar ist, bringt es mit sich, dass die Zahl der pflegebedürftigen und kranken Menschen steigt.

Waren hierzulande 1999 etwa 67 000 Menschen pflegebedürftig, so sind es jetzt bereits knapp 100 000. Fast die Hälfte von ihnen wird allein durch Angehörige versorgt. Und - auch das zeigt die Statistik - die Pflegenden sind in Sachsen-Anhalt älter als im Bundesdurchschnitt.

Technische Assistenzsysteme könnten sie entlasten. Im Umkehrschluss heißt das: Pflegebedürftigen könnte es länger möglich sein, zu Hause in der vertrauten Umgebung zu bleiben.

Roboter in der Medizin: Akzeptanz hat noch Grenzen

Voraussetzung für das alles ist, dass die Technik akzeptiert wird. Jahn wiederholt es fast gebetsmühlenartig: „Roboter wie ,Pepper’ ersetzen weder menschliche Zuwendung noch das Gespräch von Mensch zu Mensch.“

Doch genau das befürchten viele. Sie haben Angst vor einer automatisierten Pflege. Im Moment können sich nur 55 Prozent der Menschen vorstellen, dass solche technischen Assistenzsysteme zum Einsatz kommen. Dabei ist die Zustimmung in der jüngeren Generation etwas größer als in der älteren.

Vielleicht kann ja „Pepper“, der übrigens 20 000 Euro kostet, selbst einen Beitrag zu seiner Akzeptanz leisten. Auf Nachfrage zählt der die Robotergesetze auf. Er sagt: „Roboter sollen den Menschen keinen Schaden zufügen, sondern sie lieben und ihnen dienen.“ (mz)