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Nach Umbau Halle (Saale): In Nietleben steht jetzt Halles modernster Bahnhof

Von Oliver Müller-Lorey 22.09.2017, 10:47
Der S-Bahnhof Nietleben ist die 100. „Schnittstelle“, die erneuert wurde.
Der S-Bahnhof Nietleben ist die 100. „Schnittstelle“, die erneuert wurde. Holger John

Halle (Saale) - Ausgerechnet im historischen Nietleben befindet sich Halles modernster Bahnhof. Dort, wo noch vor einigen Jahren Gleise, Bahnsteige und ein Schotterplatz vor sich hinrotteten, steht Pendlern und Nietlebenern nun ein barrierefreier Umsteigepunkt zur Verfügung. Der Haltepunkt Halle-Nietleben wurde in den vergangenen Jahren für 2,5 Millionen Euro umgebaut, damit das Umsteigen attraktiver wird.

Am S-Bahnhof Nietleben kann man jetzt auch sein Elektroauto aufladen

Und Umsteigen klappt jetzt nicht nur zwischen Bus und Zug, sondern auch zwischen öffentlichen Verkehrsmitteln und dem Auto - Elektroauto wohlgemerkt. Denn zwei der 42 neu geschaffenen Parkplätze vorm Bahnhof sind für solche Elektroautos reserviert.

Die Stadtwerke haben dort eine Ladesäule installiert, wie sie schon an vielen anderen Orten der Stadt aufgebaut sind. Pendler können so etwa mit dem Elektroauto aus dem Salzatal zur neuen „Schnittstelle“ - wie der Bahnhof offiziell heißt - fahren und ihr Fahrzeug mit Ökostrom laden, während sie mit dem Zug weiter in die Stadt fahren.

S-Bahnhof Nietleben: Bahnen fahren allerdings nur alle halbe Stunde

Momentan sind die Anschlüsse jedoch noch arg begrenzt. Die S-Bahnlinie 7 fährt nur jede halbe Stunde bis zum Hauptbahnhof. Das sind 22 Minuten Fahrzeit für sechs Haltestellen. Nietleben, das ist noch nicht das ganz große Tor zur Welt. Doch das wird sich ändern, sobald der Knotenumbau am Hauptbahnhof abgeschlossen ist, versprach Halles Baudezernent Uwe Stäglin bei der offiziellen Einweihung der „Schnittstelle“ am Donnerstag.

S-Bahnhof Nietleben: Züge fahren in Zukunft auch bis nach Leipzig

„Wenn der Bahnhof fertiggestellt ist, werden Züge von Nietleben bis Leipzig-Stötteritz fahren.“ Nietleben wäre dann sogar ans Mitteldeutsche S-Bahnnetz angeschlossen - mit den Endhaltestellen: Hoyerswerda, Oschatz, Altenburg und Zwickau. Schon am Donnerstag befand Stäglin: „So zentral war Nietleben noch nie.“

So groß die Freude über neue Verbindungen ist; die Zeiten, in denen S-Bahnen zwischen Nietleben und Trotha im Halbkreis pendeln, sind vorbei, sagte Stäglin. Zwar würden auch weiterhin Bahnen ab Trotha fahren, allerdings nicht mehr nach Nietleben, so wie es jahrelang Usus war.

S-Bahnhof Nietleben: Wird auch historisches Bahnhofsgebäude wieder aufbelebt?

An diese alte Zeit erinnert zumindest noch das historische Bahnhofsgebäude, das zunächst sogar abgerissen werden sollte. Doch das historische Empfangsgebäude überlebte die Modernisierung, was dazu führte, dass es aus dem modernen Platz arg heraus sticht. Sowohl der Nietlebener Heimatverein als auch die Freunde der Halle-Hettstedter Eisenbahn haben Interesse, das Gebäude zu nutzen.

Andreas Leopold vom Heimatverein sagte, es sei wünschenswert, wenn das Haus wieder genutzt würde. Bis jetzt trifft sich der Verein in Nietlebener Gaststätten - wieso nicht im Bahnhof? Gut erreichbar ist er jetzt jedenfalls. Die Freunder der Halle-Hettstedter Eisenbahn, die langfristig gar einen Zugbetrieb zwischen Nietleben und Dölau anstreben, haben noch Größeres mit dem Gebäude vor. In einem Nutzungskonzept, das sie 2011 vorgestellt hatten, war sogar die Rede von einem Imbiss, einer öffentlichen Toilette und Vereinsräumen, die als Museum genutzt werden könnten.

Der Nietlebener Bahnhof ist der 100. in Sachsen-Anhalt, der mit Hilfe des Schnittstellenprogramms des Landes erneuert wurde. Aus diesem Grund war am Donnerstag auch Verkehrsminister Thomas Webel (CDU) vor Ort. In den 20 Jahren, in denen das Programm besteht, seien bereits 107 Millionen Euro bereitgestellt worden.

Zufrieden zeigte sich Webel auch mit der Elektro-Ladesäule. Er kündigte an, das bestehende Netz an Ladestationen noch weiter ausbauen zu wollen: Von 200 Punkten, die es landesweit bereits gibt, auf 500 Stationen in den kommenden drei Jahren. Der Weg zur nächsten Ladesäule soll dann höchstens 15 Kilometer betragen. (mz)