Leiser Abschied vom Provisorium

Leiser Abschied vom Provisorium: Stadt will neuen Eisdom zur Eissporthalle umbauen

Halle (Saale) - Die Stadt Halle plant, den als Übergangslösung gedachten Eisdom in Neustadt als endgültige Ersatzlösung für die vom Hochwasser beschädigte Eissporthalle umzubauen. Damit ist der Neubau einer Halle vom Tisch.

Von Jan-Ole Prasse

Noch ist es ein Geheimplan, in den nur wenige eingeweiht sind. Nach MZ-Informationen will die Verwaltung den vor wenigen Wochen eröffneten Eisdom in der Selkestraße in Neustadt zur neuen Eissporthalle umbauen.

Dafür soll die Fluthilfe in Höhe von maximal 13,7 Millionen Euro in die derzeit 2200 Zuschauer fassende Arena investiert werden. Eigentlich war der Eisdom nur als provisorische Übergangslösung für die kommenden drei Jahre geplant - bis zum Bau der Eissporthalle. Diese Überlegung ist damit hinfällig: Es ist ein Abschied vom Provisorium.

Der Grund für diese Lösung ist einfach. Für den Eisdom fehlt ein tragfähiges Nachnutzungskonzept als normale Sporthalle - insbesondere für die Vormittagsstunden. Dies könnte bei der Beantragung von Fluthilfe zum unüberwindbaren Problem werden. Diesem Risiko will sich die Stadt nach MZ-Informationen aber nicht aussetzen.

Fluthilfe nun für Turnhalle

Der Ausbau des Eisdoms soll in den kommenden drei Jahren Stück für Stück erfolgen. Geplant ist, die Zuschauerkapazität von jetzt maximal 2200 auf über 4000 zu erweitern. Dafür sollen auch feste Tribünen installiert werden. Zudem sind statt der Container normale Funktionsbauten und zusätzliche Parkplätze geplant.

Die eigentlich für den Eisdom vorgesehene Fluthilfe von drei bis 3,5 Millionen Euro will die Stadt nach MZ-Informationen stattdessen in den Neubau der Turnhalle am Steg stecken. Die wird dringend für das neue Gymnasium am Hallmarkt benötigt, das in drei bis vier Jahren fertig sein soll.

Groß genug

Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos) wollte den Geheimplan weder bestätigen noch dementieren. Zunächst müssten die Rechtsstreitigkeiten rund um die alte Eissporthalle gelöst werden. Allerdings fügte er vielsagend hinzu: „Es ist natürlich eine charmante Idee.“

Auch im Stadtrat stößt der Plan auf Zustimmung. „Wir müssen keinen Mercedes haben, ein Golf reicht aus“, sagte SPD-Fraktionsvorsitzender Johannes Krause. Man habe die Pflicht, dass Geld aus der Fluthilfe sparsam einzusetzen.

Der Präsident der Saale Bulls, Daniel Mischner, geht dagegen weiterhin davon aus, dass ein Neubau kommt. „Ich weiß von diesem Plan nichts“, sagte er. Halle brauche eine vollwertige Eissporthalle, die für den Nachwuchs und perspektivisch für die Zweite Liga groß genug sei. „Schließlich ist Halle der einzige Eissportstandort in Sachsen-Anhalt. Da sollten wir uns nicht mit einer schnellen Kompromisslösung zufrieden geben“, so Mischner. (mz)