Collagen im Stadtarchiv

Fotograf Torsten Milarg und seine Zeitreise durch Halle

Der hallesche Fotograf Torsten Milarg verbindet in seinen Bildern historische mit modernen Stadtansichten. Zu sehen sind seine Collagen im Stadtarchiv.

Von Katja Pausch
Mit einer speziellen App können die Fotos interaktiv betrachtet werden.
Mit einer speziellen App können die Fotos interaktiv betrachtet werden. (Foto: Silvio Kison)

Halle (Saale)/MZ - Halle hat eine über 1000-jährige Geschichte, und viele bauliche Zeugnisse dieser Geschichte sind in der weitgehend von Bombenschäden verschonten Stadt glücklicherweise im Stadtbild noch vorhanden und sichtbar. Viele aber auch nicht - heute sind sie nur noch auf historischen Fotografien zu entdecken.

Und von diesen Aufnahmen gibt es jede Menge. Vor allem dem bekannten Porträt- und Architekturfotografen Fritz Möller (1860 - 1923) sowie Gottfried Riehm (1858 - 1928), ein ebenso bekannter hallescher Amateurfotograf, sind zahlreiche historische Stadtansichten zu verdanken. Beide haben zu ihrer Zeit mit der Kamera Szenen des alltäglichen Lebens eingefangen und Gebäude- sowie Straßenansichten für die Nachwelt festgehalten. Für den halleschen Fotografen Torsten Milarg war dies Anlass und Anregung zugleich, sich mit dem Thema Stadtgeschichte auf ganz eigene Weise zu beschäftigen - die Ergebnisse sind nun in einer Ausstellung im halleschen Stadtarchiv zu sehen.

Personen aus der Vergangenheit quasi „mitten unter uns“

In seinen Arbeiten verbindet der 51-jährige gebürtige Güstrower, der zunächst Elektromonteur gelernt und viele Jahre unter anderem als Stuntman und Event-Fotograf gearbeitet hat, historische Fotografien mit aktuellen, digitalen Aufnahmen aus der Gegenwart. Inspiration für Milarg war dabei der für seine historischen Stadtaufnahmen bekannte Fotoband „Halle um die Jahrhundertwende - Photographien von Fritz Möller“ - ein wertvolles Zeitdokument. Für Stadtarchivar Ralf Jakob war die Verwendung der historischen Originalfotos, die im Stadtarchiv bewahrt werden, auch der Grund, die Ausstellung in seinen Räumen zu zeigen.

Fotograf Torsten Milarg zeigt in einer Ausstellung im Stadtarchiv Foto-Collagen von alten und neuen Ansichten der Saalestadt.
Fotograf Torsten Milarg zeigt in einer Ausstellung im Stadtarchiv Foto-Collagen von alten und neuen Ansichten der Saalestadt.
(Foto: Silvio Kison)

Für seine Fotokompositionen hat Milarg die historischen Aufnahmen mit heutigen Ansichten verknüpft - so perfekt, dass sich bei manchen Bildern erst auf dem zweiten Blick erschließt, dass zwischen „modernen“ Passanten einzelne Personen aus der Vergangenheit quasi „mitten unter uns“ sind: ein Mann mit Hunde-Handwagen zwischen modernen Straßenbahngleisen auf dem Markt etwa, eine Pferdedroschke neben einem Verkaufswagen vom heutigen Wochenmarkt, wartende Havag-Fahrgäste vor dem Marktschlösschen neben „Menschen von damals“. Auch Gebäude erfahren auf diese Weise ein Revival und werden damit vor dem Vergessen bewahrt: der Dom zu Halle von der Saaleseite aus, das Alte Rathaus und die Ratswaage, die Oper Halle noch mit der imposanten Kuppel oder auch das zur alten Stadtmauer gehörende Galgtor neben dem Leipziger Turm, das 1819 abgerissen wurde.

Angleichung der neuen Aufnahmen an das historische Bildmaterial

„Die Schwierigkeit, solche Bilder entstehen zu lassen, besteht vor allem in der Angleichung der neuen Aufnahmen an das historische Bildmaterial“, erzählt Milarg, der für manches Motiv mehrfach vor Ort war. „Standort, Perspektive, Lichteinfall und Schatten, Wetter und Bewölkung - das alles ist bei solch einem Vorhaben zu berücksichtigen.“ Besondere Schwierigkeit: Weder von Riehm noch von Möller sei bekannt, mit welcher Brennweite sie fotografiert haben. „Auf einigen historischen Fotos ist zumindest dank einer öffentlichen Uhr erkennbar, wann das Foto aufgenommen wurde“, so Milarg. Auch Kleidung oder andere Details könnten einen Hinweis auf die Entstehungszeit geben. Um den richtigen Lichteinfall zu ermitteln, nutzt Milarg außerdem eine App zur Berechnung.

Am Leipziger Turm wurde das alte Galgtor in die moderne Ansicht ?montiert?.
Am Leipziger Turm wurde das alte Galgtor in die moderne Ansicht ?montiert?.
(Foto: Silvio Kison)

Apropos App: Zwar begibt sich der Ausstellungsgast allein schon durch das Betrachten der Foto-Collagen auf eine Reise durch die Zeit. Doch Milarg hat zudem noch ein besonderes Highlight parat: Mit Hilfe einer kostenlosen App, vor Ort im Stadtarchiv herunterzuladen, kann der Betrachter dank einer Slide-Show auch den Verwandlungsprozess von Alt zu Neu mitverfolgen - moderne Technik macht es möglich.

Foto-Collagen von Torsten Milarg, Stadtarchiv. Führungen 22. September und 20. Oktober jeweils 18 Uhr