Feinstaub-Problem

Luftverschmutzung in Halle: Wie wird die Paracelsusstraße sauberer?

Halle (Saale) - In der Paracelsusstraße in Halle überschreitet der Feinstaubwert so oft eine kritische Grenze, wie nirgends sonst im Land.

Von Julia Rau 08.02.2017, 06:45

Keine andere Straße in Sachsen-Anhalt ist mehr mit Feinstaub belastet als die Paracelsusstraße in Halle. Überhaupt ist in ganz Deutschland die Luft an nur einer Straße häufiger dick: am Neckartor in Stuttgart.

Feinstaub im Paulusviertel: Messwerte besonders hoch

Im vergangenen Jahr wurden in der Paracelsusstraße satte 26 Mal die Tagesmittelwerte von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter überschritten, allein im Januar schossen die Messwerte sechs Mal über den Tagesgrenzwert hinaus, wie das Umweltbundesamt mitteilt.

Die Straße hat schon lange einen Platz im Negativ-Ranking sicher. Die Anzahl der Tage, in denen der Feinstaub-Tageswert zu hoch ist, werden aber weniger. 2011 waren es noch 59 Übertretungen. „Selbst in Waldgebieten finden sich Tage, an denen die Werte zu hoch sind“, sagt Ulrich Zimmermann vom Landesamt für Umweltschutz dazu.

Ohnehin, sagt er, gelte der Grenzwert erst als überschritten, wenn es in einem Jahr 35 Tage gibt, an denen der Tageswert zu hoch ist. „Die Hauptrolle bei der Feinstaubbelastung spielt der Verkehr“, sagt er, „besonders die Abgase von Dieselfahrzeugen und der Staub, den Lastwagen aufwirbeln“. Baustellen in der Umgebung beeinflussen das Ergebnis zusätzlich – „das sieht man deutlich“, so Zimmermann. Zudem können Hochdruckwetterlagen eine Art Dunstglocke über die Stadt legen, so dass die Luft förmlich stehen bleibt.

Seit 2011 versucht die Stadt, zumindest in den trockenen Sommermonaten den Staub zu binden. Dafür wird die Paracelsusstraße in Trockenperioden zwischen Dessauer Platz und Wasserturm bis zu fünfmal pro Woche nass gereinigt. Auch in der der Volkmannstraße, der Merseburger Straße und der Delitzscher Straße wird gesprüht statt gekehrt. „Die Nassreinigung hat im Jahr 2016 rund 12.300 Euro gekostet und damit rund 6.700 Euro mehr als die Kehrleistung“, sagt Uwe Stäglin, Beigeordneter für Stadtentwicklung und Umwelt.

„Das hat sicher Einfluss, genau wie die Einführung der Umweltzone an der Stelle“, sagt Zimmermann. Seit März 2016 hat die Stadt 26 Verstöße gegen die Auflagen in der Umweltzone registriert. Das effektivste Mittel gegen den Staub sei laut Zimmermann sowieso die Umgehungsstraße, sobald sie denn fertig wird.

Fördergelder für mehr Grünflächen beantragt

Derzeit läuft laut Stäglin zudem ein Förderantrag beim Land, um das Gleisbett in der Paracelsusstraße zu begrünen und damit mehr Staub aus der Luft zu filtern. Was sonst noch gegen die dicke Luft getan werden kann, prüft das Land derzeit, so Stäglin. Am Dienstag wurde zunächst vom Landesamt für Umweltschutz ein zweites Messgerät zur Referenz in dem Gitterkäfig der Station an der Paracelsusstraße angebracht.

Den Anwohnern in der Paracelsusstraße beschert der Feinstaub vor allem eins: dreckige Fenster. „Man sieht das auch an den Fliesen im Bad, weil man da ja viel lüften muss“, sagt Anwohner Nikos Illmann. „Sonst bemerke ich davon nicht viel, ich habe keine Atembeschwerden und es riecht auch nicht schlimm hier.“

Gustav Niggl fallen ebenfalls zuerst die dreckigen Fenster ein, „ansonsten merkt man nicht, dass man an einer so stark belasteten Straße wohnt.“ Auch Cordelia Minuth, die das Geschäft Nähzimmer in der Paracelsusstraße betreibt, hat mit dem Feinstaub umgehen gelernt und lüftet nur mit den Fenstern zum Hinterhof. „Die Lastwagen sind am schlimmsten, die machen den meisten Dreck, es sollte eine Umleitung geben.“ Zudem gebe es viele Unfälle und wenn sich der Verkehr staut und die Motoren weitertuckern, sei die Luft besonders schlimm.

Die Nassreinigung, so Minuth, „hilft im Sommer spürbar“. Wegziehen würde sie nicht, auch wenn die Straße „mitnichten schön“ ist, weil es hier „eine tolle Nachbarschaft“ gebe. (mz)