Müll und Lärm

Müll und Lärm in Halle (Saale): Abstieg eines halleschen Viertels?

Halle (Saale) - Anwohner der Schlosserstraße ärgern sich über Müll und Lärm und haben Behörden eingeschaltet.

Von Oliver Müller-Lorey 07.06.2017, 06:23

Die Gegend rund um die Schlosserstraße in Halles Süden entwickelt sich immer mehr zum Problemviertel. Auf den Wegen liegen Verpackungen und Lebensmittelreste. Teile des zusammenhängenden Häuserkomplexes zwischen Schlosser- und Schmiedstraße machen einen ungepflegten Eindruck. Türen sind gesplittert, viele stehen dauerhaft offen. Aus Fenstern dringen laute Musik und Geschrei.

Im Innenhof des Komplexes stapelt sich Sperrmüll. Unter anderem liegen Matratzen, Sofas und Kühlschränke in den Gärten. Anwohner und die Besitzer umliegender Geschäfte machen Roma-Familien, die seit mehr als einem halben Jahr in der Schlosserstraße leben sollen, für den Abstieg des Viertels verantwortlich.

Erfassung nach Volksgruppen-Zugehörigkeiten und Nationalitäten erfolgt nicht

Dass sie tatsächlich Verursacher der Probleme sind, will Tobias Teschner, Leiter des Fachbereichs Sicherheit jedoch nicht bestätigen. „Eine Erfassung nach Volksgruppen-Zugehörigkeiten und Nationalitäten erfolgt nicht“, sagt er. Trotzdem ist die Stadt offenbar alarmiert. „Seit Anfang März 2017 gingen mehrere Beschwerden von Anwohnern bei der Stadt ein. Daraufhin wurde die Präsenz der Ordnungskräfte in Abstimmung mit der Polizei verstärkt. Es wurden Kontrollen durchgeführt und Ordnungswidrigkeiten festgestellt, geahndet und dokumentiert“, so Teschner.

Nach MZ-Informationen soll es am Mittwoch ein Gespräch zwischen deutschen Anwohnern und der Stadtverwaltung geben. „Zentraler Ansprechpartner ist der Leiter des Fachbereiches Sicherheit, Herr Teschner. Dieser hat über den aktuellen Sachstand informiert und steht für weitere Fragen der Anwohner zur Verfügung“, sagt dazu Stadtsprecher Drago Bock.

Polizei in Halle: Wir haben von den Anwohnerbeschwerden Kenntnis

Die Polizei reagiert indes ähnlich wie die Stadt. „Wir haben von den Anwohnerbeschwerden ebenfalls Kenntnis und nehmen diese auch ernst“, sagt Polizei-Sprecherin Lisa Wirth. Laut Polizei wurden im vergangenen Jahr 124 Straftaten im Bereich der Schlosserstraße registriert, nur in zwei Fällen habe es sich bei Verdächtigen um Rumänen gehandelt.

Im aktuellen Jahr stammten fünf der 13 Tatverdächtigen aus Rumänien. Damit liege die Entwicklung des Strafaufkommens im Jahr 2017 bis dato etwas unter dem Trend der vergangenen beiden Halbjahre, so Wirth. „Weder in Bezug auf die Zahl der angezeigten Straftaten noch bei der Betrachtung der Deliktgruppen ist ein signifikanter Anstieg der Fallzahlen zu erkennen.“

Verstärkte Polizeistreife im Bereich Schlosserstraße

Trotzdem würden im Bereich rund um die Schlosserstraße nun verstärkt Polizisten Streife laufen - uniformiert und zivil. „Bislang konnten im Rahmen der Bestreifungen jedoch noch keine strafrechtlich relevanten Feststellungen getroffen werden, die über die bisher eigenständig angezeigten Straftaten hinausgehen“, so Wirth.

Wie geht es nun weiter in der Schlosserstraße? Die zählte noch nie zu den vornehmsten Orten in Halle. Auch Ex-Häftlinge und Punks sollen dort früher gewohnt haben, erzählen Anwohner. Aber so viele Probleme wie jetzt habe es noch nie gegeben. Die Kommunikation mit den Roma gestaltet sich dagegen äußerst schwierig. Bei einem Vor-Ort-Besuch der MZ gab nur ein Mädchen einer auf der Straßen stehenden mutmaßlichen Roma-Familie an, Deutsch zu sprechen. Es gebe keine Probleme, sagte sie. Sie wisse nicht, woher der Müll komme. Nach kurzer Zeit zeigte die Gruppe, dass sie an einem Gespräch mit der Presse nicht interessiert ist. (mz)