Nach Morddrohungen in Halle

Morddrohungen in Halle (Saale): Sohn von SPD-Vize Ralf Stegner ist unbeeindruckt

Halle (Saale) - Von den Morddrohungen will sich der hallesche Student und Sohn des SPD-Vize nicht unterkriegen lassen. Was die Polizei zu politisch motivierten Straftaten sagt.

Von Oliver Müller-Lorey und Dirk Skrzypczak 08.03.2017, 06:00
SPD-Vize Ralf Stegner
SPD-Vize Ralf Stegner dpa

Am Dienstag meldet sich Fabian Stegner telefonisch bei der MZ. Und er klingt kämpferisch: „Ich werde weiter in Halle studieren, mir das Leben nicht madig machen lassen und auch in die Kneipe gehen“, sagt er. Am Tag zuvor war bekannt geworden, dass der Sohn des stellvertretenden SPD-Bundesvorsitzenden Ralf Stegner Morddrohungen über das Internet erhält.

Vermutlich gibt es einen Zusammenhang mit dem politischen Auftreten der beiden Stegners, die sich entschieden gegen rechtes Gedankengut positionieren. Noch am Montagabend hatte Ralf Stegner Strafanzeige erstattet.

Fabian Stegner nach Morddrohungen in Halle: Ich finde es richtig, dass Anzeige erstattet wurde

Der 25-Jährige begrüßt diesen Schritt. „Ich finde es richtig, dass Anzeige erstattet wurde, weil es wirklich um ganz konkrete Drohungen geht. Aber ich bin mir nicht sicher, ob dabei etwas herauskommt“, sagt er. Täter aus dem Internet zu identifizieren, sei immer schwierig.

Von der breiten öffentlichen Wahrnehmung in Berlin, Halle und seiner Heimat Schleswig-Holstein ist Stegner nach eigener Aussage überrascht. Er habe am Montagnachmittag durch eine Pressemeldung im Internet von den Drohungen erfahren und sei über die umfangreiche Berichterstattung in der MZ und einer Zeitung in Kiel verwundert. Unter anderem hatte sich SPD-Generalsekretärin Katarina Barley zu Wort gemeldet und die Drohungen auf einer eigens anberaumten Pressekonferenz in Berlin als „abstoßend und widerlich“ bezeichnet.

Nach Morddrohungen in Halle: Im Moment befindet sich Fabian Stegner zu Besuch bei seinen Eltern in Schleswig-Holstein

Im Moment befindet sich Stegner zu Besuch bei seinen Eltern in Schleswig-Holstein - ein lang geplanter Urlaub und kein Untertauchen, wie er betont. „Mal schauen, was ist, wenn ich wieder in Halle bin. Aber ich denke, die Aufregung könnte sich dann auch gelegt haben“, so der Student.

Er vermutet, dass die Hetze gegen ihn auf einen etwa eine Woche alten Bericht auf einer rechtsextremen Internetseite zurückgeht. „Dort wird in einer Art großem Outing versucht, mich als Rädelsführer der Linken in Halle darzustellen. Natürlich mache ich bei friedlichen Demonstrationen mit, aber der Versuch, mich zum Anführer zu stilisieren und gar mit Gewalt in Verbindung zu bringen, ist natürlich Quatsch.“

Nach Morddrohungen in Halle: Fabian Stegner will sich weiterhin im Kampf gegen Rechts engagieren

Stegner will sich weiterhin im Kampf gegen Rechts engagieren. „Ich sitze nicht den ganzen Tag zu Hause und weine.“ Wenn er sich nun zurückziehen würde, hätten die Täter doch ihr Ziel erreicht, argumentiert der Lehramtsstudent. Spurlos sind die verbalen Angriffe allerdings nicht an ihm vorbeigegangen. „Klar guckst du dich jetzt um“, sagt er.

Nach Angaben des Landeskriminalamts (LKA) Sachsen-Anhalt haben im vergangenen Jahr politisch motivierte Straftaten gegen Amtsträger und Parteien im Vergleich zu 2015 nicht zugenommen. Konkrete Drohungen wie im Fall Stegner habe es nur wenige gegeben. „Die öffentliche Wahrnehmung ist eine andere, als es die Zahlen belegen“, sagt LKA-Sprecher Andreas von Koß. Demnach wurden zumeist Angriffe auf Parteizentralen und Wahlkreisbüros verübt, die meisten demnach auf Domizile der AfD und der Linken.

Politisch motivierte Straftaten: Polizei liegen Anzeigen wegen Beleidigung, Propaganda-Delikte oder gezielte Sachbeschädigungen auf das Eigentum von Amtsträgern vor

Ansonsten liegen der Polizei Anzeigen wegen Beleidigung, Propaganda-Delikte oder gezielte Sachbeschädigungen auf das Eigentum von Amtsträgern vor. Gezielte Angriffe auf einzelne Politiker, sei es verbal oder durch Attacken auf Gebäude etwa, hätten mit Blick auf 2015 um 15 bis 20 Prozent abgenommen.

„Allerdings kann sich die Polizei nur mit diesen Straftaten beschäftigen, wenn sie auch bekannt werden“, so von Koß. Gerade das Internet sei voll mit Beleidigungen. „Da den Überblick zu behalten, ist unmöglich.“ (mz)