Ralf Schmidt alias Falkenberg

Ralf Schmidt alias Falkenberg: «Die Leute hier sprechen meine Sprache»

Halle (Saale)/MZ. - Treffen mit einem Rückkehrer zur Mittagsstunde vor dem Café "Fräulein August" am August-Bebel-Platz: Ralf Schmidt, alias Falkenberg wohnt nach 30 Jahren in Berlin wieder in Halle. MZ-Redakteur Peter Godazgar sprach mit dem "Neu-Hallenser" über dessen alte ...

Treffen mit einem Rückkehrer zur Mittagsstunde vor dem Café "Fräulein August" am August-Bebel-Platz: Ralf Schmidt, alias Falkenberg wohnt nach 30 Jahren in Berlin wieder in Halle. MZ-Redakteur Peter Godazgar sprach mit dem "Neu-Hallenser" über dessen alte Heimatstadt.

Wie sprechen die Leute Sie eigentlich in der Regel an?

Ralf Falkenberg: Ralf Schmidt. Oder nur IC. Egal. Wobei ich jetzt auch offiziell eine Namensänderung anstrebe.

Nämlich?

Falkenberg: Hin zu Ralf Falkenberg. Falkenberg ist der Mädchenname meiner Mutter.

Und origineller als Schmidt.

Falkenberg: Ach, ich finde, es ist einfach Zeit dafür. Den Künstlernamen gibt es ja auch schon 20 Jahre. Außerdem bin ich Romantiker. Meiner Mutter hab ich sehr viel zu verdanken.

Denken eigentlich manche, IC steht für das Schienenfahrzeug?

Falkenberg (lacht): Nee, höchstens ein paar Uninformierte aus dem Westen. Wobei: Als die Bundesbahn damals die ICs eingeführt hatte, hab ich ehrlich gedacht: Ach, du Scheiße. Aber ich konnte nichts machen, mein Künstlername war ja längst da. IC kommt von dem, was mich damals interessierte, die elektronische Musik: Integrated circuit, also der Computerchip. Aber das ist eben lange her. Insofern passt der Name auch gar nicht mehr. Einfach Falkenberg, das trifft besser, was ich heute mache.

Sie leben seit März wieder in Halle. Warum?

Falkenberg: Den Plan, aus Berlin wegzugehen, hatte ich schon länger. Mein Lebenskonzept heißt: Freiheit durch Veränderung. Ich bin in der glücklichen Lage, wohnen zu können, wo ich will, und ich wäre dumm, wenn ich das nicht leben würde. Die erste Idee war, nach Hamburg zu ziehen, weil ich den Norden liebe und das Meer, aber Hamburg wäre eigentlich kein richtiger Schnitt gewesen. Und dann hatte ich letztes Jahr zu meinem 50. Geburtstag ein Konzert im Neuen Theater gegeben und auf einmal dachte ich: Mensch, das wär's doch eigentlich.

Und warum treffen wir uns im Café "Fräulein August"?

Falkenberg: Ich wohne gleich um die Ecke und das ist das erste Café, das ich für mich entdeckt habe als Neu-Hallenser. Die Leute hier sind sehr entspannt. Das ist nicht so ein reiner Dienstleistungsladen. Außerdem läuft immer gute Mucke.

Sie hatten als Zehnjähriger die Aufnahmeprüfung zum Stadtsingechor bestanden. Ging die Initiative dazu von Ihren Eltern aus?

Falkenberg: Überhaupt nicht. Meine Eltern waren Arbeiter. Aber bei uns im Haus wohnte ein Bäcker, der nachmittags schlafen wollte. Wir wohnten im obersten Stock, und immer, wenn ich nach Hause kam, hab ich im Treppenhaus gesungen. Der Bäcker ist irgendwann zu meiner Mutter und hat gesagt: Klingt ja schön, aber es nervt auch ein bisschen. Dann gab es eine Annonce, mit der der Chor neue Knaben suchte. Ich bin zum Casting - und die haben mich genommen.

Das haben die Eltern dann aber unterstützt?

Falkenberg: Ja, meine Mutter hat mich sehr gefördert. Ich bekam sogar ein Klavier.

