Großübung zum Katastrophenschutz

Großübung zum Katastrophenschutz : Zerstörerisches Sturmtief hinterlässt Spuren

Saalekreis - Mehr als 400 Einsatzkräfte üben an fünf verschiedenen Orten im Saalekreis den Ernstfall: Ein zerstörerisches Sturmtief hinterlässt Spuren.

Von maximilian Mühlens 22.10.2018, 08:32

Auf der großen Wiese hinter dem Feuerwehrgerätehaus in Gollma herrscht am Samstagmittag Chaos. Mehrere massive Bäume sind umgestürzt. Unter anderem traf ein Baum ein Auto. Verletzte Jugendliche irren umher und schreien um Hilfe.

Seit einigen Tagen schon campt eine Gruppe junger Leute auf der großen Wiese, als sie urplötzlich von einem Unwetter überrascht werden. Als sich ein Jugendlicher beim Zusammenräumen seiner Zeltausrüstung ein Bein bricht, möchte ihn sein Betreuer mit einem Auto in ein Krankenhaus fahren, doch just in diesem Moment fallen die Bäume um...

Großübung zum Katastrophenschutz: Fünf Einsatzstellen im Saalekreis

Die Szenerie in Gollma wirkt zwar authentisch und vor allem dramatisch - Gott sei Dank ist sie aber nur Teil der jährlichen Katastrophenschutzübung des Saalekreises. „Jedes Jahr üben wir den Ernstfall und jedes Mal stellen wir eine andere Katastrophe dar - dieses Mal ist es ein Sturmtief. Im letzten Jahr war es ein Flugzeugabsturz“, erklärt der Ordnungsamtsleiter des Saalekreises, Jörg Heinze, der MZ.

Dabei ist das fiktive Sturmtief „Maria“ zuvor über den Saalekreis hinweggezogen und hat seine Spuren hinterlassen. Vor allem die Region zwischen Landsberg und Petersberg ist von der Extremwetterlage betroffen. Mehr als 400 Einsatzkräfte aus dem gesamten Landkreis rücken aus, um an fünf verschiedenen Einsatzstellen Hilfe zu leisten.

Großübung zum Katastrophenschutz: THW, Feuerwehren und Rettungsorganisationen

„Mit der großen Katastrophenschutzübung soll die überörtliche Zusammenarbeit der ehrenamtlichen Einsatzkräfte gefestigt werden“, sagt Heinze. Darin inbegriffen ist die Überprüfung von Einsatzplänen, die Brandbekämpfung im Löschtrupp, die Personenrettung aus Gewässern, das Einrichten und Betreiben eines Bereitstellungsraums sowie der taktisch richtige Einsatz der Kräfte und der praktische Umgang mit der Technik.

An der Übung beteiligen sich unzählige Feuerwehren aus den Gemeinden, das Technische Hilfswerk, die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), Seelsorge-Teams und auch verschiedene Rettungsorganisationen. Für die jeweiligen Einsatzkräfte ist die Übung immens wichtig, denn es sei etwas anderes, praktisch zu lernen, als nur theoretisch. „Der Adrenalinspiegel ist alleine schon durch die Anfahrt mit Sondersignal hoch“, erzählt Marvin Günther von der DLRG, der sich gerade zum Sanitäter ausbilden lässt.

Großübung zum Katastrophenschutz: Zusammenspiel zwischen Katastrophenstab und technischer Einsatzleitung vor Ort

Es ist aber auch das Zusammenspiel zwischen dem Katastrophenstab des Landkreises und der technischen Einsatzleitung vor Ort, das überprüft werden soll. Kreisbrandmeister Robby Stock hat im Feuerwehrhaus in Oppin die Funktion des technischen Einsatzleiters übernommen. Zusammen mit seinen Kollegen schickt er von dort aus die Einsatzkräfte, die sich auf dem Parkplatz des ehemaligen Metro-Geländes in Peißen gesammelt haben, zu den jeweiligen Einsatzorten.

Eine Arbeit, die sehr viel Konzentration und vor allem taktisches Geschick abverlangt, denn mit den Einsatz-Ressourcen muss schonend umgegangen werden. „Bitte seid etwas ruhiger und sprecht nacheinander“, ermahnt Stock seine Leute. Dann erkundigt er sich, ob das Einsatztagebuch ordentlich geführt wird. Stock erhält ein Nicken des beauftragten Kollegen.

Großübung zum Katastrophenschutz offenbart Problem

Die große Übung soll aber auch Probleme aufzeigen, die während eines Einsatzes auftreten können. Ein Problem gibt es am Unglücksort in Gollma: Die Einsatzkräfte rücken viel zu spät aus. „Es gab ein Kommunikationsproblem zwischen dem Stab und der technischen Einsatzleitung“, erklärt Jörg Heinze.

Als die Rettungskräfte mit Martinshorn in Gollma eintreffen, beginnen diese sofort mit ihren Maßnahmen. Sie sichten die Unglücksstelle, sprechen Verletzte an - die sehr überzeugend von Darstellern gespielt werden - und organisieren die Rettung. Die gesamte Übung in Gollma wird von Axel Rebenstorf ganz genau verfolgt. Er ist Schiedsrichterleiter und bewertet die Maßnahmen seiner Feuerwehrkollegen. „Mal schauen, wie es läuft“, so der junge Mann und macht sich gleich Notizen auf seinem Auswertungsbogen.

Auch andernorts gibt es bei der Übung viel zu tun: In Niemberg gab es bei einem Be- und Entladevorgang in einem Gefahrgutlager ein Feuer, das übergreift. In Petersberg brennt ein Haus, nachdem ein Strommast auf dieses gefallen ist. An der ehemaligen Sekundarschule in Ostrau gab es eine Explosion und im Steinbruch Gütz werden Personen vermisst - unter anderem im See. (mz)