Hallo Halle!

Praktikant aus Hamburg über Wasserschäden und „dreckige Küchen“ in Halle

Von Jay Becker
Halle aus der Luft
Halle aus der Luft (Foto: imago images/Steffen Schellhorn)

Halle (Saale) - Fangen wir doch erstmal von vorne an. Ich bin Jay Becker aus Hamburg und mache diesen Monat ein Praktikum bei der MZ. Meine erste Woche in Halle kann man durchaus als erlebnisreich bezeichnen. Im Vorfeld meines Praktikums hatte ich mir per Airbnb ein Zimmer in der Altstadt gemietet. In der Wohnung hoffte ich, einen angenehmen Monat zu verbringen. Eine Woche vor meiner Anreise erzählte meine Vermieterin mir, dass vor meinem Zimmer ein „kleines“ Loch im Boden sei? Geschenkt. Ein Wasserschaden kann in jeder Wohnung mal auftreten. Auch das Bad, was ich alleine hätte nutzen können, sei dadurch außer Betrieb. Das war jetzt schon ein Punkt, der mich etwas nervte. Aber auch das würde ich locker überstehen. Dachte ich zumindest. Ach ja, bei meiner Anreise wäre sie jedoch nicht vor Ort, sie müsse nämlich kurzfristig verreisen. Aber ihr Sohn würde mich reinlassen.

Der erste Eindruck

Als ich dann das erste Mal die Wohnung betrat, traf mich jedoch der Schlag. So unordentlich sah es auf den Bildern nicht aus. Und das „Loch“ vor meinem Zimmer ähnelte eher einem Todestal für meinen Knöchel. Da ich allerdings vom Sohn durch die Wohnung seiner Mutter geführt wurde, musste ich mein Entsetzen so gut es ging verbergen. Glücklicherweise teilte der Airbnb- Kundenservice jedoch meine Auffassung. Nach nur einer Nacht konnte ich die Wohnung also schon wieder verlassen. Für mich war das Thema damit abgeschlossen. Das ging aber anscheinend nur mir so.

Am nächsten Nachmittag bekam ich folgende Whatsappnachricht: „Richtig widerwärtig, was es für Menschen gibt, ne. Überrascht mich immer wieder. So ekelhaft hintenrum, das ist auch im Westen so ein ganz schlimmes Problem, dass die da einfach nicht ihr Maul auf bekommen.“ Der Absender? Der Sohn meiner ehemaligen Vermieterin. War die wirklich für mich bestimmt? „Ne, das sollte an einen Kumpel gehen. Aber die Wahrheit ist es ja trotzdem.“ Ich bin fünf Jahre nach der Wiedervereinigung geboren worden. Ob jemand aus dem Osten oder Westen kommt, ist mir wirklich egal. Aber das hat mich schon überrascht. Besonders von jemanden, der jünger ist als ich.

Doch es ging noch weiter

Meine Airbnb-Odyssee ging übrigens noch weiter. Die nächste Unterkunft hatte auch einen Haken. Nachdem meine Buchung angenommen wurde, schrieb mir der Vermieter, dass ich nicht in die angebotene Wohnung könnte. Der Grund? Dort würde gerade ein Covid-19-Patient wohnen und sich auskurieren. Ich könnte aber in ein anderes Zimmer. Aber auch das hätte einen Haken: Anscheinend könnten das Bad und die Küche etwas dreckiger sein, da (Zitat des Vermieters) „ein Araber in der Wohnung“ leben würde. Nun habe ich seit letzter Woche eine unglaublich angenehme Unterkunft. Seitdem lerne ich Halle jeden Tag etwas besser kennen und vor allem schätzen. Aber meine erste Woche hätte gerne ruhiger verlaufen können. (mz)