Nahverkehr in Halle

Nahverkehr in Halle: Das Ende der alten Tatrabahn

Halle (Saale) - Vor genau 50 Jahren fuhr der erste Straßenbahntriebwagen, der viele Jahre das Stadtbild bestimmte. Ab Mai werden die restlichen Wagen verschrottet.

Von Silvia Zöller 26.02.2019, 05:00

Jetzt steht es fest: Ab Mai werden keine Tatra-Bahnen mehr durch Halle fahren. Wenn die Bauarbeiten in der Großen Steinstraße beendet sind und die für den Baustellenfahrplan benötigten neun Tatra-Fahrzeuge überflüssig werden, ist die 50-jährige Tradition in Halle Geschichte. „Käufer gibt es für diese rund 40 Jahre alten Wagen nicht mehr. Sie werden verschrottet“, sagt der Vorstand der Halleschen Verkehrsbetriebe, Vinzenz Schwarz, der MZ.

Abnehmer gibt es für die alten Bahnen nicht mehr. Hatten Staaten im Ostblock in früheren Jahren noch Interesse an den alten Bahnen mit Einstieg über Treppenstufen, gibt es auch dort keine Abnehmer mehr. In den Vorjahren seien etwa noch einige Tatra-Wagen nach Bulgarien verkauft worden. „Sie wurden bezahlt, aber nicht abgeholt“, so Schwarz. Aus diesem Grund war auch hier die Schrottpresse gefragt.

Straßenbahn in Halle: Sang- und klanglos soll der Abschied der Triebwagen nicht vonstatten gehen

Doch sang- und klanglos soll der Abschied der Triebwagen, die vom tschechischen Hersteller „ČKD Tatra“ stammten, aus dem Stadtbild von Halle nicht vonstatten gehen. „Wir wollen noch in diesem Jahr einen Straßenbahnkorso durchführen, um damit auch das Jubiläum 50 Jahre Tatra in Halle zu feiern“, sagt der Havag-Vorstand. Ein Termin, möglicherweise im Mai, werde derzeit gesucht. Auf alle Fälle soll der Korso an einem Samstag oder Sonntag stattfinden und bundesweit beworben werden, um Freunden historischer Straßenbahnen aus ganz Deutschland eine Abschlussfahrt in den alten Wagen zu ermöglichen.

50 Jahre prägten die Tatra-Straßenbahnen das hallesche Stadtbild, im Mai sollen nun die Bahnen zum letzten Mal in Halle unterwegs sein. Zum Ende der Tatra-Ära möchte der Saalekurier noch einmal an die Tatra-Bahnen erinnern. Schicken Sie uns Ihre Erinnerungen, egal ob Text oder Bild an die E-Mail-Adresse: saalekurier@dumont.de. Wir freuen uns auf Ihre Zuschriften.

Dabei sein soll wohl auch ein Tatra-Wagen in der originalen cremefarbenen Lackierung aus den 1970er Jahren, das derzeit in dem Depot der Halleschen Eisenbahnfreunde in der Seebener Straße steht. Die Idee zu einem solchen Korso stammt übrigens aus dem Jahr 2016, wo 125 Jahre Straßenbahn in Halle gefeiert wurde. Auch damals gab es eine solche Veranstaltung.

Straßenbahn in Halle: Ab den 1990er Jahren wurden die Tatra-Wagen sukzessive gegen die neuen Niederflurwagen ausgetauscht

Ab den 1990er Jahren wurden die Tatra-Wagen sukzessive gegen die neuen Niederflurwagen ausgetauscht, von der heute bei der Havag 120 Fahrzeuge im Einsatz sind. Nach der Wende hatte das Verkehrsunternehmen zunächst auf Modernisierung der Tatrazüge gesetzt und rund 125 Millionen Euro investiert. Mit der Einführung der Niederflurwagen kam dann ab Mitte der 1990er Jahre das Aus für die alten Tatras, bei denen sich eine Modernisierung nicht mehr lohnte.

Dabei war es gerade der technische Fortschritt, mit denen die Bahnen ab 1969 in Halle begeisterten: Durch seine für damalige Zeit moderne Steuerungsanlagen war es erstmals möglich, wirkliche Massentransportfahrzeuge einzusetzen, denn zwei Triebwagen und ein Beiwagen konnten miteinander verbunden werden, so dass mehr als 300 Passagiere befördert werden konnten. Tatra-bahnen fuhren in vielen ostdeutschen Städten von Rostock bis Görlitz sowie auch im tschechischen Prag oder in Bratislava (Slowakei). (mz)