Mitbestimmung bei Geburten

Mitbestimmung bei Geburten: Hebammen leiten ab Juli den Kreißsaal in Halle

Halle (Saale) - Ein neues Modell der selbstbestimmten Geburt wird ab Juli am Standort St. Elisabeth des Krankenhauses St. Barbara und St. Elisabeth Einzug halten: der hebammengeleitete Kreißsaal. Das Land Sachsen-Anhalt stellt über einen Zeitraum von drei Jahren für das Projekt insgesamt 480.000 Euro zur ...

Von Katja Pausch 20.05.2019, 08:30

Ein neues Modell der selbstbestimmten Geburt wird ab Juli am Standort St. Elisabeth des Krankenhauses St. Barbara und St. Elisabeth Einzug halten: der hebammengeleitete Kreißsaal. Das Land Sachsen-Anhalt stellt über einen Zeitraum von drei Jahren für das Projekt insgesamt 480.000 Euro zur Verfügung.

Wunsch nach natürlichen Geburtserlebnis

Hintergrund des neuen Konzeptes: 98 Prozent aller Babys werden in Deutschland im Krankenhaus unter überwiegend ärztlicher Betreuung geboren. Schwangerschaftsbetreuung und Geburt sind heute geprägt von einer Geburtsmedizin, die vorwiegend auf den Ausschluss und die Beherrschung von Risiken ausgerichtet ist. Viele Frauen wünschen sich jedoch für ein natürliches Geburtserlebnis beides: eine gesicherte Betreuung in einer Klinik und die individuelle Gestaltung und Betreuung der Geburt durch eine Hebamme.

Die Geburtshilfe im Krankenhaus St. Elisabeth und St. Barbara unter Leitung von Chefarzt Sven Seeger und Pflegebereichsleitung Yvonne Fehse wird daher nun um das Modell des hebammengeleiteten Kreißsaals ergänzt. In Deutschland bieten bereits 18 Krankenhäuser die hebammengeleitete Geburt als zusätzliches Betreuungskonzept an, laut Deutschem Hebammenverband allerdings bislang noch keines in den neuen Bundesländern.

Geburtshilfe: Hebammen leiten ab Juli den Kreißsaal in Halle

Kathrin Eichhorn, Leitende Hebamme im Krankenhaus St. Elisabeth und St. Barbara: „Der Hebammenkreißsaal ist ein geburtshilfliches Betreuungsmodell, in dem Hebammen gesunde Frauen innerhalb eines Krankenhauses durch die Geburt und das Wochenbett begleiten“. Die Hebammen würden eigenverantwortlich und selbstständig arbeiten. Das Modell stelle eine Erweiterung des geburtshilflichen Angebotes der Klinik dar, ersetze aber nicht den ärztlich geleiteten Kreißsaal. „Beide Abteilungen arbeiten eng zusammen, um bei auftretenden Komplikationen gemeinsam handeln zu können“, so Eichhorn.

Bei einem Besuch im Krankenhaus St. Elisabeth und St. Barbara übergab Petra Grimm-Benne, Ministerin für Arbeit, Soziales und Integration, am Freitag den Zuwendungsbescheid. „Die Arbeitsverhältnisse von Hebammen sollen verbessert und durch bessere Betreuung die Qualität der Geburtshilfe gesichert werden“, so Grimm-Benne zur Aufwertung des Berufsstandes. Zudem sollen nach Aussage der Sozialministerin mit dem hebammengeleiteten Kreißsaal die natürliche Geburt gestärkt und die gestiegenen Kaiserschnittzahlen gesenkt werden. (mz)