Geschichtsträchtiges Schloss

Halle (Saale): Neue Residenz vom Land im Stich gelassen?

Halle (Saale) - Seit Jahrzehnten fristet Halles idyllisches Kleinod ein unwürdiges Dasein. Das Land Sachsen-Anhalt lässt die Sache schleifen.

Von Detlef Färber 03.07.2017, 08:00

Sein Kaiserreich war ein wirkliches Weltreich - eins, „in dem die Sonne nie unterging“. Die Rede ist von Karl V., Habsburger Herrscher in weiten Gebieten Europas und Amerikas. Dieser katholische Kaiser regierte vielerorts und drehte auch in Halle, im Jahr 1547, mal sehr heftig am Rad der Geschichte, als er den führenden protestantischen Fürsten Philipp von Hessen, bevor er ihn in der Moritzburg in den Kerker warf, zu einem Kniefall zwang.

Und wo fand er statt, dieser Kniefall? In einem fast schon vergessenen, ungenutzten Saal eines von vielen auch schon fast vergessenen Renaissance-Schlosses im Herzen von Halle: In der einst von Luthers Gegenspieler Kardinal Albrecht erbauten Neuen Residenz.

Neue Residenz: Halles geschichsträchtiges Haus fristet ein unwürdiges Dasein

Kaiser, Kardinal ... und nun? Man kommt kaum mehr umhin, das einen Skandal zu nennen, was in den letzten Jahren, ja Jahrzehnten mit Halles wohl geschichtsträchtigstem und idyllischstem Anwesen geschehen ist: Denn das Haus fristet nahezu ungenutzt und weitgehend unsaniert ein höchst unwürdiges Dasein - auch in Anbetracht dessen, dass es ein bedeutendes Baudenkmal ist, das ein Juwel und Magnet für Halle sein könnte.

Ein Haus dieser Art und dieses Ranges: Was hätte man längst daraus gemacht, wenn es in einer anderen Stadt, beispielsweise einer Landeshauptstadt wie Magdeburg stehen würde. Das Problem ist allerdings, dass die Residenz im Landesbesitz und unter Verwaltung des Bau- und Liegenschaftsmanagements von Sachsen-Anhalt (BLSA) steht. Denn dort lässt man die Sache offenkundig schleifen.

Neue Residenz in Halle (Saale): Oberbürgermeister Bernd Wiegand drängt auf Entscheidung über Zukunft des Anwesens

Dabei war das Schloss mit dem Kaisersaal einst auch Barock-Oper-Spielort und Domizil von Vorläufern der halleschen Universität. Nach deren späterer Gründung waren dort wiederum Institutsräume untergebracht. Und heute? Nur noch Reste der universitären Nutzung und gelegentliche Vermietungen - dazu der lauschige „Sommergarten“, der inzwischen alljährlich neu als Ergebnis von Arbeitsförderungsprojekten entsteht.

Die beliebten Sommergarten-Projekte für die Neue Residenz sollten nicht die einzige öffentliche Nutzungsmöglichkeit bleiben, meint Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos) und drängt nun darauf, dass endlich eine Entscheidung über die Zukunft dieses großartigen Ensembles gefunden wird.

Ideen, Konzepte und Interessenten gebe es: Eine Mischung aus Kultur, Gastronomie und Wohn-Nutzungen sei hier aus Sicht der Stadt denkbar - und damit die Veräußerung der Immobilie. „Wir würden hier gern vermitteln oder vielleicht auch selbst kaufen“, sagt der OB auf Anfrage der MZ.

Doch leider habe man in nötige Unterlagen wie Bestandspläne, Mietverträge und Verkehrswertgutachten bislang keine Einsicht nehmen können.

Neue Residenz: Kleinod von Halle (Saale) hat Sanierung dringend nötig

Auch beim Finanzministerium, dem die BLSA untersteht, hat die MZ in Sachen Residenz angefragt. „Was das Land in den letzten Jahren in dieser Sache unternommen hat und welche aktuellen Entwicklungen, Verkaufspläne oder andere Nutzungsansätze es gibt?“ Die Antwort steht trotz nochmaliger Nachfrage aus. Was bleibt ist die Sorge um ein in Vergessenheit geratendes innerstädtisches Kleinod, das zwar in den 1990er Jahren - vor allem durch Neueindeckung der Dächer - baulich gesichert werden konnte. Dennoch müsste die Residenz endlich saniert werden.

Um endlich wieder eine würdige Rolle in Halle zu spielen! (mz)