Nach Vorfällen in Heide-Nord

Nach Vorfällen in Heide-Nord in Halle: Eltern haben Angst um ihre Kinder

Halle (Saale) - Es sind nur wenige Kinder, die alleine zur Heidegrundschule im Stadtteil Heide-Nord laufen. Die meisten Mädchen und Jungen werden von ihren Eltern gebracht. Vor dem Schulgebäude bleiben die Väter und Mütter stehen. Sie warten, bis die Kinder sicher im Gebäude sind. „Ich traue mich nicht, meine Tochter alleine zur Schule zu lassen. Man hört und liest viele schlimme Dinge, die Kindern passieren“, sagt eine Frau - andere Eltern ...

Von Dirk Skrzypczak 14.06.2019, 04:00

Es sind nur wenige Kinder, die alleine zur Heidegrundschule im Stadtteil Heide-Nord laufen. Die meisten Mädchen und Jungen werden von ihren Eltern gebracht. Vor dem Schulgebäude bleiben die Väter und Mütter stehen. Sie warten, bis die Kinder sicher im Gebäude sind. „Ich traue mich nicht, meine Tochter alleine zur Schule zu lassen. Man hört und liest viele schlimme Dinge, die Kindern passieren“, sagt eine Frau - andere Eltern nicken.

Angst und Verunsicherung sind seit einer Woche groß. Am 5. Juni soll ein Unbekannter nach Schulschluss im Reusenweg einem Neunjährigen Schokolade angeboten und den Schüler festgehalten haben. Kurze Zeit später hatte sich laut Polizei im Zanderweg ein ähnlicher Vorfall ereignet.

Heidegrundschule in Halle: Zwei Fälle, ein Täter?

„Ob es sich um ein und dieselbe Person handelt, ist Gegenstand der Ermittlungen“, sagt Polizeisprecher Thomas Müller. Gegen 12.50 Uhr hatte der männliche Täter, von dem es eine sehr detaillierte Beschreibung gibt, das Kind im Reusenweg belästigt. Der Junge habe richtig gehandelt und laut um Hilfe gerufen, so die Polizei. Ein Bauarbeiter, der durch die Schreie auf das Geschehen aufmerksam wurde, kam dem Drittklässler zur Hilfe.

Daraufhin soll der Täter den Schüler losgelassen haben. Er flüchtete mit einem Auto. Gegen 13.50 Uhr spielte sich im Zanderweg ein vergleichbares Szenario ab. Auch hier kam das betroffene Kind mit dem Schrecken davon. Und erneut soll der Täter mit einem Fahrzeug die Flucht ergriffen haben. „Beim zweiten Fall haben wir nur die Aussage eines Zeugen. Die Familie des Kindes hat sich noch nicht gemeldet“, so Müller.

Eltern: „Die Schule reagiert vorbildlich. Allerdings vermissen wir die Präsenz der Polizei.“

Unterdessen kritisieren Eltern die Polizei. „Die Schule reagiert vorbildlich. Allerdings vermissen wir die Präsenz der Polizei. Sie ist nur sporadisch da“, sagt ein Vater. Müller widerspricht. „Wir sind zu Schwerpunktzeiten vor Ort, auch mit Beamten in Zivil.“ In Heide Nord wurden zudem Info-Blätter der Polizei in zahlreiche Briefkästen gesteckt. Darin gibt sie Tipps, wie sich Kinder in Notlagen verhalten sollten.

Nach Angaben des betroffenen Schülers wird der Täter wie folgt beschrieben: schlank, 1,70 bis 1,80 Meter groß, deutsch, blonde Haare, an den Seiten ausrasiert und rot gefärbt, Nasenpiercing. Am linken Oberarm soll die Person einen Stierkopf als Tattoo tragen. Er war mit einer schwarzen Lederjacke mit silberfarbenen Zacken, hellblauen Jeans (linkes Knie aufgerissen) und roten Schuhen der Marke Nike unterwegs. Die Polizei bittet unter der Telefonnummer 0345/2242000 um Hinweise, die zur Aufklärung führen können.

Die Schulleitung selbst will sich nicht öffentlich äußern und verweist an das Landesschulamt. „Die Lehrer und Mitarbeiter haben mit den Schülern kindgerecht über die Erlebnisse gesprochen. Die Kinder wurden eindringlich belehrt, dass sie Kontakte mit Fremden auf dem Schulweg vermeiden sollen, achtsam sein müssen und niemals Fremden vertrauen dürfen“, erklärt eine Sprecherin des Landesschulamts gegenüber der MZ.

Die Schulleiterin habe die Eltern schriftlich informiert. Das Landesschulamt habe der Heideschule die Hilfe von Schulpsychologen angeboten. Diese Unterstützung sei derzeit aber nicht erforderlich. Unterdessen rät die Polizei, dass Erst- bis Viertklässler Schulweggemeinschaften bilden sollten, wenn Eltern ihre Kinder nicht selbst zum Unterricht bringen können. (mz)