„Sofort nach dem Entdecken entfernt“

„Halt!“ und gelber Judenstern - Bäcker in Halle distanziert sich

In einer Filiale der Bäckereikette Wendl in Halle war ein Aufkleber zu sehen, der als antisemitisch bewertet wird. Was das Unternehmen zu den Vorwürfen sagt.

Von Denny Kleindienst
Ein Bäcker in Halle wehrt sich gegen Vorwurf des Rechtsextremismus - Symbolbild
Ein Bäcker in Halle wehrt sich gegen Vorwurf des Rechtsextremismus - Symbolbild (Foto: dpa)

Halle (Saale)/MZ - In der Filiale der Bäckereikette Wendl in der Fritz-Hoffmann-Straße in Halle war in der vergangenen Woche ein Aufkleber zu sehen, der vom Bündnis „Halle gegen Rechts“ als antisemitisch bewertet wird. Auf dem roten Sticker waren die Worte: „Halt!“ und „Stop!“ zu lesen. Zudem war darauf ein gelber Judenstern abgebildet, in dem geschrieben stand: „Ungetestete sind hier nicht erwünscht!“ Auch gab es auf dem Sticker noch einen Verweis auf den Onlineshop des bekannten Rechtsextremisten Sven Liebich. Antisemitisch ist das Motiv laut dem Bündnis „Halle gegen Rechts“, weil es Einschränkungen für nicht-geimpfte Personen mit der Ausgrenzung von Jüdinnen und Juden im Nationalsozialismus gleichsetze und damit die Verbrechen der Nazis an den Juden relativiere.

Der Sticker klebte auf einem Aushang im Fenster der Filiale, mit dem über die aktuellen Öffnungszeiten informiert wurde. Das Bündnis „Halle gegen Rechts“ hat nach Beschwerden über den Aufkleber die Bäckereikette um eine Stellungnahme gebeten.

„Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus haben bei uns keinen Platz“

Auf MZ-Nachfrage erklärt Michael Voigt, Verkaufsleiter bei der Markkleeberger Wendl GmbH, dass der Aufkleber „sofort nach dem Entdecken entfernt wurde“. Das provisorisch angebrachte Öffnungszeitenschild sei zuvor „illegal entfernt, beklebt und wieder angebracht“ worden. Und da die betreffende Eingangstür gerade dauerhaft geschlossen ist, sei der Aufkleber auch keinem Mitarbeiter aufgefallen.

Dieser Aufkleber, betont Michael Voigt, „entspricht in keinster Weise unseren Werten. Wir distanzieren uns aufs Äußerste von dem Gedankengut, das hinter solchen Aufklebern steht und bedauern, dass es zu diesem Vorfall kommen konnte.“ Er fügt hinzu. dass „in unserem Familienbetrieb Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen aus mehr als 20 Nationen und unterschiedlicher Glaubensrichtungen arbeiten“. Und er will auch deutlich zu Ausdruck bringen: „Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus haben bei uns keinen Platz.“

„Das hat jemand bewusst getan, um uns zu schädigen“

Die Bäckereikette hat Anzeige erstattet. Der polizeiliche Staatsschutz hat die Ermittlungen übernommen, da auch geprüft wird, ob es sich um eine politische Straftat handelt. Aus Sicht von Michael Voigt ist der Vorfall mehr als nur ein böser Streich. Er sagt: „Das hat jemand bewusst getan, um uns zu schädigen.“

Den auf dem Sticker vermerkten Onlineshop von Sven Liebich hat sich der Verkaufsleiter daraufhin ebenfalls angesehen. „Ich war auf der Seite“, sagt er. Was er sah, habe ihn erschrocken. Voigt erklärt: „Da stoße ich an die Grenze dessen, was in einer Demokratie möglich ist.“