Foodsharing in Halle

Foodsharing in Halle: Warum die Uni gegen den „Fairteiler“ im Hof des Juridicums ist

Halle (Saale) - Die Universität Halle will ein Regal, an dem übriggebliebene Lebensmittel gespendet werden können, nicht länger auf ihrem Gelände tolerieren.

Von Katja Pausch und Oliver Müller-Lorey 26.03.2018, 07:50

Geteilte Meinung zu einem Foodsharing-Verteiler: Die Universität Halle will ein Regal, an dem übriggebliebene Lebensmittel gespendet werden können, nicht länger auf ihrem Gelände tolerieren. Seit einigen Tagen schwelt zwischen ihr und den Befürwortern des sogenannten „Fairteilers“ ein Streit um den Stand, der im Innenhof des Juridicums am Uniplatz aufgestellt worden ist. Aufgebaut wurde er im November 2016. Finanziert wurde er vom Studierendenrat.

Studenten und andere Hallenser können seitdem rund um die Uhr Gemüse, Obst, Brot und andere Lebensmittel, die nicht gekühlt werden müssen, in das überdachte Regal hineinlegen. Andere, die nicht viel Geld zur Verfügung haben oder nur eine kleine Menge Lebensmittel brauchen, dürfen kostenlos zugreifen. Die Idee dahinter: Statt zu viel gekaufte Lebensmittel wegzuwerfen, sollen sie gespendet werden.

Fairteiler in Halle: Uni sieht Probleme bei der Hygiene

Doch das von Foodsharing und Studierendenrat gemeinsam betriebene Projekt will die Uni inzwischen nicht länger zulassen. Hintergrund seien Probleme bei der Hygiene. „In der Vergangenheit gab es wiederholt Probleme mit verdorbenen Lebensmitteln, der Müllentsorgung und der Ordnung in diesem Bereich“, sagt Uni-Sprecherin Sarah Huke. „Zudem liegen dem Rektorat mehrere Nutzerbeschwerden wegen Verschmutzung vor. Auch Spezialreinigungen, die durch die Fachabteilung veranlasst wurden, konnten die Situation nicht verbessern“. Man habe den Studierendenrat daher gebeten, den „Fairteiler“ bis zum 31. März abzubauen.

Damit aber wollen sich viele Studenten nicht abfinden: Sie starteten eine Petition gegen das Verbot ihres Regals. Das Angebot werde von vielen Studenten regelmäßig genutzt, so die Begründung für den Erhalt des „Fairteilers“. „Kaum ein Nahrungsmittel bleibt dort länger als einen Tag und der Standort neben dem Gebäude des Studierendenrates hat sich inzwischen etabliert“, heißt es im Text der Petition. Der „Fairteiler“ sei schließlich auch ein Statement für Nachhaltigkeit, der sich die Uni sogar selbst verschrieben habe.

1.355 Unterstützer für den „Fairteiler“ am Juridicum

„Wir sehen das Ganze etwas anders als die Universitätsleitung“, sagt Elisabeth Hahn, Mitglied bei Foodsharing Halle. Die Ecke, in der der „Fairteiler“ stehe, sei schon vor der Aufstellung des Regals eine Problemecke gewesen. Jetzt hätten Uni-Mitarbeiter, deren Bürofenster zum Innenhof führen, von „einer Plage von Ratten und Tauben“ gesprochen. „Das können wir nicht nachvollziehen, denn wir sind regelmäßig vor Ort und säubern das Areal“, so Elisabeth Hahn.

Bis zum Sonntagabend hatten sich auf der Petitionsplattform 1.355 Unterstützer für den „Fairteiler“ am Juridicum ausgesprochen, die Petition läuft noch bis zum 13. April. Ziel sind 2.000 Stimmen. „Wenn wir die schaffen, hoffen wir auf Gespräche mit der Uni-Leitung“, so die Foodsharing-Aktivistin. Man könne sich notgedrungen auch einen anderen Ort vorstellen - Hauptsache, er sei ebenso zentral.

Derzeit gibt es neben dem Uni-„Fairteiler“ noch eine zweiten - mit Kühlschrank - am Peißnitzhaus. „Dort wird am 1. April die Saison eröffnet“, so Peißnitzhaus-Chef Roland Gebert. (mz)