Meilenstein für die Stadtgeschichte

Relief für altes Rathaus-Portal in Halle ist fertig gestellt

Das nachgebildete Tympanon, ein dreieckiges Relief soll wieder an seinen Platz.

Von Annette Herold-Stolze
Das Typamon ist fertig und soll wie auf dem Foto hinten zu sehen, wieder an seinen alten Platz kommen. Geschaffen hat es Christoph Reichenbach, das Geld kam von Volksbankenstiftung und Volksbank, deren Vorstand Thomas Kaul ist. Uta Wagner arbeitet im Verein Altes Rathaus  mit.
Das Typamon ist fertig und soll wie auf dem Foto hinten zu sehen, wieder an seinen alten Platz kommen. Geschaffen hat es Christoph Reichenbach, das Geld kam von Volksbankenstiftung und Volksbank, deren Vorstand Thomas Kaul ist. Uta Wagner arbeitet im Verein Altes Rathaus mit. Foto: Annette Herold-Stolze

Halle (Saale)/MZ - Bevor es in neuer alter Pracht wieder mitten in Halle steht, wird wohl noch Zeit ins Land gehen. Aber die Bürgerinitiative Rathausseite ist ihrem Ziel, das Barockportal des Alten Rathauses zurück ins Stadtbild zu bringen, ein gutes Stück nähergekommen. Am Freitag präsentierte sie das nachgebildete Tympanon, ein dreieckiges Relief, das seinen Platz oberhalb der Portalfenster finden soll.

Das Barockflügel-Portal des Alten Rathauses in Halle ist fertig gestellt

Ulrich Schröder stand die Freude ins Gesicht geschrieben. Seit Jahren ringen der Vorsitzende der Initiative und seine Mitstreiter um das Portal. In diesem Jahr haben sie bereits einen weiteren Meilenstein gesetzt: Das wiederenstehende Portal steht nun unter Denkmalschutz. Geht es nach dem Verein, soll es an alter Stelle wieder seinen Platz finden, gegenüber dem Textilgeschäft New Yorker am Marktplatz. Die Ehrenamtlichen kalkulieren mit 83.000 Euro Kosten für die Aufstellung.

Hinzu kämen an diesem Ort 155.000 Euro für die Umverlegung von Leitungen - ein Posten, den mancher gern sparen wolle, wie Ulrich Schröder sagte. Doch eine andere Stelle komme für den Verein nicht in Frage, machte er deutlich und blickte in die Zukunft: „Wenn das Portal wieder da ist, weckt das vielleicht den Wunsch, den gesamten Komplex wiederaufzubauen.“ Dazu gehörte dann der in den 50-ern abgerissene Barockflügel. Abgerissen übrigens gegen einen Beschluss des halleschen Stadtrates, wie Schröder berichtete.

Barockflügel-Portal ist nicht das einzige, was der Stadt verloren ging

Zumindest Teile des alten Bauwerks sind erhalten geblieben, vom Portal sind es nach Worten des Vereinschefs 40 Prozent - eingelagert im Burggraben der Moritzburg. Das meiste sei ohne eine fachmännische Aufarbeitung aber nicht wiederzuverwenden. Anderes, wie das Tympanon, ging verloren. Der hallesche Bildhauer Christoph Reichenbach hat es nach historischem Vorbild gestaltet und dabei nicht nur in seinem beruflichen Metier für sich viel Neues gelernt, wie er erzählt.

Das Barockportal sei ja nicht das einzige, das der Stadt verloren ging. Es mache aber deutlich, wie reich die Saalestadt einst gewesen sein müsse. In der Auseinandersetzung mit dem Vorhaben des Vereins habe sich seine Meinung über die Nachbildung historischer Bauten verändert. Zunächst sei er dagegen. „Ich habe gemerkt, dass ich mich geirrt habe“, sagte er. „Sollte das Portal wiederaufgestellt werden, wird es ein Hingucker.“

Das Geld für das Tympanon, knapp 23.000 Euro, kam von der Volksbank Halle (Saale) und der Stiftung der Volksbanken in Norddeutschland. Man habe sich gern beteiligt, sagte Vorstand Thomas Kaul. „Wir freuen uns, das Ehrenamt zu unterstützen, hinter dem viel Zeit und Enthusiasmus stehen. Zudem trägt der Erhalt historischer Bauwerke enorm zur Attraktivität unserer Innenstädte bei.“