Polizeischüler stirbt bei Einbruch

Polizeischüler stirbt bei Einbruch: Polizei-Fachhochschule äußert sich zum Fall

Halle (Saale) - Nach dem tödlichen Sturz eines Polizeischülers aus einem Mehrfamilienhaus in Halle hat die Staatsanwaltschaft eine rechtsmedizinische Untersuchung des Leichnams angeordnet.

Von Jan Schumann und Dirk Skrzypczak 30.04.2018, 11:30

Nach dem tödlichen Sturz eines Polizeischülers aus einem Mehrfamilienhaus in Halle hat die Staatsanwaltschaft eine rechtsmedizinische Untersuchung des Leichnams angeordnet. Das teilte die Polizeidirektion Süd am Montag mit. Der 24-jährige Hallenser war am Sonntag gegen 6 Uhr in ein Gebäude in der Reilstraße in der Nähe des Bergzoos eingebrochen.

Nach MZ-Informationen war der 24-Jährige am Samstagabend und in der Nacht zum Sonntag mit mehreren Personen im Stadtgebiet unterwegs und war nach der Tour offenbar auf dem Weg nach Hause, als er - aus unklaren Gründen - in das Haus einbrach.

Nach MZ-Informationen wollte der Polizeischüler einen Laptop stehlen

Nach MZ-Informationen wollte er einen Laptop stehlen. Er begegnete zwei Personen, die ihn ansprachen und festzuhalten versuchten, so die Polizei. Der Einbrecher flüchtete daraufhin in den Hausflur und weiter in das zweite Obergeschoss des Gebäudes. Hier drang er in eine andere Wohnung ein und kam von dort auf die Dachterrasse.

Möglicherweise wollte er seine Flucht fortsetzen und stürzte dabei aus einer Höhe von zwölf Metern in die Tiefe. Mitarbeiter eines Rettungsdienstes versuchten, den jungen Mann zu reanimieren. Allerdings war er bereits tot.

24-Jähriger absolvierte seit 2016 eine Ausbildung zum Polizeimeister

Der 24-Jährige absolvierte seit 2016 eine Ausbildung zum Polizeimeister an der Fachhochschule der Polizei in Aschersleben.

Auch aufgrund vieler offener Fragen wird der Tod ein Fall für die Politik. „Das ist eine Riesentragödie“, sagte der hallesche Innenpolitiker Sebastian Striegel (Grüne) am Montag, „für die Familie, aber auch für die Betroffenen in dem Wohnhaus.“ Es gebe viele Fragen, die schnell zu klären seien: „Etwa: Was macht ein junger Polizist zu dieser Zeit in diesem Haus? Gibt es dort eine persönliche Verbindung?“

Die Linken-Innenpolitikerin Henriette Quade aus Halle sagte, sie erwarte am Donnerstag im Innenausschuss des Landtags detaillierte Auskunft aus dem Innenministerium. Unklar ist bislang auch, ob der junge Polizist ganz gezielt Diebstahl in einer der Wohnungen begehen wollte.

Erneut ist damit die Polizei-Fachhochschule im Fokus

Erneut ist damit die Polizei-Fachhochschule im Fokus. Sie war erst Anfang April in die Schlagzeilen geraten, weil es wegen des Verdachts auf Drogendelikte Durchsuchungen bei Polizeischülern gegeben hatte. „Es ist bedauerlich, dass sich die Fälle so häufen“, sagte Uwe Petermann, Landeschef der Gewerkschaft der Polizei.

„Offensichtlich haben wir Polizisten im System, die nicht dem Anforderungsprofil entsprechen.“ In den vergangenen Jahren hatte das Innenministerium die Zahl der Anwärter kontinuierlich gesteigert: 2017 hatten erstmals 700 Polizeischüler ihre Ausbildung begonnen.

Die Fachhochschule trifft der Fall schwer. Ein Sprecher sagte, der Ausbildungsjahrgang des Verstorbenen werde ab Mittwoch von einem professionellen Kriseninterventionsteam betreut. In einer Mitteilung hieß es am Montag: „Die Fachhochschulleitung und die Mitarbeiterschaft der Fachhochschule Polizei nehmen jegliches strafrechtlich relevantes Fehlverhalten sehr ernst und begegnet diesem mit einer Null-Toleranz.“

Regelmäßig werde dies den Polizeischülern in der Ausbildung vermittelt. Disziplinarmaßnahmen habe es gegen den gestorbenen Anwärter bisher nicht gegeben. Der Hochschule liegen demnach auch keine Kenntnisse vor, nach denen der 24-Jährige in Verbindung mit den jüngsten Drogendelikten stand. Ein Sprecher verwies in dieser Frage auf die derzeit ermittelnde Polizei und die Staatsanwaltschaft. Deren Untersuchungen stehen allerdings am Anfang.  (mz)