Förderung von sozialer und beruflicher Integration

Junge Migranten auf Schulabschluss vorbereiten: „Wir helfen“ unterstützt Projekt LOOP

Im Projekt LOOP werden Migranten auf einen Schulabschluss vorbereitet. Wie das funktioniert und an welcher Stelle der Verein „Wir helfen“ unterstützt.

Von Lutz Würbach
Wazeem Kshek, Gaizal Alain und Rama Altinawy (von links) haben den erweiterten Realschulabschluss geschafft.
Wazeem Kshek, Gaizal Alain und Rama Altinawy (von links) haben den erweiterten Realschulabschluss geschafft. (Foto: Saskia Lotz)

Halle (Saale)/MZ - Sie haben es geschafft! 22 junge Leute freuen sich über ihren Schulabschluss. Die Zeugnisse gab es im Peißnitzhaus in Halle in einem feierlich Rahmen. Das Besondere: Die erfolgreichen Prüflinge sind Migrantinnen und Migranten, die über das Projekt LOOP auf den Abschluss vorbereitet wurden.

Dieses Projekt gibt es seit mehr als zehn Jahren. Es ist darauf ausgelegt, jungen Migranten im Alter zwischen 17 und 27 Jahren einen Schulabschluss zu ermöglichen. Man wolle auf diese Weise deren soziale und berufliche Integration fördern, sagt Anna Manser, Vorstandsmitglied der Stiftung Evangelische Jugendhilfe St. Johannis Bernburg.

Verein „Wir helfen“ unterstützt Projekt LOOP

Die St. Johannis GmbH, eine Gesellschaft der Stiftung, ist der Träger des Projektes. Die Finanzierung läuft laut Manser über das Land, die Stadt Halle und den Saalekreis. Abgesehen davon unterstützt der Verein „Wir helfen“ LOOP.

„Er springt da ein, wo wir keine Fördermittel bekommen“, erklärt Manser. Das betreffe unter anderem Zuschüsse zu Renovierungen im Schulgebäude, sagt sie. Oder die finanzielle Unterstützung von Ausflügen. „Wir wollen den jungen Leuten ja auch zeigen, was Deutschland kulturell zu bieten hat“, sagt Manser.

LOOP ist im Moment auf Halle und den Saalekreis beschränkt. Man würde gerne das Angebot erweitern, heißt es, aber dafür fehle unter anderem die finanzielle Ausstattung. Das Interesse junger Migranten aus Syrien und anderen Krisenregionen an dem Angebot ist aber groß. Die Rede ist von Wartelisten, weil die Nachfrage größer als die Kapazität ist.

Bewerbern für Projekt LOOP sind keine räumlichen Grenzen gesetzt

Was womöglich auch daran liegen dürfte, dass Bewerber nicht nur aus Halle und dem Saalekreis angenommen werden. Es gebe keine territorialen Grenzen für die Zulassung, heißt es. In den meisten Fällen geht die Initiative von den jungen Leuten selbst aus. Aber auch das Jobcenter schickt laut Manser immer wieder Interessenten zum Projektträger.

Sie haben es geschafft: Junge Migranten freuen sich über ihren Schulabschluss.
Sie haben es geschafft: Junge Migranten freuen sich über ihren Schulabschluss.
(Foto: Saskia Lotz)

Zwei Bedingen müssen für die Aufnahme ins Projekt mindestens erfüllt sein. Die Bewerber sind aufgrund ihres Alters der allgemeinen Schulpflicht quasi entwachsen und sie müssen die deutsche Sprache zumindest so gut beherrschen, dass sie dem Unterricht folgen können.

Apropos Unterricht, die erfolgreichen Absolventen haben eine sogenannte Nichtschülerprüfung abgelegt. Mit anderen Worten, obwohl sie eigentlich keine Schüler gewesen sind, haben sie in einer ganz normalen Schule in Halle an den Prüfungen teilgenommen. Das konnte nur funktionieren, weil sie über das Projekt LOOP darauf vorbereitet worden sind.

Konkret läuft das seit Jahren so ab: Die jungen Leute werden über ein bis zwei Jahre für diese Prüfungen fit gemacht. Das funktioniert ähnlich wie in einer regulären Schule. Sie haben jeden Tag Unterricht in allen möglichen Fächern wie Biologie, Mathe oder Deutsch. Auf diese Weise eignen sie sich den Stoff an, der zur Abschlussprüfung gefordert wird.

Viele Schüler nehmen Projekt LOOP weiter in Anspruch

In diesem Sommer haben 22 junge Männer und Frauen das Haupt- oder Realschulzeugnis überreicht bekommen. Das sind mehr als 60 Prozent der Teilnehmer gewesen. Ein überdurchschnittlich guter Wert, wie es heißt, obwohl es wie überall im Land nicht einfach war, den Unterricht trotz Corona durchzuführen. Das mache sie stolz auf „ihre“ Schüler, sagte die Projektleiterin Manuela Diegmann während der Abschlussveranstaltung.

Wie geht es nun weiter? Wazeem Kshek (23) aus Syrien hat den erweiterten Realschulabschluss geschafft. Er wird eine Ausbildung zur Pflegekraft beginnen. Für die beiden jungen Frauen Gaizal Alain (22) und Rama Altinawy (21) geht es mit der Schule weiter. Beide wollen auch noch das Fachabitur schaffen.

Für vier Schüler setzt sich das Projekt fort. Nachdem sie jetzt den Hauptschulabschluss in der Tasche haben, wollen sie im nächsten Schuljahr im LOOP für den Realschulabschluss weiter lernen. Abgesehen vom Abschluss: Für Anna Manser ist es mindestens ebenso wichtig, dass die jungen Leute über das Projekt das Gefühl von Sicherheit und Stabilität vermittelt bekommen haben. Und die Erfahrung, dass Menschen zu ihnen halten, wie sie zur Zeugnisübergabe sagte.