Sie sangen auch Kinderrollen an der Oper.

Falkenberg: Mein erstes Geld auf der Bühne verdiente ich als Zehnjähriger.

Ihre musikalische Bandbreite ist sehr groß - von Klassik bis zu elektronischer Musik, von Folkrock bis zu Kompositionen fürs Theater.

Falkenberg: Mir ist das Genre egal. Wenn Musik mich berührt, dann ist sie gut. Bestandteil eines Chors zu sein zum Beispiel, das berührte mich damals unheimlich. Das gab es grandiose Momente.

Musik als Möglichkeit, frei zu sein?

Falkenberg: Ich hab schon als Kind gemerkt, dass ich mit Autoritäten nicht umgehen kann. Mir war schnell klar: Ich muss etwas finden, das mich von autoritären Strukturen fernhält.

Das Einzige, was da nicht reinpasst, ist die Schlosserlehre.

Falkenberg: Mein Vater meinte, ich müsse einen richtigen Beruf lernen. War ja auch eine lehrreiche Zeit. Ich habe allergrößte Hochachtung vor Leuten, die handwerklich tätig sind.

Der entscheidende Karrieresprung kam 1983 mit dem Wechsel zu Stern Meißen, die bereits eine große Nummer waren.

Falkenberg: Kurioserweise gab's die vorher in meinem musikalischen Universum nicht. Das war gar nicht mein Ding. Aber am Rande einer "Werkstattwoche der Jugendtanzmusik" .

Werkstattwoche der Jugendtanzmusik!?

Falkenberg: Ja, das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen, was? Da trafen sich verschiedene Bands aus der DDR. Und nach einem Auftritt mit meiner damaligen Band "Joker" steckte mir einer von Stern Meißen eine Karte zu und meinte, ich solle mal anrufen. Die suchten gerade einen neuen Sänger und hatten sich auch musikalisch völlig neu orientiert. Ich sang in Berlin vor und etwas später hieß es: Du bist dabei. Da war ich 22.

Und Sie gingen nach Berlin. Wie empfinden Sie nun die Rückkehr?

Falkenberg: Ich glaube, ich bin noch gar nicht richtig angekommen. Ich bin derzeit viel unterwegs mit dem aktuellen Album. Aber meine Eindrücke sind ausschließlich positiv. Ich merke: Die Leute hier sprechen meine Sprache.

Die manchmal ein bisschen ruppig sein kann.

Falkenberg: Ach, sehen Sie: Halle ist so oft verarscht worden. Die Stalinisten haben alles zerfallen lassen. Und es gab immer wieder kleine oder größere Stiche. Halle ist eben nicht Landeshauptstadt geworden. Darum wirken die Hallenser vielleicht manchmal so grummelig. Aber im Inneren sind sie stolz. Hier wird ein Lächeln nicht einfach verschenkt. Du musst schon was dafür tun. Aber wenn du die Arme ein bisschen aufmachst, kriegst du auch was zurück. Und das für mich wirklich Bezaubernde an Halle ist: Die Stadt ist extrem entschleunigt.

Das könnte man auch negativ finden.

Falkenberg: Ist es aber nicht. Du kannst dich viel besser fokussieren. Ich empfinde das im Moment als sehr, sehr angenehm. Das beeinflusst mich positiv. Ich arbeite hier ganz anders als in Berlin.

Schließt sich da ein Kreis?

Falkenberg: Definitiv. Auch musikalisch bin ich wieder da, wo ich angefangen habe: Ein Typ, der rumfährt und Geschichten erzählt. Mit einer Gitarre und einem Klavier. Ich fühle mich frei.

Es soll sogar schon ein Halle-Lied entstanden sein.

Falkenberg: Ja. Aber das ist erst beim Geburtstagskonzert zu hören.

Ein Geschenk an die Stadt.

Falkenberg: Ich hatte nicht vor, ein Halle-Lied zu schreiben. Aber es ist nun mal so: Das, was dich inspiriert, darüber schreibst du.

Bisherige Gesprächspartner waren Gabriele Bernsdorf, Reinhard Straube, Ingrid Häußler und Milton Stubbs.