Lesung zum Holocaust-Gedenken

Lesung zum Holocaust-Gedenken: Theaterpädagogin zeichnet Flucht einer Jüdin nach

Halle (Saale) - Im Jahr 1939 fordert ein Preisausschreiben der Harvard University Boston Emigranten weltweit auf, über ihr Leben in Deutschland vor und nach Hitlers Machtergreifung 1933 zu berichten. Eine, die diesem Aufruf damals sofort nachkommt, ist die Journalistin Käthe ...

Von Katja Pausch 27.01.2020, 08:48

Im Jahr 1939 fordert ein Preisausschreiben der Harvard University Boston Emigranten weltweit auf, über ihr Leben in Deutschland vor und nach Hitlers Machtergreifung 1933 zu berichten. Eine, die diesem Aufruf damals sofort nachkommt, ist die Journalistin Käthe Vordtriede.

In letzter Minute hat es die in Freiburg lebende Jüdin und zweifache Mutter am 2. September 1939 geschafft, mit zwei Koffern aus Nazideutschland in die Schweiz zu flüchten. Dem Aufruf der amerikanischen Uni folgend, schickt Käthe Vordtriede ihre Erinnerungen, die später als Autobiographie erscheinen, zu dem Wettbewerb. So schreibt sie im September 1939: „Und da stand ich nun auf einem schweizerischen Bahnhofsplatz. Ich war gerettet.“

Theaterpädagogin aus Halle zeichnet die Flucht einer Jüdin ins Exil nach

„Käthe Vordtriedes Passion war das Schreiben“, weiß Julia Raab. Nicht umsonst habe sich in einem der beiden Koffer der Geflüchteten ausschließlich Papier zum Schreiben befunden - für ganze drei Monate. Julia Raab, freie Figurenspielerin und Theaterpädagogin, hat sich gemeinsam mit der halleschen Literaturwissenschaftlerin Bianca Pick mit der Journalistin, Sozialdemokratin und Jüdin beschäftigt, die mit ihrer Flucht vor dem Tod kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs auf eine neue, bessere Zukunft gehofft hatte.

Aus dieser Beschäftigung entstand ein Projekt, das nun am Montag, dem Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust und zugleich dem 75. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz, seine Aufführung erlebt. In einer szenischen Lesung, bei der Autobiographisches und Briefe an Vordtriedes Kinder zu Gehör kommen, verkörpert Julia Raab die jüdische Journalistin, während Literaturwissenschaftlerin Bianca Pick die Protagonistin und deren Leben vorstellt.

Kooperation wird ergänzt durch das WuK Theater Quartier und durch Gedenkstätte „Roter Ochse“

Um die Veranstaltung, die unter dem Titel „Es gibt Zeiten, in denen man welkt“ steht, zu realisieren, kamen zum ersten Mal drei politische Stiftungen zusammen: Initiatorin Julia Raab konnte die Friedrich-Naumann-Stiftung, die Heinrich-Böll-Stiftung und die Rosa-Luxemburg-Stiftung dafür gewinnen.

Die Kooperation wird ergänzt durch das WuK Theater Quartier als Veranstaltungsort, durch die Gedenkstätte „Roter Ochse“ und den Hallianz Fonds für Vielfalt. Begleitet wird die Lesung am kommenden Montag von der Bremer Band „Die Grenzgänger“, die Songs aus ihrem Album „Lager Lieder Widerstand“ beisteuern.

››Szenische Lesung, 27. Januar, WuK Holzplatz, 20 Uhr, Eintritt frei (mz)